Hermann Kupferschmid in seinem Atelier, 1952, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 0433.

Hermann Karl Wilhelm Kupferschmid

Maler, Graphiker, NS-Ratsherr, * 19. September 1885 Waldshut (heute Waldshut-Tiengen), † 7. Juli 1975 Achern, kath., ∞ 1934 Ruth Schellenberg, 1 Tochter.

Hermann Kupferschmid, Sohn eines Oberbaurats, besuchte 1891-1901 die Volksschule und das Gymnasium in Offenburg sowie anschließend bis 1904 das Gymnasium in Mannheim. Nach dem Abitur studierte er auf Wunsch des Vaters bis 1908 an den Technischen Hochschulen (TH) Karlsruhe und München Architektur und legte die Diplom-Prüfung bei Josef Durm ab. Danach widmete sich Kupferschmid seiner künstlerischen Ausbildung und studierte bis 1914 an der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden Künste bei Ernst Schurth, Walter Conz und Caspar Ritter, dessen Meisterschüler er war. Studienreisen in dieser Zeit führten ihn in die Niederlande, nach Frankreich und nach Italien.

1914-1918 leistete Kupferschmid Kriegsdienst im Badischen Leibgrenadier-Regiment Nr. 109 sowie in den Reserve Infanterie Regimenten Nr. 40 und Nr. 69. Er nahm an Kampfhandlungen in Flandern, Nordfrankreich und Galizien teil, zuletzt als Leutnant der Reserve. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse sowie den Orden vom Zähringer Löwen Zweiter Klasse.

Durch sein Frühwerk, das bereits Szenen aus dem Straßenbau und industrielle Arbeitsstätten zeigt, erhielt Kupferschmid in den 1920er-Jahren zahlreiche Aufträge von namhaften Konzernen der Schwerindustrie, unter anderen von der Dortmunder Eisen- und Stahlwerke Hoesch AG, den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken, dem Badenwerk und dem Schluchseewerk, der Deutschen Werft sowie dem Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller. Diese Auftragswerke, die Aquarelle, Ölgemälde und Tempera umfassen, zeigen in imposanter Darstellung die Arbeitswelt mit Hochöfen, Gießhallen, Walzwerken sowie Hafen- und Industrieanlagen im Ruhrgebiet und an der Alster. Regionale Sujets zeigen die Kraftwerke an der Murgtalsperre und am Schluchsee sowie den Bau der Ravennabrücke. Mitte der 1930er-Jahre erhielt Kupferschmid von der Friedrich Krupp AG den Auftrag zur Anfertigung großformatiger Radierungen, die wegen ihrer malerischen Hell-Dunkel-Wirkung Beachtung fanden.

Zum 1. August 1930 trat Kupferschmid in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. Bereits seit 1929 war er Mitglied im Kampfbund für deutsche Kultur gewesen. 1934 erhielt er als Nachfolger von Walter Conz einen Lehrauftrag für freie Graphik an der Karlsruher Akademie, der 1941 zu einer planmäßigen Professur führte. 1935 bestimmte ihn die Akademie – gegen seinen Willen, wie er später angab – als ihren Vertreter für das Karlsruher Ratsherrenkollegium, dem er bis 1945 angehörte. Kupferschmid war auch Beirat des Oberbürgermeisters für Angelegenheiten der Musik und bildenden Künste. 1938 kaufte er ein Bauernhaus in Sasbachwalden und richtete sich dieses als Landsitz ein.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete sich Kupferschmid als Kriegsfreiwilliger und diente als Transportoffizier (Hauptmann der Reserve), zuerst im Elsass, später in der Ukraine, wo er 1943 verwundet und als Kriegsbeschädigter entlassen wurde. Dafür erhielt er das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse. Durch einen Bombenangriff wurden sowohl Kupferschmids Karlsruher Wohnung als auch sein Atelier samt einem Großteil der dort gelagerten Werke zerstört. Nach Kriegsende verbrachte er auf Anordnung der französischen Militärbehörden vier Wochen im Gefängnis in Bühl.

Nach seiner Entnazifizierung durch den Staatskommissar für politische Säuberung Freiburg, der ihn im Oktober 1948 zum Mitläufer ohne Sühnemaßnahmen einstufte, was von der Zentralspruchkammer Nordbaden im Januar 1949 anerkannt wurde, arbeitete Kupferschmid, der auch ein talentierter Hornist war, wieder als freischaffender Künstler. Themen seines Spätwerks waren Ansichten badischer Städte und Landschaften sowie das heimatliche Brauchtum wie die alemannische Fasnacht. Kupferschmid erhielt den graphischen Preis der Zeitschrift "Die Rheinlande" (1912), die Silberne Österreichische Staatsmedaille für Bildende Kunst (1913), die Goldene Medaille der Stadt Karlsruhe (1929) sowie den Badischen Staatspreis für Malerei (1930).

René Gilbert 2016

Quellen

StadtAK 8/ZGS Kupferschmid, Hermann; GLA 456 E 6826, 465 f 839, 425 Zugang 1981/74 Fasz. 59, 233/24777.

Werk

Marktplatz Karlsruhe, Radierung um 1930; Hochofen der Friedrich Krupp AG Essen, Radierung um 1935 (beide Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Narrensprung in Rottweil, Tempera; Gengenbachs Hexen, Tempera; Hexenverbrennung am Fasnachtdienstag in Offenburg, Öl auf Leinwand; Kalender - Reproduktion und Druck nach Aquarellen, Karlsruhe 1953; Historische Uniformen badischer Regimenter, Karlsruhe 1965; Weitere Werke im Hoesch-Museum Dortmund.

Literatur

Fritz Wilkendorf: Hermann Kupferschmid. Zum 70. Geburtstag des Maler-Graphikers, in: Badische Heimat 35 (1955), S. 306-312; Fritz Wilkendorf: Hermann Kupferschmid, der Graphiker und Maler, in: Badische Heimat 41 (1961), S. 359-373; Emil Mangler: Zum Tode von Prof. Hermann Kupferschmid, in: Ekkart 55 (1976), S. 153-161; Renate Liessem-Breinlinger: Hermann Kupferschmid, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 4, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2007, S. 198-200.