General Erwin Oswald inspiziert die Ausbildung in den Karlsruher Kasernen kurz vor Kriegsbeginn, 1939, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/239.
Hinweisschild, Stadtführungen für Wehrmachtsangehörige, Marktplatz, 1940, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/251a.
Aushang der Kriegssondermeldungen vor dem Verlag "Der Führer" in der Lammstraße, 1941, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/383.

Zweiter Weltkrieg

Der von Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg veränderte die Stadt in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Sie verlor zudem ihre Funktion als badische Landeshauptstadt, da Gauleiter Robert Wagner nach dem Sieg über Frankreich 1940 die Verlegung der Gauhauptstadt nach Straßburg beschloss, was aber wegen des andauernden Kriegs nur in Teilen vollzogen wurde.

Der Kriegsbeginn am 2. September 1939 bedeutete angesichts der Nähe zur französischen Grenze für rund 50.000 Menschen, vor allem ältere Frauen, Kinder, Kranke und Gebrechliche, die Evakuierung aus der Stadt. Durch die nahe Front und die potentielle Bedrohung einer Beschießung mit Fernartillerie vom benachbarten Elsaß aus aufgeschreckt, verließen zunächst mehr Menschen die Stadt als vorgesehen. Tatsächlich lag Karlsruhe im Bereich der mittleren und schweren französischen Fernartillerie. Vereinzelt kam es auch zu Panikausbrüchen, so als das Gerücht kursierte, der Karlsruher Bahnhof werde am 4. September beschossen. An diesem Morgen verließ der erste Sonderzug die Stadt, dem bis zum 6. September weitere 38 folgten, die jeweils zwischen 1.000 und 1.200 Personen nach Eppingen, Mosbach, Backnang und Marbach transportierten, etliche wurden auch bis nach Bayern und ins Salzburger Land verbracht. Als aber klar war, dass Frankreich einen direkten Angriff nach dem deutschen Überfall auf Polen scheute, konnten die Evakuierten noch vor Weihnachten 1939 wieder zurückkommen.

Von Luftangriffen war die Stadt zunächst kaum betroffen, sie setzten erst 1941 verstärkt ein, erreichten 1944 ihren Höhepunkt und zerstörten die Stadt im Innenstadtbereich zu über 60 Prozent, in der Fläche zu über 35 Prozent. Nicht zuletzt aufgrund der demoralisierenden Auswirkungen der Versorgungskrise im Ersten Weltkrieg gelang es durch die Ausbeutung der von der Wehrmacht besetzten Länder und unter Ausnutzung aller Reserven - nun wurden z. B. wieder Kriegsgärten u. a. im Schloßbereich angelegt - bis Ende 1944, die Versorgung der Bevölkerung weitgehend aufrecht zu erhalten. Seit Kriegsbeginn organisierte das neue Ernährungs- und Wirtschaftsamt die Ausgabe von Lebensmittelkarten und die Lenkung des Lebensmittelbedarfs. Erst 1942 erfolgte die erste Kürzung der Rationen, ernsthafte Probleme traten aber bis 1944/45 nicht auf.

Die seit 1933 zunehmenden Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung kulminierten am 22. Oktober 1940 in der Deportation von 945 Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs. Schon zuvor, am 16. Mai 1940, waren rund 200, ebenfalls aus rassischen Gründen verfolgte Sinti und Roma im Innenhof des Polizeipräsidiums am Marktplatz zusammengetrieben und mit Lastwagen zunächst in das Zuchthaus Hohenasperg verschleppt worden. Widerstand dagegen regte sich nicht, und auch Hilfe für die Betroffenen gab es kaum. Generell blieb auch in Karlsruhe der Widerstand im Zweiten Weltkrieg wenigen überlassen. War der frühe Widerstand seit 1933 weitgehend Gewerkschaflern, Kommunisten und Sozialdemokraten überlassen geblieben, bildete sich nun zum Vorfeld des 20. Juli 1944 der zum bürgerlichen Widerstand gehörende Kreis um den Rechtsanwalt Reinhold Frank. Frank wurde 1945 hingerichtet.

Nach Kriegsbeginn herrschte vor allem in der Metallindustrie rasch ein Mangel an Facharbeitern, der durch die Versetzung von Arbeitern aus nicht kriegswichtigen Betrieben nur zum Teil behoben werden konnte. Verstärkt übernahmen, wie bereits im Ersten Weltkrieg, Frauen diese Arbeiten. Schließlich wurden auch in einem viel größeren Umfang als im Ersten Weltkrieg Kriegsgefangene eingesetzt und als Novum Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen. Im Sommer 1944 war der Höchststand mit rund 10.000 Zwangsarbeitern in der Stadt erreicht. Diese wurden im April 1945 von französischen Truppen befreit.

Am 4. April war für Karlsruhe der Krieg und damit auch die NS-Herrschaft zu Ende, nachdem angesichts der Aussichtslosigkeit weiteren Widerstandes die Stadt von deutschen Truppen geräumt worden war. Der Stadt und der hier verbliebenen Bevölkerung blieben damit auf jeden Fall weitere Menschenverluste und Zerstörungen erspart. Neben den Todesopfern unter der Zivilbevölkerung hatten 5.802 Soldaten aus Karlsruhe ihr Leben verloren, 3.554 weitere wurden vermißt. Der von Deutschland provozierte und ausgelöste Krieg hatte also insgesamt mehr als 12.000 Menschen aus Karlsruhe das Leben gekostet. Die Befreiung durch die französischen Truppen, die damals noch nicht alle als Befreiung sehen wollten oder konnten, erlebten nur noch rund 60.000 Menschen in der zerstörten Stadt.


Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Residenzstadt, Landeshauptstadt, Gauhauptstadt. Zwischen Demokratie und Diktatur 1914-1945, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe. Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 357-502 http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP1XI2Dw44t/Karlsruhe%20Die%20Stadtgeschichte.pdf (Zugriff am 28. Juli 2016).