Gustav Friedrich Wucherer, Lithographie, um 1840, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS IV 36 (Ausschnitt).

Gustav Friedrich Wucherer

Theologe, Mathematiker, Physiker, * 24. Januar 1780 Karlsruhe, † 5. April 1843 Karlsruhe, ev., ∞ 1. 1806 Friederike Gockel, 2. 1819 Auguste Gockel, 3. 1821 Salome Gockel, 10 Kinder aus erster Ehe, 1 Kind aus zweiter Ehe.

Als Sohn des Karlsruher Mathematikers Wilhelm Friedrich Wucherer geboren, studierte Gustav Friedrich Wucherer nach dem Abitur am Gymnasium illustre (heute Bismarck-Gymnasium) 1799-1802 in Tübingen Theologie, Mathematik und Physik. Nach dem Examen erhielt er 1802 eine Aushilfsstelle im badischen kirchlichen Schuldienst in Karlsruhe, ging 1806 als Lehrer nach Biberach (heute Stadtteil von Heilbronn) und wurde wenig später, nachdem der Ort an Württemberg gefallen war, Pfarrverweser in Rußheim (Dettenheim). 1807-1818 amtierte er als Pfarrer der jungen evangelischen Gemeinde in der nun zum Großherzogtum Baden gehörenden Stadt Freiburg i. Br. Hier wirkte er zudem als Universitätsprediger mit der Verpflichtung, Vorlesungen in Physik zu halten.

Nachdem Wucherer sich als Physiker trotz eines kaum vorhandenen Physikalischen Kabinetts bewährt hatte, wurde er 1813 zum ordentlichen Professor für Physik und Technologie ernannt. 1814 erhielt er als Dekan der Philosophischen Fakultät die Doktorwürde. Im Studienjahr 1817/18 bekleidete Wucherer das Amt des Prorektors der Universität Freiburg und erwarb sich Verdienste um den Erhalt der Hochschule, wofür ihm die Stadt Freiburg die Ehrenbürgerwürde verlieh. Mit Gleichgesinnten begründete er in diesem Jahr das mit privaten Mitteln finanzierte Polytechnische Institut.

Nach dem Tod Karl Wilhelm Böckmanns 1821 trat Wucherer dessen Nachfolge als Kustos des Physikalischen Kabinetts sowie als Professor am Gymnasium illustre in Karlsruhe an. Dieser Stellenwechsel wurde Wucherer durch eine Gehaltserhöhung sowie die Ernennung zum Hofrat erleichtert. Sein Weggang führte freilich zum Niedergang des neuartigen Freiburger Instituts. Allerdings hatte die badische Regierung den Nutzen einer solchen Bildungsanstalt für den jungen Mittelstaat erkannt, sodass sie die Einrichtung einer polytechnischen Schule in der Fächerstadt vorantrieb und Wucherer mit der Erarbeitung eines geeigneten Hochschulkonzepts beauftragte. 1825 kam es schließlich zur Gründung des Karlsruher Polytechnikums, das Wucherer als erster Direktor bis 1832 leitete, und an dem er bis 1834 Physik und Technologie lehrte. Wucherers Leistungen beim Aufbau der Hochschule zeichnete Großherzog Leopold 1831 mit der Ernennung zum Geheimen Hofrat aus.

Eine Änderung der Hochschul-Satzung gemäß den Vorschlägen von Friedrich Nebenius, nach der ein jährlicher Wechsel des Direktors durch Wahl innerhalb des Lehrer-Kollegiums erfolgen sollte, veranlasste Wucherer 1834, an die Universität Freiburg zurückzukehren. Dort lehrte er bis zu einem Schlaganfall Ende 1841 Physik und Technologie. Im Sommer 1842 kehrte Wucherer nach Karlsruhe zurück, wo er – aufgrund seiner Lähmung auf Lehnstuhl und Bett beschränkt – seine letzten Lebensmonate verbrachte.

René Gilbert 2015

Quellen

Archiv des KIT 28002/522; GLA 206/3143, 390/1945 (Bild 495), 69 Verlag CFM Nr. 381, Nr. 474; Universitätsarchiv Freiburg A77/43, B038/208.

Werk

Die Größenlehre, für Realschulen populär bearbeitet, fünf Kurse, Karlsruhe 1807-1812; Über die spezifischen Gewichte des Zinnbleies, Freiburg 1817; Die Sonnentemperatur zu Karlsruhe, nach den Resultaten 20jähriger Beobachtungen, tabellarisch und graphisch dargestellt, Karlsruhe 1822; Die Bilder des gestirnten Himmels auf 18 Sternkarten, für die Jugend deutlich dargestellt, mit Erläuterungen, Karlsruhe 1824; Beiträge zur physikalischen Charakteristik der Stadt Karlsruhe, Freiburg 1836; Über Luftpumpenkonstruktion, ein Vortrag ursprünglich bestimmt für die 16. Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte, Karlsruhe 1839; Von Anlegung der Blitzableiter auf Kirchen- und anderen Hochgebäuden, mit spezieller Berücksichtigung des Freiburger Münsters, Karlsruhe 1839.

Literatur

Jacob Lüroth: Wucherer, Gustav Friedrich, in: Badische Biographien Bd. II, hrsg. von Friedrich von Weech, Heidelberg 1875, S. 522; Moritz Cantor: Wucherer, Gustav Friedrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) Bd. 44, Leipzig 1898, S. 261-263; Paul Gehring: Professor Wucherer und seine Freiburger Polytechnische Schule von 1818. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte der Technischen Hochschule Karlsruhe, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 116 (1968), S. 369-381; Klaus-Peter Hoepke: Geschichte der Fridericiana – Stationen in der Geschichte der Universität Karlsruhe (TH) von der Gründung 1825 bis zum Jahr 2000, Karlsruhe 2007, S. 29-33 (= Veröffentlichungen aus dem Universitätsarchiv Karlsruhe Bd. 1).