Louise Kachel-Bender, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 347.

Louise (eigentlich Luise) Kachel-Bender

Schauspielerin, * 7. September 1842 Karlsruhe, † 25. Oktober 1916 München, ev., ∞ Gustav Kachel, 2 Töchter.

Von klein auf drängte es Louise Kachel-Bender, die Tochter eines Polizeibeamten, auf die Bühne. In der Eröffnungsvorstellung des von Heinrich Hübsch entworfenen Großherzoglichen Hoftheaters in Karlsruhe im Mai 1853 hatte die erst Zehnjährige ihren ersten Auftritt. Von der Schauspielerin Wilhelmine Thöne gefördert, wurde Luise Kachel ab 1857 in der Ballettschule des Hoftheaters zur "Chortänzerin" ausgebildet. Von Anfang an übertrug ihr Theaterintendant Eduard Devrient auch kleine Bühnenrollen, so dass ihr weiterer Berufsweg feststand, als sie um 1860 wegen einer Gelenkentzündung das Tanzen aufgeben musste. Kachel-Bender verdankte Devrient nicht nur ihre natürliche, stets als Teil des Ensembles verstandene Darbietung, sondern auch ein anspruchsvolles Rollenrepertoire, da unter seiner Leitung Bühnenstücke von Shakespeare, Goethe, Kleist, Lessing, Schiller, Hebbel, Calderón und Molière gegeben wurden.

1870 wechselte die Schauspielerin an das Braunschweiger Hoftheater. Dort schied sie bereits nach nur einer Spielzeit 1871 aus, weil sie im selben Jahr den Architekten und späteren Direktor der Großherzoglich Badischen Kunstgewerbeschule Gustav Kachel heiratete. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1882 kehrte sie 1883 an das Karlsruher Hoftheater zurück, an dem sie nach einer Gastvorstellung als "Donna Isabella" in Schillers "Braut von Messina" wieder fest engagiert wurde. Zuletzt stand Kachel-Bender, die während ihres zweiten Karlsruher Engagements noch mit drei Intendanten – Gustav zu Putlitz (bis 1889), Albert Bürklin (1890-1904) und August Bassermann (ab 1905) – zusammenarbeitete, auch in modernen Stücken, etwa als "Gunhild" in Henrik Ibsens "John Gabriel Borkmann", auf der Bühne. Als sie zum Jahresende 1905 ihre Bühnenkarriere beendete, auch weil sie sich seit langem bei der Rollenvergabe und Vertragsdauer benachteiligt fühlte, wurde ihr durch das badische Fürstenhaus die Ehrenmitgliedschaft des Großherzoglichen Hoftheaters verliehen; bereits 1895 hatte sie für ihre darstellerische Leistung die Goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst erhalten.

Katja Förster 2016

Quelle

GLA 57a/1120 (Personalakte).

Literatur

Horst Ferdinand: Louise Kachel-Bender. Eine Karlsruher Schauspielerin vor hundert Jahren, in: Badische Heimat, Jg. 85, 2005, S. 69-73; ders.: Kachel-Bender, Louise, Schauspielerin, in: Badische Biographien, NF Bd. III, hrsg. von Clemens Ottnad, Stuttgart 1990, S. 138 f.; Bernhard Müller: Die "Ära Devrient", in: Karlsruher Theatergeschichte. Vom Hoftheater zum Staatstheater, hrsg. vom Badischen Staatstheater und Generallandesarchiv Karlsruhe, Karlsruhe 1982, S. 61-77.