Nobel foundation, http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/1909/braun-bio.html (Zugriff am 30. September 2015).

Karl Ferdinand Braun

Physiker, Elektrotechniker, * 6. Juni 1850 Fulda, † 20. April 1918 New York, ev., ∞ 1885 Amelie Bühler, 4 Kinder.

Der Sohn eines Gerichtsbeamten legte in Fulda das Abitur ab und studierte ab 1868 Mathematik und Physik in Marburg und Berlin, wo er 1872 promoviert wurde. Geldnöte zwangen ihn im Folgejahr, das Staatsexamen zum Gymnasiallehrer abzulegen. 1874 bekam er eine Oberlehrer-Stelle für Mathematik und Naturwissenschaften an der Thomasschule Leipzig. Ab 1876 wurde Braun Professor für Theoretische Physik in Marburg und 1880 in Straßburg. 1883 nahm er den Ruf als ordentlicher Professor für Physik an der Technischen Hochschule Karlsruhe an. Allerdings folgte Braun bereits 1885 der Berufung an die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, um dort in leitender Funktion an der Gründung und dem Aufbau des Physikalischen Instituts mitzuwirken. 1895 wurde er Direktor des Physikalischen Instituts und Ordinarius der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, deren Rektor er 1905/06 zudem war.

Braun galt in der Studentenschaft als Meister des verständlichen Vortrags. In seinen auch für Fachfremde spektakulären Experimenten wandte er eine Lehrmethode an, die sich in seinem auch humorvoll verfassten Lehrbuch „Der junge Mathematiker und Naturforscher“ fortsetzte. Es erschien ab 1875 in zahlreichen Auflagen.

Brauns bekannteste Erfindung ist die Kathodenstrahlröhre (Braunsche Röhre), die zur Grundlage der späteren Fernsehtechnik wurde. Der Prototyp, der technisch noch nicht einwandfrei war, entstand 1897 in Straßburg. Darüber hinaus leistete Braun Wesentliches zur Erforschung der drahtlosen Telegrafie und damit auch zur Nutzbarmachung der von Heinrich Hertz experimentell nachgewiesenen elektro-magnetischen Wellen. Für diese Leistung erhielt Braun 1909 gemeinsam mit dem italienischen Physiker und Radiopionier Guglielmo Marconi den Nobelpreis für Physik.

Braun gehörte 1898 zu den Mitbegründern einer Gesellschaft zur Verwertung seiner Patente, die 1903 in der Telefunken AG aufging, einer gemeinsamen Gründung von Siemens & Halske sowie der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft. 1914 reiste er wegen Auseinandersetzungen um eine Sendestelle der Telefunken AG in den USA nach New York und wurde dort nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs an der Rückreise gehindert. In Brooklyn als Kriegsinternierter lebend, starb er an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Sein Wunsch in Fulda bestattet zu werden, konnte erst 1921 erfüllt werden.

René Gilbert/Manfred Koch 2014

Werk

Ueber den Einfluss von Steifigkeit, Befestigung und Amplitude auf die Schwingungen von Saiten, Dissertation 1872; Geheimnisse der Zahl und Wunder der Rechenkunst, mit einer Einführung von Hans-Erhard Lessing, Reinbek bei Hamburg 2000 (Neuauflage von: Der junge Mathematiker und Naturforscher – Einführung in die Geheimnisse der Zahl und Wunder der Rechenkunst, 1875); Drahtlose Telegraphie durch Wasser und Luft, Hamburg 2010 (Nachdruck der Originalausgabe von 1901).

Literatur

Jonathan Zenneck: Braun, Karl Ferdinand, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 2, Berlin 1955, S. 554 f.; Florian Hars: Ferdinand Braun (1850-1918), Ein wilhelminischer Physiker, Berlin 1999.