Panorama des Lauterbergs mit Schwarzwaldhaus und Schwanensee, nach einem Aquarell von H. Kley, 1893, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIc 57.
Luftbild des Stadtgartens, 1931, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIa 226.
Der Haupteingang des Stadtgartens am Bahnhofplatz, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 610.

Zoologischer Stadtgarten

1865 wurde im südlichen Teil des vor der Stadt gelegenen und seit 1823 als öffentliche Parkanlage dienenden Sallenwäldchens ein Tiergarten eröffnet. Da der Initiator der Badische Verein für Geflügelzucht war, wurde neben heimischen Vogel- und Wildarten, Papageien, Schildkröten, Affen und zwei Braunbären auch Geflügel präsentiert. 1868 übernahmen der neu gegründete Tiergartenverein, 1869 ein neu gebildetes Tiergartenkomitee die Leitung des Tierparks, dessen Fortbestand nur mit städtischer Unterstützung möglich war.

1871/72 legte man den nördlichen Teil des Sallenwäldchens als städtisches Naherholungsgebiet neu an und erweiterte dieses infolge der Geländeaufschüttung für den Festhallenbau um einen großen See, den künftigen Stadtgartensee. Zum 1. Januar 1877 übernahm die Stadt den Tiergarten in ihren Besitz und vereinigte ihn mit der Parkanlage südlich von Festhalle und Vierordtbad zum Stadtgarten.

Unter der Leitung von Oberstadtgärtner und Stadtgartenverwalter Friedrich Ries entwickelte sich der Stadtgarten zu einer Anlage im typischen Landschaftsstil des 19. Jahrhunderts. 1889-1893 entstand südwestlich des Ludwigsees der künstlich aufgeschüttete Lauterberg, der das Hochreservoir des städtischen Wasserwerks aufnahm. Durch die Aufschüttung waren zwei weitere Seen entstanden, der Schwanensee, dessen Attraktivität durch die Radrennbahn und das Schwarzwaldhaus gesteigert wurde, und der südlich des Stadtgartens gelegene Lautersee mit Uferpromenade. Eine nördliche Erweiterung des Gartens bis an den Bahndamm schuf Raum für ein Pflanzenhaus für tropische Vegetation (1894), eine Felsengrotte mit Pavillon und Wasserfall (1899) und ein Rosarium (1897-1899), in dessen Nähe 1903 noch ein Nymphaearium entstand. Für den Bau des neuen Hauptbahnhofs musste 1909 der Lautersee zugeschüttet werden.

Die Neue Bahnhofstraße und der Bahnhofplatz wurden so konzipiert, dass dem Stadtgarten im Südwesten ein weiteres Geländestück zufiel, das für die Errichtung eines neuen, repräsentativen Südeingangs genutzt wurde. Mit der Integration des alten Bahndamms in die Gartenanlage nach Oktober 1913 kam es nordwestlich des Stadtgartensees zu einer letzten Geländeerweiterung. Anlässlich des bevorstehenden 200-jährigen Stadtjubiläums entstand hier 1914 mit dem Rosengarten, dem damaligen Trend in der Gartenkunst folgend, der erste nach architektonischen Prinzipien gestaltete Sondergarten. Der ebenfalls 1914 angelegte Japangarten bot mit seiner farbenprächtigen fremdländischen Vegetation eine weitere Attraktion. Unter Ries' Nachfolger Friedrich Scherer, Leiter des Städtischen Gartenbauamts seit 1917, entstanden mit der Kaller-Anlage 1919 und der Wolff-Anlage 1919/20 zwei weitere architektonisch gegliederte Sondergärten. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Stadtgartens, der ab 1940 für Gemüseanbau genutzt wurde, zerstört. Der stark minimierte Tierbestand wurde Ende 1945 aufgelöst.

Der Wiederaufbau des Stadtgartens konzentrierte sich zunächst auf die Gartenanlagen sowie einen kleinen, pflegeleichten Tierbestand. Anfang der 1950er-Jahre begann die Erneuerung der Tiergehege für Pinguine, Seelöwen, Seehunde, Eisbären, Affen, Leoparden, Zebras und andere Tierarten. 1963 wurde eine eigenständige Zoodirektion für die Betreuung der Tiergehege und des Geländes südlich des Tiergartenwegs geschaffen. Die Bundesgartenschau 1967 führte mit ihren zahlreichen Um- und Neugestaltungen der gärtnerischen Anlagen, der Verbesserung des Wegenetzes und der Installation der Gondoletta zwischen Stadtgartensee und Schwanensee vor allem zu einer Aufwertung des Stadtgartens als innerstädtischen Erholungsraum. Anlässlich der Gartenbauausstellung wurden zwar auch ein Streichelzoo für Kinder und ein neues Eisbärengehege eröffnet, aber die eigentlichen Modernisierungsmaßnahmen des zoologischen Bereichs setzten erst ab Mitte der 1980er-Jahre ein (Affeninsel, Afrika-Savanne, Elefanten- und Eisbärengehege) und halten, wie das 2015 eröffnete Exotenhaus im ehemaligen Tullabad zeigt, bis heute an. Über eine Million Besucher verzeichnet der Stadtgarten jährlich.

Katja Förster 2014

Literatur

Uta Schmitt: Der Stadtgarten in Karlsruhe, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Stadtarchiv durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2007 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 6); Christine Beil: Der Zoo in Karlsruhe. Ein historischer Streifzug, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2015 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 14); Zur Geschichte des Karlsruher Zoos siehe auch http://www.karlsruhe.de/b3/freizeit/zoo/profil/geschichte.de (Zugriff am 3. Dezember 2015).