Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 758.

Georg Stulz von Ortenberg

Ehrenbürger, Schneider, Kaufmann * 17. Februar 1771 Kippenheim, † 17. November 1832 Hyères/Dép. Var, Frankreich.

Bei seinem Vater begann Georg Stulz von Ortenberg eine Schneiderlehre, die er in Karlsruhe abschloss. Als Geselle ging er mit 16 Jahren auf Wanderschaft, die ihn nach Frankfurt und Genf führte. Von dort gelangte er als Diener eines Lords nach England und arbeitete in London schließlich wieder als Schneider im deutschen Herrenmodenhaus Schweitzer. Der Besitzer machte ihn zunächst zum Teilhaber, nach seinem Tode zum Alleinerben.

Stutz gelang ein beachtlicher sozialer Aufstieg. Sehr bald konnte er auch das britische Königshaus und den Adel zu seinem Kundenkreis zählen und erhielt Aufträge von den englischen Prinzen, insbesondere vom späteren König Georg IV. Er galt als der Modekönig von London, bei dem sich die Gentlemen und Dandys des Landes regelmäßig einkleiden ließen. Zudem erhielt die Schneiderei Großaufträge der Armee wie die Lieferung der Uniformen für die königlichen Garde-Husaren. So erwarb er ein beträchtliches Vermögen, das er durch Sparsamkeit und erfolgreiche Geldanlagen zu vermehren verstand. Nach 30-jähriger Tätigkeit bezog er aus Gesundheitsgründen im südfranzösischen Hyères seinen Alterswohnsitz.

Stulz spendete große Teile seines Vermögens für wohltätige Zwecke in London und in Hyères. Aber auch in seiner badischen Heimat stellte er für seinen Geburtsort Kippenheim und nach dem Rheinhochwasser von 1831 für die Gemeinden Huttenheim, Rheinsheim, Rheinhausen, Oberhausen und Philippsburg die Summe von 25.000 französischen Franken zur Verfügung. In Karlsruhe bedachte er das Polytechnikum und die Evangelische Lehrerbildungsanstalt mit einer Spende von 30.000 Franken und 1832 überließ er Großherzog Leopold 200.000 Franken (heutiger Gegenwert etwa 2,5 Millionen Euro), mit denen dieser die Stulzische Waisenanstalt im Kloster Lichtenthal einrichtete (seit 1920 Stulz Strieversche Anstalt).

Für seine großherzigen Wohltaten wurde er Ehrenbürger der genannten deutschen Gemeinden (heute Philippsburg und Rheinhausen-Oberhausen). In Kippenheim ließ Großherzog Leopold durch Joseph Berckmüller 1834 ein Denkmal für ihn errichten, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Karlsruhe erhielt er 1830 und 1832 wurde er vom Großherzog als Freiherr von Ortenberg geadelt. In Karlsruhe erinnert seit 1964 die Stulzstraße in Knielingen an ihn.

Manfred Koch 2014

Quellen

GLA 60/1416, 2072-2078, 72/8335, 230/189, 10834, 10844, 263/4563 (betr. Spenden in Baden).

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biographien, Bd. 2, Heidelberg 1875, S. 339; Johann Georg Stulz, Baron von Ortenberg, zus.gestellt von seinen Verwandten, Karlsruhe 1932; Jarry de Manci: Aus dem Französischen übersetzte Lebensgeschichte von Johann Georg Stulz von Ortenberg, in: Kippenheimer Chronik 1977; Helmut Bender: Georg Stulz – ein badischer Hofschneider in London, in: Ekkhart. Jahrbuch für den Oberrhein, 1982, S. 183–185.