Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 246.

Eduard Philipp Devrient

Sänger, Schauspieler, Schriftsteller, Theaterintendant, * 11. August 1801 Berlin, † 4. Oktober 1877 Karlsruhe, ∞ 1824 Therese Schlesinger, 5 Kinder.

Als Sohn eines Kaufmanns und Neffe des Schauspielers Ludwig Devrient lernte Devrient zunächst den Beruf des Vaters, gab diesen jedoch 1819 zugunsten einer Sängerkarriere auf und folgte damit seinen beiden Brüdern, die Schauspieler waren. 1819-1844 Mitglied des Berliner Königlichen Hoftheaters zunächst als Sänger - bekannt wurde er durch die Partie des Jesus in der Wiederaufführung der Bachschen Matthäuspassion 1829 unter Leitung des befreundeten Felix Mendelssohn-Bartholdy - dann nach dem Verlust der Singstimme ab 1831 als Schauspieler. 1844 Wechsel als Schauspieler und Regisseur nach Dresden, wo er auch mit Richard Wagner zusammenarbeitete. Neben der Bühnentätigkeit Autor von heute vergessenen Operntexten und Theaterstücken. In Dresden begann Devrient die Theaterarbeit zu reformieren (Verwendung historischer Kostüme, Einführung eines strukturierten Probensystems mit Lese- und Generalproben) und in programmatischen Schriften Grundlagen für eine Verbesserung der Qualität des Theaterschaffens zu legen (Über Theaterschule, 1840; Das Nationaltheater des Neuen Deutschlands, 1849). Hier begann er auch die Arbeit an seinem bedeutendsten Werk, der fünfbändigen Geschichte der deutschen Schauspielkunst (1848-1874).

1852 folgte Devrient, der in Dresden mit seinen Vorstellungen einer auf Ensemblewirkung zielenden Theaterarbeit auf Widerstand - auch seines jüngeren Bruders - gestoßen war, dem Ruf an das Hoftheater in Karlsruhe. Ausgestattet mit voller Freiheit in der Spielplangestaltung und dem Personalmanagement gelang es Devrient, die nach dem Theaterbrand von 1847 heruntergekommene Bühne in dem 1853 eröffneten neuen Theaterbau von Heinrich Hübsch nach seinen Vorstellungen zu reorganisieren und zu reformieren. Er wurde 1869 auch offiziell zum ersten bürgerlichen Intendanten eines deutschen Hoftheaters.

Devrient führte das Karlsruher Drei-Sparten-Haus zu großem Ansehen. Gegen anfängliche Kritik setzte er im Schauspiel auf ein klassisches Repertoire, ohne die Zeitgenossen zu vernachlässigen. Mittels Leseproben für alle Beteiligten formte er den Ensemblegeist und setzte einen realistischen Sprachduktus durch. Mit den Hofkapellmeistern Joseph Strauß und ab 1863 Hermann Levi gehörten Devrient und das Karlsruher Hoftheater zu den frühen Förderern von Richard Wagner. Die große Leistungsfähigkeit des Theaters belegen die Schauspielzyklen der Spielzeiten 1864/65 (20 Shakespeare-Dramen) und 1865/66 (fast vollständig die deutschen Klassiker) und die Opernzyklen 1866/67 (19 deutsche Opern) und 1867/68 (18 italienische und französische Opern).

Nach seinem 50-jährigen Künstlerjubiläum 1869 legte Devrient im Jahr darauf die Direktion aus gesundheitlichen Gründen nieder. Bestattet wurde er in Karlsruhe, wo auf dem Hauptfriedhof sein Grabmal erhalten ist. Außer mit dem badischen Kommandeurskreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen wurde Devrient für seine Verdienste auch mit Orden aus Preußen, Württemberg, Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Weimar ausgezeichnet. Seit 1898 gibt es in Karlsruhe eine Devrient-Straße.

Max Schlenker 2012

Quelle

Nachlass, Badische Landesbibliothek Karlsruhe; GLA 56/948.

Werk

Dramatische und Dramaturgische Schriften, 11 Bde., Leipzig 1846-1874; Rolf Kabel (Hrsg.): Eduard Devrient. Aus seinen Tagebüchern. I. Berlin Dresden 1836-1852, II. Karlsruhe 1852-1870, 2 Bde. Weimar 1964.

Literatur

Gustav Wendt: Eduard Devrient, in: Badische Biographien, Bd. 1, hrsg. von Friedrich von Weech, Karlsruhe 1881, S. 175-181; Bernhard Müller: Die „Ära Devrient“, in: Karlsruher Theatergeschichte, bearb. von Günther Haass/Wilhelm Kappler/Bernhard Müller/Marie Salaba/Hansmartin Schwarzmaier, Karlsruhe 1982, S. 61-77; Hermann Arthur Lier: Devrient, Philipp Eduard, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 47, Leipzig 1903, S. 669 f.; Richter, Karl: Devrient, Eduard Philipp, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 3, Berlin 1957, S. 626 f.