Gustav Wendt, 1894, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1716.

Gustav Wendt

Gymnasiallehrer, * 24. Januar 1827 Berlin, † 6. März 1912 Karlsruhe, ev., ∞ 1854 Anna Dohrn, 7 Kinder.

Als Sohn eines Professors verbrachte Wendt seine Jugend in Posen bis zum Abitur 1844, studierte dann in Berlin, Bonn und Halle Altphilologie. Als Gymnasiallehrer in Posen setzte er sich für die "Germanisierung des Ostens unseres Vaterlandes" ein, wechselte dann zum Gymnasium in Stettin, wurde 1854 Prorektor in Greifenberg, 1857 mit 30 Jahren Direktor in Hamm. Dem preußischen Kultusministerium waren seine kulturprotestantischen Ansichten zu liberal, so dass er in Preußen keine weitere Karriere machen konnte.

Julius Jolly, seit 1860 für das badische Bildungswesen im Innenministerium zuständig, 1868 als Staatminister, berief Wendt 1867 als Leiter des Lyceums in Karlsruhe, der größten höheren Schule des Landes, das beengt im Bau neben der Stadtkirche am Marktplatz untergebracht war. 1874 konnte ein neues Gebäude in der Bismarckstraße bezogen werden.

Neben dem Schuldirektorat sollte Wendt als Mitglied des Oberschulrats die Reform des Mittelschulwesens mit sieben Lyceen, fünf Gymnasien und drei Pädagogien vorantreiben. Wendt besuchte etwa jedes zweite Jahr diese Schulen, die nach preußischem Muster alle die Bezeichnung "Gymnasien" erhielten. Dabei wurden besonders die Pflichten der Lehrer betont, die wöchentliche Stundenzahl mit Schwerpunkt auf die alten Sprachen und das Fach Deutsch als "allseitige Orientierung auf dem Gebiet des Geistigen" festgelegt, nicht ohne in seiner Strenge dabei auf Kritik zu stoßen. Wendt gab zahlreiche Schulbücher heraus. Der Gedichtband erschien noch 1922 in 13. Auflage, der Grundriss der deutschen Satzlehre 1923 in 35. Auflage, die Griechische Grammatik noch 1950.

Seine Liebe zur Musik, teilweise als Lehrer, führte zu Kontakten mit Berufsmusikern, darunter Hermann Levi, Clara Schumann und Johannes Brahms. Einer seiner Enkel war der Dirigent Wilhelm Furtwängler.

1907 ging der "Schulmonarch" mit 80 Jahren in den Ruhestand, von Großherzog Friedrich I. als Lehrer seiner Söhne und Verfasser zahlreicher Schriften zur Schulreform hoch dekoriert und zum Geheimrat ernannt. An seiner Beerdigung nahmen Großherzogin Luise, ihr Sohn Friedrich II. und Prinz Max von Baden teil. Schon zu Lebzeiten wurde 1897 die Wendtstraße in Karlsruhe nach ihm benannt.

Marco Wagner 2012

Werk

Lebenserinnerungen eines Schulmanns, Berlin 1909.

Literatur

Leonhard Müller: Gustav Wendt, in: Gerhard Taddey (Hrsg.): Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 1994, S. 365-388.