Adolf Ludin

Wasserbau-Ingenieur, * 27. Dezember 1879 Karlsruhe, † 4. August 1968 Berlin, ev., ∞ 1924 Anna Maria Ohle, 2 Töchter.

Adolf Ludin, dessen gleichnamiger Vater als Geistlicher Verwalter (Revisor) arbeitete und 1894-1900 Karlsruher Stadtrat war, legte 1898 das Abitur ab und studierte 1899-1903 an den Technischen Hochschulen (TH) Berlin und Karlsruhe Bauingenieurwesen. Nach der Diplom-Prüfung 1904 arbeitete Ludin bis 1907 als Praktikant im Eisenbahn- und Wasserbau in Konstanz und Karlsruhe. Nach einer Beurlaubung zur Weiterbildung an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaft in Frankfurt a. M. 1907/08 erfolgte 1909 seine Promotion zum Doktor der Ingenieurwissenschaften an der TH Karlsruhe. 1908/09 verantwortete Ludin als Regierungsbaumeister der Rheinbauinspektion Mannheim die Rheinregulierung und erstellte Pläne für die Neckarkanalisierung und die Entwässerung des Mannheimer Hafengebiets. Der Gewinn eines von der Preußischen Akademie für Bauwesen 1909 ausgeschriebenen Wettbewerbs ermöglichte Ludin Studienreisen durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Österreich und Oberitalien. 1911-1914 kehrte Ludin in den badischen Staatsdienst zurück und arbeitete bei der Kulturinspektion Freiburg und bei der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus in Karlsruhe.

Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Artillerie-Offizier übernahm Ludin als Chefplaner den Ausbau des Murgkraftwerks. 1920-1922 folgte eine Anstellung als Privatdozent für Wasserwirtschaft an der TH Karlsruhe und die Habilitation. Anschließend gründete er in Karlsruhe ein Ingenieurbüro, das sich auf die Bearbeitung von Entwürfen und Gutachten für Wasserkraft- und Wasserversorgungsanlagen spezialisierte. 1923 erhielt Ludin einen Ruf als ordentlicher Professor für Wasserbau und Wasserwirtschaft an die TH Berlin, wo er die Modernisierung des Lehrbetriebs und die Erweiterung des Wasserbau-Laboratoriums vorantrieb. Eine Berufung auf den Lehrstuhl seines Doktorvaters Theodor Rehbock in Karlsruhe lehnte er 1932 ab. Obwohl Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), stellte sich Ludin in seinem Institut Versuchen politischer Einflussnahme durch die Nationalsozialisten entgegen. Trotzdem musste er 1945 seinen Lehrstuhl aufgeben und wurde in den Ruhestand versetzt. In der Folgezeit nahm er seine frühere internationale Gutachter- und Beratertätigkeit wieder auf.

Ludin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Mitgliedschaften in Akademien, darunter: 1926 Ehrendoktor der TH Brünn, 1954 Ehrensenator der TU Berlin, 1959 Ehrenbürger der TH Karlsruhe, 1939 ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, 1941 Ehrenmitglied der Königlichen Rumänischen Akademie der Wissenschaften in Bukarest, 1961 Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes. Ludin war der Onkel des SA-Obergruppenführers Hanns Ludin.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 235/2263, 456 E/7435; KIT-Archiv 21013/90, 27025/45, 27025/265, 28002/294; Universitätsarchiv TU Berlin NL Ludin 400/427.

Werk

Über den Ausbau der Niederdruckwasserkräfte nach wirtschaftlichen Grundsätzen, Diss. Heidelberg 1910; Die Wirtschaftlichkeit des geplanten Murgwerkes 1912; Die Wasserkräfte, ihr Ausbau und ihre wirtschaftliche Ausnutzung, Berlin 1913, 2 Bde.; Die physio-geographischen Planungsgrundlagen für den Vollausbau des Rio Negro in Uruguay im Interesse der Wasserkraftnutzung, Schifffahrt und Landeskultur 1950.

Literatur

Peter Franke: Ludin, Adolf, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 15, Berlin 1987, S. 295; Wolfgang Wirth: Adolf Ludin, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1999, S. 308-310.