Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1724.

Karl August Graf von Werder

General, * 12. September 1808 Schlossberg/Ostpreußen/heute Nordwestrussland, † 12. September 1887 Gut Grüssow/Westpommern/heute Polen, ev., ∞ 1848 Hedwig von Borcke († 1854), 2 Kinder.

Der Sohn eines preußischen Offiziers Karl August Graf von Werder verbrachte seine Kindheit in Breslau und Glogau (Schlesien). Nach seiner Zeit als Hospitant an der Divisionsschule Glogau kam er 1825 zur preußischen Kavallerie, wechselte aufgrund schwacher körperlicher Konstitution allerdings rasch zur Infanterie, wo er die Stationen einer Offizierslaufbahn durchlief. Um dem eintönigen Garnisonsleben zu entkommen, nahm er am Feldzug der russischen Armee im Kaukasus 1842-1844 teil, wo er am linken Arm schwer verwundet wurde. 1846-1866 folgte eine Reihe verschiedener Verwendungen im preußischen Staatsgebiet, ehe er 1866 als Generalleutnant und Kommandeur der 3. Division zu Stettin am Deutschen Krieg, darunter an der Schlacht bei Königgrätz, teilnahm.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kommandierte Werder die badischen Truppen und das XI. Armeekorps. Nach der erfolgreichen Belagerung Straßburgs (August/September 1870) wurde er zum General der Infanterie ernannt und erhielt das Kommando über das neu gebildete XIV. Armeekorps, dessen Generalkommando in Karlsruhe seinen Sitz nahm. Einen mit kriegsentscheidenden Erfolg errang er im Januar 1871 in der Schlacht an der Lisaine, in der er die Franzosen entscheidend zurückschlagen konnte, sodass für die Festung von Belfort keine Hoffnung auf Entsatz bestand und diese anschließend auf Anordnung der französischen Regierung an Preußen übergeben wurde. Der bis dahin weitgehend unbekannte Werder erlangte dank dieser Erfolge besonders in Süddeutschland große Bekanntheit.

Zu den zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen für den General zählten das Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1871 und das Großkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen 1875, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Karlsruhe 1871, der 1875 erbaute Sitz der kommandierenden Generäle des XIV. Armeekorps in der Bismarckstraße 2 erhielt den Namen Palais von Werder, 1874 wurde die Werderstraße und 1887 der Werderplatz in der Südstadt nach ihm benannt und in der Tiefentalstraße erinnert der Werder-Stein an ihn. Mit der Verleihung der Grafenwürde wurde Werder als kommandierender General des XIV. Armeekorps 1879 pensioniert.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 59/131, 710, 456 F 5.

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Karl August Graf von Werder, in: Badische Biographien, Bd. 4, Karlsruhe 1891, S. 496-504; Bernhard von Poten: Werder, August Graf von, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 41, Leipzig 1896, S. 762-766; Walter Vetter: August Graf von Werder, ein preußischer Feldherr in Baden, in: Freiburger Almanach 30 (1979), S. 29-39.