Südwestansicht des Tullabads am Tag der Eröffnung, 16. Juli 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/114/2/23.

Tullabad

Nach der Zerstörung des Friedrichsbads in der Kaiserstraße 136 (heute Passagehof an der Kaiserpassage) am 27. September 1944 stand der Bevölkerung ab 1946 als Hallenschwimmbad nur noch die 1900 eröffnete Schwimmhalle des Vierordtbads zur Verfügung. Die in den folgenden Jahren rasch ansteigenden Besucherzahlen – 1952 zählte das Vierordtbad 391.180 Badegäste – machten den Bau einer zweiten Schwimmhalle dringend erforderlich, der von 1953-1955 mit dem in direkter Nachbarschaft zum Vierordtbad gelegenen Tullabad realisiert wurde. Der Standort hatte sich aus dem von Oberbürgermeister Günther Klotz ab 1952 verfolgten Plan ergeben, den von Kriegsschäden betroffenen Festplatz mittels mehrerer Neubauten (Mehrzweckhallen, Hallenbad, Restaurant) zu einem führenden Kultur- und Sportzentrum auszubauen. Den von der Stadt noch 1952 veranstalteten Ideenwettbewerb für das Großprojekt hatte der Architekt Erich Schelling gewonnen, dessen Entwurf für das Hallensportbad mit ansteigender Hallendecke und verglaster Haupt- und Seitenfront Ausgangspunkt für die weiteren Planungen bildete, die vom Städtischen Hochbauamt unter Leitung von Stadtoberbaurat Helmuth Stephan übernommen wurden.

Der erste und mit Abstand modernste Hallenbadneubau der Bundesrepublik Deutschland wurde am 16. Juli 1955 offiziell eröffnet. Da das nach dem Karlsruher Ingenieur Johann Gottfried Tulla benannte Bad nicht nur für die allgemeine Nutzung durch die Bevölkerung, sondern vor allem auch als Veranstaltungsort nationaler und internationaler Wassersportwettkämpfe konzipiert worden war, verfügte es über ein 25 x 15 Meter großes und 2,1 bis 4,45 Meter tiefes Schwimmbecken mit hydraulisch verstellbarem 10-Meter-Turm, Lichtanzeigetafel, Lautsprecheranlage, Rundfunk- und Pressekabinen für Radio- und Fernsehübertragungen sowie einer bis zu 600 Zuschauern aufnehmenden Tribüne, die nach Bedarf durch Stahlrohrtribünen aus der Schwarzwaldhalle noch ergänzt werden konnte. Unter anderen fanden hier statt: 1956 und 1963 Schwimmländerkämpfe, 1958 und 1965 Deutsche Hallenmeisterschaften, 1961 Deutsche Mannschaftsmeisterschaften sowie von 1975-2007 das Frühjahrsmeeting süddeutscher Schwimmer; 1964 diente das Bad dem Olympiakader unter Springtrainer Hans Sandhöfer auch als Trainingsstätte.

Mit rund 773.000 Badegästen erreichte das Tullabad, das erstmals auch ein Nichtschwimmerbecken in einer separaten Halle anbot, 1964 seinen Besucherrekord. Die Errichtung neuer Hallenbäder in Karlsruhe und Umgebung, die, wie das 1982 eröffnete Fächerbad, mit Wasserrutschen, Whirlpools, Saunen, Solarien und Ruhezonen das gewandelte Freizeitverhalten bedienten, ließ die Besucherzahl in den 1980er-Jahren in den fünfstelligen Bereich sinken. Die 1986 einsetzende Diskussion über Abriss, Generalsanierung oder Nutzung durch die Karlsruher Kongress- und Ausstellungs GmbH (KKA; heute Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK)) führte zu dem Entscheid, das Bad lediglich noch bis zur Eröffnung eines neuen Freizeitbads im Westen der Stadt zu betreiben. 1988 wurde es aufs Einfachste renoviert und mit den nötigsten Neuerungen wie Solarium versehen. Zur Bewahrung der Bausubstanz erfolgte 1997 nochmals eine Teilsanierung, nachdem der Bau 1991 nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg zum Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung erhoben worden war. Mit Eröffnung des Europabads 2008 wurde das Tullabad endgültig geschlossen und dem Zoologischen Stadtgarten zur weiteren Nutzung überlassen. Nach umfassenden Umbauarbeiten im Innenbereich dient es seit 2015 als Exotenhaus des Zoologischen Gartens.

Katja Förster 2015

Literatur

Das Tullabad der Stadt Karlsruhe, hrsg. von der Stadtverwaltung Karlsruhe, Karlsruhe 1955; Peter Bastian/Anke Mührenberg/Bernhard Schmitt: Das Tullabad, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Anke Mührenberg, Karlsruhe 2008 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 8); Volker Steck: Sport in Karlsruhe 1945 bis heute, in: Sport in Karlsruhe von den Anfängen bis heute, hrsg. vom Stadtarchiv durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2006, S. 112-157, bes. S. 152-154 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28).