Sophie Reinhard, um 1814, Kreidelithographie, anonym, Inv.Nr. A 8660, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Foto ©Staatsgalerie Stuttgart.

Sophie Karoline Friederike Petronella Reinhard

Malerin, Radiererin, * 9. Juni 1775 Kirchberg/Rhein-Hunsrück-Kreis, † 17. Dezember 1844 Karlsruhe, ev., ledig.

Sophie Reinhards Vater, Maximilian Wilhelm Reinhard, war gebürtiger Karlsruher und bei ihrer Geburt Badischer Hofrat und Amtmann in Kirchberg in der Vorderen Grafschaft Sponheim, die damals zur badischen Markgrafschaft gehörte. Wegen der regelmäßigen Versetzungen ihres Vaters verbrachte Reinhard den weiteren Teil ihrer Kindheit (1783-1792) in Lörrach. Um 1793 begann sie mit ihrer künstlerischen Ausbildung und wurde Schülerin des Karlsruher Galeriedirektors Philipp Jakob Becker. 1807 setzte sie ihre Studien in München bei dem Galeriedirektor Johann Christian von Mannlich fort. 1808/09 unternahm Reinhard eine Studienreise nach Wien, 1810-1814 hielt sie sich in Italien (unter anderem Rom, Neapel) auf, wo sie zahlreiche Künstlerbekanntschaften (Joseph Anton Koch, Friedrich Overbeck, Franz Ludwig Catel, Bianca Milesi, Karl Friedrich von Uexküll-Gyllenband) schloss. Auf Betreiben ihres Vaters und ihres Bruders wurde Reinhard 1813 zur badischen Hofmalerin ernannt. Bei einem Jahresgehalt von 800 Gulden gehörten zu ihren Aufgaben die Anfertigung von Bildern sowie die Erteilung von Zeichenunterricht.

Ihre Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die religiöse Darstellungen, italienische Genreszenen sowie Portraits der eigenen und der großherzoglichen Familie umfassen, stellte Reinhard auf den ersten sechs Ausstellungen (bis 1829) des im Frühjahr 1818 gegründeten Karlsruher Kunstvereins aus. Die 1820er-Jahre gelten wegen der häufigen Beteiligung an Ausstellungen als Höhepunkt in Reinhards Schaffen. Zudem fertigte sie 1820 zehn Blätter (Radierungen) zu Johann Peter Hebels Alemannischen Gedichten an. Ab 1830 zog sich Reinhard mehr und mehr vom gesellschaftlichen Leben in der Fächerstadt zurück und verbrachte den Lebensabend in ihrem 1828 erbauten Haus in der Lindenstraße 5 (heute Kriegsstraße 126).

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 56/382.

Werk

Caroline Eisenlohr geb. Reinhard (geb. 1784), Schwester der Künstlerin, Pastell auf Pergament, um 1806; Wilhelm Reinhard (geb. 1776), Bruder der Künstlerin, Pastell auf Pergament, um 1806; Portrait des Maximilian Wilhelm Reinhard, Öl auf Leinwand 1810; Die heilige Elisabeth mit dem Johannesknaben, Öl auf Leinwand 1812; Selbstbildnis, Öl auf Leinwand auf Holz um 1812; Hirte mit Flöte, Bleistiftzeichnung 1813; Die heilige Cäcilie, Kniestück, Öl auf Leinwand 1821; Markgräfin Anna von Baden-Durlach (1540-1586) verteilt Almosen an Arme und Kranke, Öl auf Leinwand um 1823; Markgraf Christoph I. von Baden (1453-1527) empfängt Gesandte Kaiser Maximilians, Öl auf Leinwand 1825; Tod des Torquato Tasso, Öl auf Leinwand 1828 (alle Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Zehn Blätter nach Hebels Alemannischen Gedichten, componirt und radirt von Sophie Reinhard, 1820.

Literatur

August Beringer: Badische Malerei 1770-1920, 2., erweit. Aufl., Karlsruhe 1922, S. 37, S. 267; Ulrich Thieme/Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart Bd. 28, Leipzig 1934, S. 129; Bärbel Kovalevski: Deutsche Malerinnen in Italien von 1810-1850, in: Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Künstlerinnen der Goethe-Zeit zwischen 1750 und 1850, hrsg. von Bärbel Kovalevski, Ostfildern-Ruit 1999, S. 70-78; Katrin Seibert: Rom besuchen – Italienreisen deutscher Künstlerinnen zwischen 1750 und 1850 Bd. 1, München 2009, S. 75, S. 232; Edwin Fecker: Die Großherzoglich Badische Hofmalerin Sophie Reinhard (1775-1844), http://www.edwin-fecker.de/sophie_reinhard.htm#_ftnref6 (Zugriff am 5. Oktober 2015).