Vorbereitende Sprengarbeiten zum Abtragen eines Westwallbunkers unterhalb der Karlsruher Rheinbrücke, März 1953, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A2/57/6/37.

Westwall

Während militärische Befestigungsanlagen nach dem Ersten Weltkrieg im Osten bereits seit 1928 errichtet wurden, begann der Ausbau im Westen verdeckt ab 1936 unter Bruch der Bestimmungen des Versailler Vertrags zur Demilitarisierung Deutschlands. Einer der ersten Teile am Oberrhein war bei Karlsruhe der Ettlinger Riegel zwischen Forchheim und Malsch 1936/37, der das Oberrheintal nach Süden absperren sollte und einen Teil der Ettlinger Linie von 1707 aufnahm. 1938 begann das Limes-Programm zur Befestigung der Westgrenze mit standardisierten Bunkern und Panzerhindernissen über 630 Kilometer von Kleve bis Grenzach-Wyhlen. Erst 1939 hatte sich die Bezeichnung Westwall durchgesetzt. Die massenhaft notwendigen Arbeitskräfte kamen über die Organisation Todt und den Reichsarbeitsdienst.

Bei Karlsruhe wurden die Befestigungsanlagen auf den Gewannen und Gemarkungen Rappenwört, Großgrund, Leimengrund und in Knielingen nahe am Rhein angelegt. Nur Befehlsbunker, wie beispielsweise einer Am Rennbuckel nahe des Stadions des Karlsruher Fußballvereins (KFV), wurden in der Stadt selbst erstellt. Östlich des Rheins endeten die Anlagen nördlich von Karlsruhe bei Philippsburg. Der Westwall galt bereits bei Fertigstellung als militärisch veraltet und unzureichend. Bei Kriegsbeginn 1939 musste er seine Tauglichkeit nicht beweisen, da Frankreich nach dem deutschen Überfall auf Polen am 2. September 1939 den Angriff auf Deutschland scheute. Und auch am Kriegsende konnten die Anlagen bei den Kämpfen Anfang April 1945 keine militärische Sicherung bieten.

Sogleich nach Kriegsende 1945 sprengten die Alliierten Teile des Westwalls. Nach dem Kriegsfolgengesetz war der Bund für die Sicherung der Anlagen zuständig, für die Abtragung hatten dagegen die jeweiligen Grundstückseigentümer aufzukommen. Die Stadt Karlsruhe musste bereits Mitte der 1950er-Jahre für die Beseitigung einzelner Bunker auf ihren Grundstücken jeweils 20.0000 bis 50.000 DM aufwenden. Ökonomisch interessant bei der Beseitigung war der Eisenschrottwert. Die für die ehemaligen Westwallanlagen im Regierungspräsidiumsbezirk zuständige Oberfinanzdirektion Freiburg ging 1977 von etwa noch 400 ehemaligen Bauwerken der Anlage im Gebiet von Karlsruhe aus, rief aber zugleich zur Meldung bisher unbekannter Bauanlagen auf.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Literatur

Dieter Bettinger/Martin Büren: Der Westwall. Die Geschichte der deutschen Westbefestigung im Dritten Reich, 2 Bde., Osnabrück 1990; Clemens Kieser: Westwall – Weder Schutzwall noch Baukunst. Die militärischen Westbefestigungen des Nationalsozialismus in Baden-Württemberg, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, Heft 4/2010, S. 247-252.