Adolf Blankenhorn, Lithografie von Otto Laible, Markgräfler Museum Müllheim.
Adolf Blankenhorn in seinem Karlsruher Labor, Markgräfler Museum Müllheim.

Adolf Friedrich Blankenhorn

Önologe, * 6. Juni 1843 Müllheim/Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald, † 7. Januar 1906 Konstanz, ev., ∞ 1868 Adolfine Blankenhorn, 4 Söhne, 2 Töchter.

Adolf Friedrich Blankenhorn, Sohn eines Weingutbesitzers aus dem Markgräflerland, wurde zunächst von Hauslehrern unterrichtet und besuchte anschließend das Gymnasium in Karlsruhe. Nach dem Abitur studierte Blankenhorn Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe und der Universität Heidelberg, unter anderen bei Robert Bunsen und Hermann von Helmholtz, wobei er besonderes Interesse für Chemie entwickelte. Nach der Promotion 1864 kehrte Blankenhorn in den elterlichen Weinbaubetrieb zurück und arbeitete im Gut Blankenhornsberg am Kaiserstuhl.

Um den Weinbau auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, und damit den Winzern produktive wie finanzielle Sicherheit zu verschaffen, ging Blankenhorn 1867 als Mitarbeiter von Leonhard Roesler an die TH Karlsruhe. Da die Unterstützung der badischen Regierung ausblieb, verließ Roesler Karlsruhe 1870 wieder und Blankenhorn gründete aus eigenen Mitteln das Önologische Institut Blankenhorn, das erste Weinbauinstitut Deutschlands. Dessen Forschungsergebnisse erschienen in den von Blankenhorn begründeten Zeitschriften Annalen der Önologie (1869-1883) und Der Weinbau (1875-1883). Letztere diente auch als Organ des neu gegründeten Deutschen Weinbauvereins, dessen Präsident Blankenhorn 1874-1893 war.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern lieferte Blankenhorn wichtige Erkenntnisse zu Fragen des Weinbaus und der Rebenzüchtung. Er gilt als Pionier der Reblausbekämpfung, da er als einer der ersten reblausresistente Reben aus Amerika anbaute und damit einen genießbaren Wein herzustellen versuchte. Hierfür stand er in mehrjährigem Briefkontakt mit Friedrich Hecker. Zur Vermeidung von Missverständnissen bzw. Fehlern im Weinbau setzte sich Blankenhorn für eine genaue Sortenbeschreibung und eine einheitliche Sortenbenennung ein. In der 1873 geschaffenen Internationalen Ampelographischen Kommission (Ampelographie = Rebsortenkunde) amtierte er als Vorsitzender. 1870 habilitierte sich Blankenhorn für das Fach Weinbau an der TH Karlsruhe. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seine Hochschultätigkeit 1897 beenden. Die herausragende Rolle, die Blankenhorn für die Ausbildung der Önologie als eigenständiges Fach eingenommen hat, wurde durch die Zuerkennung zahlreicher Diplome und Ehrenurkunden deutlich, die er aus der ganzen Welt erhielt.

René Gilbert 2016

Werk

Bericht über die Arbeiten des chemisch-physiologischen Laboratoriums für Weinbau in Carlsruhe, Karlsruhe 1874; Über die Phylloxera vastatrix und die Organisation ihrer Bekämpfung, Heidelberg 1878; Über den Weinbau der Vereinigten Staaten von Nordamerika und die Bedeutung der amerikanischen Reben für die Erhaltung des europäischen Weinbaues – Briefwechsel zwischen Adolph Blankenhorn und Friedrich Hecker in den Jahren 1872-1880, Karlsruhe 1885 (mit Friedrich Hecker).

Literatur

K. Müller: Adolph Blankenhorn, in: Badische Biographien Bd. 6, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg 1935, S. 595-597, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/154014 (Zugriff am 4. April 2016); Werner Zinser: Blankenhorn, Adolf Friedrich, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) Bd. 2, Berlin 1955, S. 286 f.; Günter Schruft: Markgräfler Winzer – die ersten Mitarbeiter von Dr. Adolph Blankenhorn am Oenologischen Institut Karlsruhe, Wiesbaden 2009 (= Schriften zur Weingeschichte Bd. 165); Bernhard Wagner: Wie zwei Badener die Weinwelt gerettet haben – Professor Adolph Blankenhorns Jagd nach der Reblaus, in: Lahrer hinkender Bote 213 (2013), S. 176-186.