Städtische Galerie Karlsruhe.

Erwin Spuler

Maler, Zeichner, Grafiker, Keramiker, * 22. März 1906 Augsburg, † 7. April 1964 Cros-de-Cagnes/Dép. Alpes-Maritimes, Südfrankreich, ∞ 1939 Elisabeth Holzwarth.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Frankental und Mannheim bis zur Obersekunda nahm der Sohn eines Apothekers im Herbst 1922 ein Studium an der Württembergischen Kunstgewerbeschule in Stuttgart auf, das er von Ende 1923-1929 an der Badischen Landeskunstschule fortsetzte. Seine Lehrer in Karlsruhe waren Georg Scholz, Ernst Würtenberger, Karl Hubbuch, Karl Dillinger und Walter Conz, dessen Meisterschüler er war. Hubbuch und Scholz, beide Vertreter der "Neuen Sachlichkeit", wirkten auf Spulers frühe Arbeiten prägend. Doch schon bald fand er zu seinem eigentlichen Metier, dem unmittelbaren, rein deskriptiven Festhalten äußerer Eindrücke in Blei, Kohle oder Pastell. Die bis 1933 in Karlsruhe und auf Studienreisen nach Paris, Südfrankreich und Berlin entstandenen Kompositionen halten schnappschussartig Straßenzüge, historistische Häuserfassaden, Brücken, Automobile, Wohnviertel und Industrieanlagen fest. Konsequenterweise bediente er sich seit 1928 auch der Kamera zur Dokumentation der Impressionen. 1929 erhielt Spuler den Staatspreis des Landes Baden für Grafik.

Seit 1929 lebte er als freischaffender Künstler. Durch die Zusammenarbeit mit der Majolika-Manufaktur seit 1931 verlagerte sich Spulers Schwerpunkt auf kleinkeramische Arbeiten, die ihm die Existenzgrundlage sicherten. 1934 wurde er Mitglied der Reichskulturkammer, was ihm in den nächsten Jahren Aufträge für monumentale Wandkeramiken in Kasernen und öffentlichen Gebäuden einbrachte. In den stilisierten Frauen- und Luftwaffenbildern der 1930er-Jahre ging er mit der nationalsozialistischen Kunstauffassung konform, was 1940 zur Beteiligung an der "Großen Deutschen Kunstausstellung" in München führte. Mit dem Einsatz als Hilfszöllner im Kreis Metz (1941-1943) und Verpflichtungen in Berlin und München (1943-1945) rückten persönliche Eindrücke an der Front und in den zerbombten Städten ins Bildgeschehen. 1948 erhielt Spuler an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Karlsruhe einen Lehrauftrag für Zeichnen und Modellieren.

Spulers Œuvre gliedert sich vor allem in Zyklen (Frauenporträt, Stadtlandschaft, Krieg, Côte d’Azur etc.). Der umfangreichste Zyklus "Als das Feuer vom Himmel fiel" entstand zwischen 1944 und 1964 und thematisiert in zunehmend abstrakterer Form zerstörte Stadtlandschaften und menschliches Leid. In Karlsruhe schuf er nach dem Wiederaufbau des Rathauses das Wandrelief im Bürgersaal und die Wandkeramik im Foyer des Tullabades. 1946 gehörte Spuler zum Mitbegründer der Künstlervereinigung Der Kreis und war seit diesem Jahr an zahlreichen Ausstellungen beteiligt.

Katja Förster 2014

Literatur

Philipp Heise: Erwin Spuler (1906-1964). Leben und Werk, Diss. Univ. (TH) Karlsruhe, 2000, http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000005838 (Zugriff am 28. Oktober 2015).