Johannes Dickmann, Foto aus: Friedrich Raab: Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe, Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 108.

Johannes (Hans) Franz Eduard Dickmann

Ingenieur, * 17. August 1909 Berlin, † 13. Juli 1957 Karlsruhe, ev., ∞ 1935 Gerda Munsky, 2 Söhne, 1 Tochter.

Johannes Dickmann, Sohn eines Studienrats, besuchte das Gymnasium in Berlin-Zehlendorf und studierte 1927/28 sowie 1930-1934 Schiffbau. Dazwischen hatte er bei der Deutschen Reichsmarine angeheuert und 1933/34 ein halbjähriges Praktikum auf der Marienwerft Wilhelmshaven absolviert. Nach dem Diplom arbeitete Dickmann von Februar bis Juli 1935 als Konstrukteur und Leiter des Statischen Büros im Werk Weser der Deutschen Schiff- und Maschinenbau AG. Anschließend war er bis 1939 Assistent und Oberingenieur am Lehrstuhl für Dynamik des Schiffes der Technischen Hochschule (TH) Berlin.

1938 wurde Dickmann zum Doktor der Ingenieurwissenschaften promoviert und erhielt daraufhin eine Einladung zum 5. Internationalen Mechanik-Kongress in Boston (USA), wo er einen Vortrag über die gegenseitige Beeinflussung von Schiffspropellern und Oberflächenwellen hielt. Bereits im folgenden Jahr habilitierte er sich und wechselte als Konstrukteur zur Stettiner Vulkan-Werft. Dort stieg er rasch zum Oberingenieur, danach zum Leiter der von ihm eingerichteten Arbeitssteuerung für den gesamten Betrieb auf.

1943-1945 war Dickmann Chefingenieur und Vorstandsmitglied der Wiking Schiffbaugesellschaft, Berlin. In seine Zuständigkeit fielen die technischen Sonderentwicklungen, insbesondere der Bau von Betonschiffen. Zudem wurde er bis 1946 Leiter des firmeneigenen Forschungsinstituts, was ihm die Möglichkeit zur Entwicklung von Unterwasserfahrzeugen gab. In der Nachkriegszeit nutzte die britische Militärregierung in Niedersachsen Dickmanns Fachwissen und setzte ihn 1946/47 als Technical Liaison Officer ein. Ende 1947 wurde er Hauptreferent beim niedersächsischen Ministerium für Arbeit, Aufbau und Gesundheit und stellvertretender Leiter der Aufbauabteilung (Bauwesen).

Im Oktober 1949 wechselte Dickmann als Ordinarius für Strömungslehre und Strömungsmaschinen an die Technische Hochschule (TH) Karlsruhe, wo er die Nachfolge von Wilhelm Spannhake antrat. Als Direktor des angeschlossenen Instituts gelang es ihm, seinen Lehrstuhl um eine außerplanmäßige und eine Honorar-Professur sowie um zwei Privatdozenten-Stellen zu erweitern und das Institut zu einer der weltweit führenden Lehrstätten moderner Strömungsforschung zu entwickeln. Als einer der bedeutendsten Wissenschaftler auf diesem Gebiet lehnte Dickmann Berufungen an die Technischen Hochschulen in Hamburg, Berlin (beide 1951) und München (1955) ab. Nach knapp achtjähriger Tätigkeit in Karlsruhe starb Dickmann, der über ein Dutzend Ehrenämter innehatte und als Obmann des Vereins Deutscher Ingenieure für Strömungsforschung fungierte, an plötzlichem Herztod.

Nach ihm ist das Hans-Dickmann-Kolleg (HaDiKo) benannt, ein Karlsruher Studentenwohnheim, das mit knapp tausend Zimmern in fünf Häusern eines der größten selbst verwalteten Wohnheime Deutschlands ist.

René Gilbert 2015

Quelle

KIT-Archiv 28002/76.

Werk

Schiffskörpersog, Wellenwiderstand eines Propellers und Wechselwirkung mit Schiffswellen, in: Ingenieur-Archiv Bd. 9 (1938), S. 452-486, Diss. Berlin 1938; Wechselwirkung zwischen Propellern und Schiff unter besonderer Berücksichtigung des Welleneinflusses, in: Jahrbuch der Schiffbautechnischen Gesellschaft Bd. 40 (1939), S. 234-291, Habil.-Schrift Berlin 1939; Grundlage zur Theorie ringförmiger Tragflügel, in: Ingenieur-Archiv Bd. 11 (1940), S. 36-52; Schiffsantrieb mit instationären Vortriebsorganen, in: Schiff und Hafen Bd. 2 (1950), S. 252-265; Der Lehrstuhl und das Institut für Strömungslehre und Strömungsmaschinen, in: Friedrich Raab (Red.): Die technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe – Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 246-249; Wie schwimmen Fische?, in: Die Umschau – Halbmonatsschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik, Heft 10, Bd. 52 (1953), S. 304-307.

Literatur

O. S.: Vom Schiffspropeller zur Gasturbine. Eine Rückschau auf das Lebenswerk von Professor H. E. Dickmann, in: Badische Neuste Nachrichten (BNN) vom 26. Oktober 1957.