Blick auf Hohenwettersbach, 1972, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 393/59.

Hohenwettersbach

Hohenwettersbach ist ein Karlsruher Stadtteil, der sich im Südosten der Fächerstadt befindet und wegen seiner Lage auf rund 230 Metern über Normalhöhennull zu den Bergdörfern gehört. Erstmals erwähnt wurde der Ort in einer auf den 9. Februar 1262 datierten Schenkungsurkunde des Grafen Otto von Eberstein an das Kloster Herrenalb unter dem Namen Durrenwet(t)ersbach, wobei der Ortsname auf den dort herrschenden Wassermangel hinweist. Die von der Schenkung ausgenommene zweite Hälfte des Ortes ging an den Grafen von Zweibrücken, der sie 1281 wiederum dem Markgrafen von Baden vermachte. Bei der 1535 erfolgten Teilung Badens kam Durrenwettersbach unter die Grundherrschaft der Markgrafen von Baden-Durlach. 1615 brannte der Ort in einem großen Feuer bis auf fünf Häuser nieder. Zudem dezimierte der Dreißigjährige Krieg die Bevölkerung bis auf wenige Einwohner.

1706 kaufte der spätere Markgraf Karl Wilhelm von der Witwe des badischen Oberstallmeisters Michael Angelo Terzy von Kronental die Güter der Gemarkung Durrenwettersbach, errichtete darauf ein kleines Lustschloss und baute 1710 einen Dorfbrunnen. Da der Ort nun genügend Wasser hatte, nannte Karl Wilhelm ihn wegen seiner Höhenlage fortan Hohenwettersbach. 1714 vermachte der Markgraf Hohenwettersbach seiner unehelichen Tochter Karolina Luisa von Wangen, die 1725 den badischen Hofrat Wilhelm Friedrich Freiherr Schilling von Canstatt heiratete, von dessen Familie das Hofgut Hohenwettersbach bis ins 20. Jahrhundert betrieben wurde. 1740 kam es zum Bau des ersten Schulhauses, das bereits 1785 baufällig wurde und 1842 neben der Kirche als Gebäude mit Schulsaal und Lehrerwohnung neu errichtet wurde. 1742 erfolgte die Fertigstellung der evangelischen Kirche durch Johann Heinrich Arnold. Das Gotteshaus brannte 1839 ab und wurde an gleicher Stelle 1841 wiederaufgebaut. Für den Neubau des zweigeschossigen Schlosses, Herrenhaus genannt (1760–1763), fanden auf dem markgräflichen Gutshof Weber, Holzhauer, Schneider, Gärtner und Schuhmacher Arbeit als Tagelöhner und durften sich als Kolonisten Häuser bauen, ohne freilich die Möglichkeit zu haben, den Baugrund und das bewirtschaftete Land zu erwerben. Offiziell zur Kolonie im gemeinderechtlichen Sinn mit einem Stabhalter an der Verwaltungsspitze wurde Hohenwettersbach allerdings erst im Jahr 1833 erklärt.

1799 kam es zu einer Vereinbarung zwischen der Gutsherrschaft und den Tagelöhnern, in der festgehalten wurde, dass letztere gegen entsprechenden Lohn als Arbeitskräfte jederzeit auf das Gut zu kommen hatten und vier Tage im Jahr Frondienst leisten mussten. Darüber hinaus wurden Aufnahmeverträge mit den Ortsansässigen geschlossen, die die Festsetzung von Fronpflichten und Abgaben regelten. Wer sich weigerte den Vertrag zu unterzeichnen, musste den Ort verlassen.

Ab den 1830er-Jahren kam es wiederholt zu Konflikten zwischen der Grundherrschaft und den Kolonisten, die in der Revolution 1848/49 einen Höhepunkt fanden.

Am 1. Oktober 1864 erhielt Hohenwettersbach den Status einer selbstständigen Gemeinde und damit einen eigenen Bürgermeister. Der Ort umfasste damals circa 300 Morgen Land, zählte 438 Einwohner, von denen der überwiegende Teil evangelisch war. Die seit diesem Zeitpunkt getrennt verwalteten Gemarkungen des Hofguts und der Gemeinde wurden 1931 vereint. 1939 betrug die Einwohnerzahl in Hohenwettersbach 744. Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stieg sie bis 1947 auf 942. Da die Gutsbesitzerfamilie Schilling von Canstatt für die Unterbringung der neuen Bewohner laut Gesetz zur Abtretung von Grundstücken verpflichtet war, wurden die Gewanne Rotenbüschle, Seewiese und der Batzenhof enteignet.

Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform von 1967 kam es Ende der 1960er-Jahre in Karlsruhe zu Eingemeindungsbestrebungen mehrerer Gemeinden des Umlands, darunter auch Hohenwettersbach. Die diesbezüglich anfangs dort ablehnende Haltung wandelte sich bald in eine Befürwortung, woraufhin eine Kommission gebildet wurde, die die rechtlichen und organisatorischen Fragen der Eingemeindung klären sollte. Nachdem das Vorhaben von einer großen Mehrheit der Hohenwettersbacher Bürgerschaft die Zustimmung erhalten und beide Gemeinderäte einstimmig für die Eingemeindung nach Karlsruhe gestimmt hatten, erfolgte am 19. Dezember 1971 die Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrags durch den Hohenwettersbacher Bürgermeister Erwin Gräber und den Karlsruher Oberbürgermeister Otto Dullenkopf. Der Vertrag trat am 1. Januar 1972 in Kraft. Seit der Eingemeindung hat sich die Zahl der Einwohner in Hohenwettersbach von 1.410 bis Ende 2013 auf 2.917 mehr als verdoppelt. Anlässlich der 750-Jahrfeier von Hohenwettersbach im Jahr 2012 wurde 2013 auf der Grünfläche am Rathausplatz die von der Bildhauerin Laura Danzi aus dem Stamm einer Eiche geschaffene Skulptur Vergänglich und Erwartend aufgestellt.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 10989; 5/Hohenwettersbach; 8/ZGS 98 a; GLA 69 Schilling von Cannstatt 63, 90, 109; HStAS A 489 K U 325; H 101/18, Bde. 3 und 4.

Literatur

100 Jahre selbständige Gemeinde Hohenwettersbach. Festschrift zur 100-Jahr-Feier am 18. und 19. Juli 1964, Karlsruhe 1964; Siegfried Stech: Hohenwettersbach und Umland. Vom Dorf zum Stadtteil. Ein Heimatbuch, Karlsruhe 1989; Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992, S. 276-278 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14); Hohenwettersbach – Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und der Ortsverwaltung Hohenwettersbach durch Anke Mührenberg, Karlsruhe 2012.