Walter-Eucken-Schule im Beiertheimer Feld, Januar 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A33/20/5/33.

Walter-Eucken-Schule (ehemalige Handelslehranstalt III)

Am 26. September 1957 genehmigte das Kultusministerium Baden-Württemberg zum Schuljahr 1958/59 die Teilung der zu groß gewordenen Handelslehranstalt II für Mädchen in der Gartenstraße 47. Während bei der Handelslehranstalt II (heute Ludwig-Erhard-Schule) die Fachklassen für Industrie, Großhandel, Kontor, Zahnarzt-, Arzt-, Apothekenhelferinnen und Büroanlernlinge verblieben, übernahm die neue Handelslehranstalt III (heute Walter-Eucken-Schule) sämtliche Einzelhandelsklassen. Die Klassen der kaufmännischen Berufsfachschule wurden zwischen den Schulen II und III im Verhältnis 2:1 aufgeteilt.

Am 15. April 1958 nahm die Handelslehranstalt (HLA) III mit 1.167 Schülerinnen in der Gartenstraße 47 und der Otto-Sachs-Straße 5 den Unterricht auf. Da beide Gebäude noch aus den 1870er-Jahren stammten, waren die Unterrichtsbedingungen von Anfang an äußerst unbefriedigend. Als die Verhandlungen der Stadt mit dem Deutschen Roten Kreuz über den Kauf und beabsichtigten Abbruch der Häuser Otto-Sachs-Straße 1-4 (Friedrich-Stift) und 5 und ebenso die mit der Evangelischen Diakonissenanstalt über den Erwerb des Alten Krankenhauses in der Sophienstraße 55-59 scheiterten, beschloss sie 1962/63, den dringend erforderlichen Neubau der HLA III im Beiertheimer Feld zu realisieren. Obwohl bereits 1965 erste Planungen über das künftige Raumprogramm der Schule vorlagen, verzögerte sich der Baubeginn bis Herbst 1974.

Zum 1. Dezember 1976 bezog die HLA III mit der Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschule den fünfgeschossigen Neubau im Berufsschulzentrum Beiertheimer Feld (Einweihung 26. Januar 1977), wo sich bereits die Carl-Benz-Schule, Heinrich-Hertz-Schule, Carl-Engler-Schule und Helene-Lange-Schule befanden. Gleichzeitig wurde die HLA III auf Beschluss des Stadtrats vom 15. Dezember 1976 nach dem bedeutenden Nationalökonomen Walter Eucken benannt.

Indem das Oberschulamt Nordbaden bereits zum Schuljahr 1959/60 die Lehrlinge der HLA I in den Fachgruppen Lebensmittel, Leder und Textil der HLA III zuwies – zum Schuljahr 1960/61 folgten noch die Lehrlinge des Faches Eisenwaren –, wurde die bisherige Geschlechtertrennung aufgehoben. Ab 1973 erweiterte die kaufmännische Lehranstalt mit Blick auf den geplanten Neubau kontinuierlich das Ausbildungsprogramm. Bereits in diesem Jahr wurde der Schule vom Oberschulamt Karlsruhe der Ausbau des naturwissenschaftlichen Fachbereichs nach Bezug des Neubaus zugebilligt. 1974 führte die HLA III, rückwirkend auf den 1. August 1973, die einjährige Berufsfachschule – Oberstufe – für öffentliche Verwaltung ein, 1975 das Kaufmännische Berufskolleg I und 1976 das Kaufmännische Berufskolleg II mit dem Abschluss Wirtschaftsassistent sowie Fachhochschulreife.

Da der Lehrplan des zweijährigen Berufskollegs neben wirtschaftsberuflichen Fächern wie Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Recht auch Wirtschaftssprachen (Englisch, Französisch) sowie Daten- und Textverarbeitung vorschrieb, entstanden etwas später noch das Berufskolleg Wirtschaftsinformatik und das Berufskolleg Fremdsprachen. Seit 1994 besteht außerdem eine Fachschule für Europa-Betriebswirtschaft mit vielfältigen Schüleraustauschprogrammen durch die Beziehungen mit Partnerschulen in Poitiers/Frankreich, Pamplona/Spanien, Nottingham/England, Krasnodar/Russland und Bergamo/Italien. Neben Informationstechnik und Büro dominiert bis heute an der Berufsschule die Ausbildung im Einzelhandel.

Katja Förster 2015

Literatur

Festschrift zur Einweihung der Walter-Eucken-Schule Karlsruhe am 26. Januar 1977, hrsg. von der Direktion der Walter-Eucken-Schule, Karlsruhe 1977; 40 Jahre Walter-Eucken-Schule Karlsruhe 1958-1998, hrsg. von der Walter-Eucken-Schule, Hagenbach 1998; Walter-Eucken-Schule Karlsruhe, http://www.walter-eucken-schule.de (Zugriff am 31. August 2015).