Botanischer Garten, im Vordergrund westlicher Schlossplatz mit Hoftheater und alten Orangeriegebäuden, um 1912, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 3/II/1b.

Botanischer Garten

Bis zurück ins 16. Jahrhundert ist das Interesse der Markgrafen von Baden-Durlach an Blumenzucht und Botanik dokumentiert. Bei der Gründung seiner neuen Residenz Karlsruhe legte Markgraf Karl Wilhelm in dem fächerförmigen Areal unmittelbar vor dem Schloss einen Lustgarten an, der im Westen von drei Orangerien nach Plänen von Friedrich von Batzendorf gefasst wurde. Westlich davon setzte sich die Anlage bis zur Grünwinkler Allee (heute Bismarckstraße) fort. Als Markgraf Karl Friedrich ab 1754 die zentrale Mittelachse zwischen Schloss und Vorderem Zirkel als Parade- und Festplatz herstellen ließ, wurde ein Teil der Blumenanlagen an den damaligen Holzplatz nordwestlich der Orangerien und des Küchengartens versetzt.

Die Umgestaltung des nördlichen Schlossgartens in einen englischen Landschaftspark im ausgehenden 18. Jahrhundert und die Neugestaltung des Schlossplatzes zu Beginn des 19. Jahrhunderts veranlassten den Großherzog, das im spitzen Winkel zum Schloss verlaufende Areal zwischen Orangerien, Grünwinkler Allee und Linkenheimer Thorstraße (heute Hans-Thoma-Straße) als Botanischen Garten anzulegen. Dieser entstand ab 1808 nach Plänen von Friedrich Weinbrenner. Im Norden, entlang der Grünwinkler Allee, wurde er von drei aneinandergereihten langgestreckten Pflanzenhäusern und im Südwesten, entlang des Schlossplatzes, von Weinbrenners 1808 eröffnetem Hoftheater, Orangerien und dem Küchentrakt des Schlosses gefasst, während sich der Garten im Westen, entlang der Linkenheimer Thorstraße, ein Stück weit zwischen den Schmalseiten zweier weiterer Treibhäuser und dem Hofgärtnerei- und Akademiegebäude (1838-1846; heute Staatliche Kunsthalle) öffnete.

1852 beauftragte Prinzregent Friedrich I. Heinrich Hübsch mit der Neugestaltung des Botanischen Gartens. Von der klassizistischen Anlage ausgehend, entwickelte dieser eine Konzeption, die Weinbrenners Gedanken, den mit südländischer und exotischer Vegetation angelegten Garten durch eine architektonische Einfassung vom nördlich gelegenen Landschaftsgarten zu separieren, noch konsequenter umsetzte. An die Stelle der drei nördlichen Pflanzenhäuser trat die additive Aneinanderreihung von Gewächshaus mit mittig angeordnetem Palmenhaus, Torbogengebäude und dem nach Norden halbkreisförmig ausschwingenden Bogengang des "Italienischen Gartens", der das spitzwinklig zulaufende Gelände erweitert. Westlich des Pflanzenhauses vermittelt ein schlichter Bau für die Hofgärtnerei zum neuen Orangeriegebäude entlang der Linkenheimer Straße, dem nach Südosten mit dem Wohnhaus des Gartendirektors (1842/43; heute Junge Kunsthalle) und dem Akademiegebäude zwei frühere Bauten Hübschs folgen. Weinbrenners 1847 niedergebranntes Hoftheater war bereits 1851-1853 durch das neue Hoftheater Hübschs ersetzt worden.

Eine Reihe von Hofgärtnern und Garteninspektoren waren für die Entwicklung des Botanischen Gartens verantwortlich, darunter Christian Thran, Joseph Gottlieb Kölreuter, Carl Christian Gmelin, Michael Schweyckert, Andreas Hartweg und Leopold Graebener. Sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg, bei dem sämtliche Gewächshäuser und nahezu der gesamte Pflanzenbestand vernichtet wurden, stellten schwere Einschnitte für die Anlage dar. Ende 1956 war der Wiederaufbau der Häuser abgeschlossen.

Anlässlich der Bundesgartenschau 1967 wurde der Pflanzenbestand erheblich erweitert und ab den 1980er-Jahren systematisch ausgebaut. Durch den Erweiterungsbau (2005-2007) des Bundesverfassungsgerichts (1965-1969) am Standort des ehemaligen Hoftheaters wurde die Grünfläche des Botanischen Gartens, der Gewächse aus allen fünf Kontinenten beheimatet, reduziert. Seit 2014, bis voraussichtlich 2017, werden die Gebäude des spätromantischen Ensembles renoviert.

Katja Förster 2014

Literatur

Helmut Carolus und Thomas Huber: Vom Karlsruher Schlossgarten des 18. Jahrhunderts bis zum Botanischen Garten der Gegenwart, in: Eine Afrikareise im Auftrag des Stadtgründers. Das Tagebuch des Karlsruher Hofgärtners Christian Thran 1731-1733, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Peter Pretsch und Volker Steck, Karlsruhe 2008, S. 13-27 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 30); Manfred Klinkott: Der Botanische Garten in Karlsruhe, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Bd. 3, 1998-2003, Karlsruhe 2004, S. 204-208; Katja Förster: Der Botanische Garten, in: Dies.: Heinrich Hübsch, Karlsruhe 2014, S. 56-59 (= Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 3).