Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1104.

Heinrich von Zügel

Maler, * 22. Oktober 1850 Murrhardt/Rems-Murr-Kreis, † 30. Januar 1941 München, ∞ 1875 Emma Schippert, 1 Sohn, 3 Töchter.

Durch die elterliche Schäferei richtete sich das Interesse des zeichnerisch begabten Jungen von Anfang an auf Schafe und andere Nutztiere in der ländlichen Natur. Nach einer zweijährigen Ausbildung an der kunsthandwerklichen Fortbildungsschule in Schwäbisch Hall besuchte Heinrich von Zügel von 1867-1869 die Stuttgarter Kunstschule und seit Anfang 1870 die Münchner Kunstakademie. Letztere verließ er bereits nach kurzer Zeit, um sich auf dem Gebiet der Tiermalerei autodidaktisch weiterzubilden.

Mit den meist kleinformatigen naturalistischen Tierdarstellungen der 1870er-Jahre erlangte er rasch Anerkennung und erste Auszeichnungen. Als er Anfang der 1880er-Jahre die Hochmoorlandschaft von Dachau bei München entdeckte, entstanden seine ersten Freilichtbilder, die seit den 1890er-Jahren Einflüsse des Impressionismus erkennen lassen.

Zum Wintersemester 1894/95 übernahm Zügel als Nachfolger des verstorbenen Hermann Baisch die Professur für Tiermalerei an der Kunstakademie in Karlsruhe. Bereits zum Sommer 1895 folgte er aber dem Ruf an die Münchner Akademie, die eigens für ihn eine Klasse für Tiermalerei eingerichtet hatte. Während seiner kurzen Lehrtätigkeit in Karlsruhe hatte er das nur wenige Kilometer nördlich in der Pfalz gelegene Fischerdorf Wörth entdeckt, das zuvor schon Baisch als Sommerstudienplatz für seine Schüler ausgewählt hatte. Von 1895-1914 und von 1918-1920 verbrachte Heinrich von Zügel regelmäßig das Sommersemester mit seinen Münchner Schülern in Wörth. Hier, in der atmosphärisch stimmungsvollen Landschaft des Altrheins, entstand ein beachtlicher Teil seines Œuvres, boten doch die verwachsenen Weiher und Sümpfe, die alten Weiden, Pappeln und Kiefern sowie die dunstig schimmernde Luft und die zahlreichen Rinder mit den verschiedenen Fellzeichnungen eine ideale Voraussetzung für seine impressionistische Tiermalerei.

Katja Förster 2013

Literatur

Elisabeth Feilen: Heinrich von Zügel und das Malerdorf Wörth am Rhein (1894-1920), Diss. Univ. Saarland, Saarbrücken 1993; Brigitte Reinhardt: Heinrich von Zügel 1850-1941. Gemälde und Zeichnungen, hrsg. von der Galerie der Stadt Stuttgart, Recklinghausen 1981; Eugen Diem: Heinrich von Zügel. Leben, Schaffen, Werk, Recklinghausen 1975.