Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 783.

Johann Gottfried Tulla

Ingenieur, * 20. März 1770 Karlsruhe, † 27. März 1828 Paris, ev., ledig.

Johann Gottfried Tulla, Sohn eines evangelischen Pfarrers, besuchte das Karlsruher Lyzeum und sollte nach dem Willen des Vaters die geistliche Laufbahn einschlagen. Nachdem der in Diensten des badischen Markgrafen Karl Friedrich stehende englische Geodät Peter Perez Burdett allerdings Tullas Begabung für Mathematik erkannt hatte, erhielt dieser - protegiert durch den Markgrafen - ab 1791 Privatunterricht in Physik, Mathematik und Mechanik bei Johann Lorenz Boeckmann und Karl Christian von Langsdorf in Gerabronn. 1795 ging Tulla an die Bergakademie im sächsischen Freiberg und studierte Chemie und Mineralogie. 1797 trat er als Ingenieur in den badischen Staatsdienst. Nach einer weiteren Ausbildungszeit in Paris 1801/02, wurde Tulla 1803 zum Oberingenieur mit dem Titel eines Hauptmanns im badischen Finanzministerium ernannt. Weitere Beförderungen bis zum Oberst folgten.

Tulla richtete seine Aufmerksamkeit bald auf die überall in Baden anzutreffenden mangelhaften Zustände der Land- und Wasserstraßen, die versumpften und häufig Überschwemmungen ausgesetzten Flussgebiete sowie die zum Schutz bedrohter Orte und Felder nur unzureichend angelegten Dämme. Zur grundlegenden Verbesserung dieses Missstands eignete sich Tulla umfangreiche Kenntnisse im Straßen- und Wasserbau an und erkannte zudem die Notwendigkeit der Heranbildung eines gleichermaßen naturwissenschaftlich wie technisch versierten Ingenieurnachwuchses. Diese Ideen führten 1807 zur Gründung der Karlsruher Ingenieurschule, eine Vorgängereinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Unterdessen hatten die immer wiederkehrenden Überflutungen des Rheins Tulla nach jahrelangen Forschungen zu der Erkenntnis gebracht, dass nur durch eine Regulierung des Flussbettes Siedlungsflächen geschützt und neue gewonnen sowie die Schiffbarmachung des Stroms verbessert und Malaria-Erkrankungen eingedämmt werden konnten. Dafür legte er 1809 die ersten Pläne vor und begann mit den Rheinanliegerstaaten Verhandlungen zur Durchführung des Projekts.

1817 erhielt Tulla die Oberleitung der badischen Wasser- und Straßenbauverwaltung. Noch im selben Jahr begann er mit der ersten Phase der Rheinkorrektur, die eine Einengung, Begradigung und Vertiefung des Stromes von Neuburg am Rhein (Hagenbach) bis Bobenheim-Roxheim vorsah. Das monumentale Projekt, für welches Tulla lediglich den Beginn selbst verantwortete, wurde erst von Max Honsell in den 1870er-Jahren fertig gestellt. Tulla starb 1828 in Paris, wo er sich zur Behandlung eines Steinleidens aufhielt. Bestattet wurde er auf dem Friedhof Montmartre. Sein vom badischen Regenten "auf ewige Zeiten" erworbenes Grab ist bis heute erhalten.

Zu Lebzeiten in Frankreich zum Offizier der Ehrenlegion ernannt (1827), brachte ihm seine Leistung postum Ehrungen in zahlreichen südwestdeutschen Städten ein. In Karlsruhe erinnern die Tullastraße mit Tullaplatz, die Tullaschule und das Tullabad (bis 2008) an ihn. 1853 ließ Markgraf Max von Baden zwischen Karlsruhe und Maxau am Rhein ein Tulladenkmal aufstellen.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 367/ 22-23, 424a/11, F-S Beil/340, N Gut/523; StadtAK7/Nl Zollner 378-379.

Werk

Grundsätze über die Führung der Rheinbauarbeiten, Karlsruhe 1812; Über die Geschwindigkeit des fließenden Wassers in regelmäßigen Kanälen und Flüssen, Karlsruhe 1821.

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Johann Gottfried Tulla, in: Badische Biographien, Bd. 2, Heidelberg 1875, S. 360-364; Heinrich Cassione (Bearb.): Johann Gottfried Tulla. Der Begründer der Wasser- und Straßenbauverwaltung in Baden. Sein Leben und Wirken, Karlsruhe 1929; Heinrich Wittmann: Johann Gottfried Tulla, in: Die TH Fridericiana Karlsruhe, Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 89-95.