Emil Kirschbaum 1961, KIT-Archiv Karlsruhe 28010 I, 2544.

Emil Kirschbaum

Verfahrenstechniker, Professor, * 25. Juli 1900 Grötzingen, † 12. August 1970 (Bad) Herrenalb/Lkr. Calw, ev., ∞ 1959 Gertrud Bubser.

Der Sohn eines Ingenieurs Emil Kirschbaum besuchte das Gymnasium in Konstanz und Wien, danach studierte er 1919-1923 Maschinenbauwesen in Wien und Braunschweig, wo er 1923 die Prüfung zum Diplomingenieur ablegte. Danach arbeitete Kirschbaum für die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) in Nürnberg und dann kurze Zeit bei der Friedrich Krupp AG im Gruson-Werk in Magdeburg, wo sein Vater Direktor einer Saccharinfabrik war. 1925 wurde er in Braunschweig promoviert. 1928 erhielt Kirschbaum an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe einen Lehrauftrag für Apparatebau und entwickelte einen Lehrplan für diesen Studiengang, der von Prof. Rudolf Plank angeregt worden war. Als dessen Assistent am Institut für Kältetechnik habilitierte er sich 1930 und erhielt 1934 die Ernennung zum Professor für Apparatebau.

1941 wurde Kirschbaum Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Apparatebau und Verfahrenstechnik. Er leitete das Institut über seine Emeritierung im März 1966 hinaus bis zum April 1967. Einen Ruf an die TH Danzig lehnte Kirschbaum 1935 ebenso ab wie das Angebot auf einen Lehrstuhl in Bangalore, Indien im Jahr 1948. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit, in der Kirschbaum sich besonders mit dem Wärme- und Stoffaustausch, dem Destillieren, Rektifizieren und Trocknen beschäftigte, hatte er 1951-1954 die Leitung der Abteilung für Maschinenbau inne, im Studienjahr 1953/54 war er Dekan der Fakultät für Maschinenbau. Kirschbaum gilt als maßgeblicher Begründer des Chemie-Ingenieur-Wesens und der thermischen Verfahrenstechnik als eigenständiges Lehr- und Forschungsgebiet, das er in erster Linie durch die zielgerichtete Teilung der Ausbildung in Grundstudium (Ingenieurwesen) und Hauptstudium (Chemie) erreichte.

Für seine Verdienste erhielt Kirschbaum 1951 als erster Preisträger die goldene DECHEMA-Medaille sowie 1960 die Arnold-Eucken-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Verfahrenstechnik. Zudem wurde er 1960 Mitglied der New Yorker Akademie der Wissenschaften. Seit 1991 werden alle drei Jahre bedeutende Beiträge zur thermischen Verfahrenstechnik oder ihrer beispielhaften Anwendung in der industriellen Praxis mit der Emil Kirschbaum-Medaille ausgezeichnet.

René Gilbert 2015

Quellen

KIT-Archiv 21011/209, 22008, 23014/6, 23014/16, 27044 Nachlass Emil Kirschbaum, 28002/228, 28003/32, 28102/3/6.

Werk

Zur Theorie der Achsenregler, Diss. Braunschweig 1925; Die Verstärkung durch teilweise Kondensation binärer Gemische und ihre Berücksichtigung bei der Berechnung von Rektifizierapparaten, Habil.-Schrift Karlsruhe 1930; 25 Jahre Apparatebau und Verfahrenstechnik an der TH Karlsruhe, in: Chemie-Ingenieur-Technik 1953, Heft 10, S. 547-552.

Literatur

Hans Rumpf: Kirschbaum, Emil, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 11, Berlin 1977, S. 672 f.