Eckansicht des Studienhauses in der Kaiserallee 12e, Stadtarchiv Karlsruhe 8/ Bildstelle.

Volkshochschule Karlsruhe e. V.

Die Anfänge der Volkshochschule (vhs) Karlsruhe liegen im Verein Volksbildung, der sich um 1900 unter Vorsitz von Gustav von Stösser gebildet hatte und aus den drei Abteilungen Volkshochschulkurse, Unterhaltung und Volkslesehallen bestand. Führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur, die fast alle dem Lehrerkollegium der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe angehörten, engagierten sich in dem Verein. 1921 löste der 35-jährige Literaturwissenschaftler Karl Holl, seit 1919 Privatdozent, seit 1924 ordentlicher Professor an der TH Karlsruhe, den langjährigen Vorsitzenden Adolf von Oechelhäuser ab. In Holl, der die Vereinsstruktur reorganisierte, das Bildungsangebot ausschließlich auf die Abteilung für Volkshochschulkurse reduzierte und einen Arbeitsausschuss mit Vertretern von Stadt, TH, Kirchenbehörden, Gewerkschaften und kulturellen Vereinigungen gründete, sieht die vhs Karlsruhe ihren eigentlichen Gründungsvater.

Die Vortragsreihen, in denen vorrangig geisteswissenschaftliche, naturwissenschaftliche und technische Themen behandelt wurden, überforderten allerdings den Großteil der heterogenen Hörerschaft. Bereits 1923 wurden sie eingestellt und lediglich die berufsfördernden Kurse fortgesetzt, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 aufgelöst oder gleichgeschaltet wurden.

Im Zuge der Reeducation regte die US-Militärregierung Württemberg-Baden 1946 die Neugründung von Volkshochschulen an. In Karlsruhe erfolgte diese am 4. Januar 1947 (seit 18. April 1947 e. V.) durch Vertreter von Land, Stadt, Kirche, Industrie, Handwerk, Kultur und Wissenschaft sowie den beiden Gymnasiallehrern Ulrich Bernays, der sich bereits in den 1920er-Jahren in die vhs eingebracht hatte, und Heinrich Brodesser. Unter Bernays als Schulleiter und Heinrich Brodesser als dessen Stellvertreter sowie Nachfolger ab 1949 begann der Wiederaufbau der vhs, die an der ehemaligen Zweiteilung in Abendschule und allgemeinbildenden Vortragsreihen festhielt. Die Abendschule mit Schulungskursen in Mathematik, Naturwissenschaften, Sprachen, Volkswirtschaft und Rechtsfragen sowie Stenografie und Maschinenschreiben wurde in den ersten Jahren fast ausschließlich von Erwachsenen besucht, die ihre durch den Krieg abgebrochene Schulbildung zu einem Abschluss bringen wollten. Bis heute bietet die vhs den Besuch von Abendschulen zum Erhalt des Hauptschulabschlusses, der mittleren Reife und des Abiturs an.

Seit Beginn der 1950er-Jahre prägten dann gesellschaftliche Entwicklungen und Trends den inhaltlichen Auf- und Ausbau des Kursprogramms: Der Wunsch nach beruflicher Weiterqualifikation verlangte nach einer Reihe von Fachkursen, die gegen Ende des Jahrzehnts aufkommende Reisebegeisterung nach Fremdsprachenkursen, das Freizeitverhalten in den 1970er-Jahren nach handwerklich-kreativen, musischen und gesundheitssportlichen Angeboten, die moderne Datentechnik ab Mitte der 1980er-Jahre nach EDV- und Computer-Kursen und der demografische Wandel seit den 1990er-Jahren speziell nach Seniorenangeboten. Bot die vhs 1950 94 Kurse mit 76 Dozenten und 1.600 Kursteilnehmern an, waren es 1978 678 Kurse mit 323 Dozenten und 15.200 Teilnehmern.

Bis 1964 fanden sämtliche Kurse und Veranstaltungen extern, in der Regel in Karlsruher Schulen, gelegentlich auch im Bürgersaal des Rathauses, statt; die Geschäftsstelle wechselte während dieser Zeit wiederholt den Standort, ab 1955 befand sie sich im Rathaus West. Im Frühjahr 1964 erhielt die vhs ihr erstes eigenes Gebäude in der Röntgenstraße 10, das neben den Verwaltungsräumen über neun Hörsäle und einen großen Saal für bis zu 350 Personen verfügte. 1979 kam mit der Helmholtzstraße 1 noch ein zweites Haus mit weiteren Unterrichtsräumen, Werkstatt und einem Vortragssaal für rund 100 Personen dazu.

Dem Ausbau der Verwaltung und des pädagogisch-didaktischen Bereichs durch die Anstellung hauptamtlicher Fachbereichsleiter folgte 1993 der Umzug in das geräumige Studienhaus (ehemals Dragonerkaserne) in der Kaiserallee 12e. Seit 1997 ist hier auch die 1989 als städtische Einrichtung unter der Trägerschaft der vhs gegründete Jugendkunstschule untergebracht. Mit rund 4.000 Kursen und Veranstaltungen im Jahr ist die vhs Karlsruhe zentraler Bestandteil des quartären Bildungsbereichs.

Katja Förster 2015

Quellen

Protokoll der Gründungssitzung mit Satzung vom 4. Januar 1947 (StadtAK 8/ZGS), Karlsruher Adressbücher 1900 ff.; Richard Rösel: Festvortrag zum 60-jährigen Bestehen der Volkshochschule Karlsruhe (StadtAK 8/ZGS).