Schlossplatz/Vorderer Zirkel mit Dragonern, 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 426.

Schlossplatz (Straße)

Der Schlossplatz als im Adressbuch seit 1872 aufgeführte Straße beginnt an der Waldhornstraße bei Nr. 1 und endet an der Waldstraße. Im 18. Jahrhundert hieß sie Vorderer Zirkel und behielt diesen Namen bis 1872. Durch die Fächerstraßen wurden acht jeweils circa 200 Fuß (60 Meter) lange Blöcke gebildet, die bis auf den Block zwischen Adler- und Kronenstraße (Orangerie) in mehrere Grundstücke unterteilt waren. Als letzter Block war der zwischen Herren- und Waldstraße erst 1762 geschlossen.

Die ursprüngliche Idee, hier nur Wohnhäuser für höhere markgräfliche Beamte sowie Verwaltungsgebäude anzusiedeln, wurde schon bald nicht mehr eingehalten. So kaufte der Karlsruher Judenschultheiß Salomon Meyer schon 1730 das Zirkelhaus westliche Ecke Ritterstraße (Nr. 22) von Hofrat Reineck, das von 1836-1880 das Modehaus S. Model beherbergte. Neben der Familie Model wohnten hier auch der Hofbankier Salomon von Haber (Nr. 2), der Kaufmann Löw Homburger und der Bankier David Freiherr von Eichthal (Nr. 15), die allesamt der vermögenden jüdischen Oberschicht angehörten. Aber auch die Gaststätte Badischer Hof war von Georg Wieland(t) am Vorderen Zirkel 5, auf dem Gelände der ehemaligen Orangerie, gebaut worden. Neben Wieland(t) erwarben Maurermeister Holb, der Durlacher Medizinalrat Dr. Johann Ernst Bär und der Handelsmann Maier Auerbacher Grundstücke. Später mussten diese Gebäude dem zwischen 1829 und 1833 von Heinrich Hübsch gebauten Finanzministerium weichen.

Von 27 Hausnummern waren 1818 nur die Nr. 19, das Forst-Directions-Gebäude, die Nr. 20, das Ober-Hofjäger-Gebäude, die Nr. 21, das von Friedrich Weinbrenner gebaute Kanzleigebäude, die Nr. 24, das Kriegsministerium, und die Nr. 27, das General-Staats-Kassen-Gebäude, der großherzoglichen Regierung bzw. der Verwaltung zuzuordnende Gebäude. Zum Umfeld des Hofes gehörten der Großhofmeister Karl Freiherr von Gensau (Nr. 3), die Witwe des Oberstallmeisters Wilhelm Freiherr von Seldeneck (Nr. 4), der Direktor der Sanitätskommission Oberhofrat Christian Ludwig Schweickardt (Nr. 9), der Finanzrat Carl Friedrich Oelenheinz (Nr. 12), die Witwe des Generalleutnats Georg Ludwig Carl Freiherr von Beck (Nr. 13), die Witwe des Geheimen Hofrats Junker (Nr. 23), der Oberzeremonienmeister Wilhem Heinrich Carl Freiherr von Edelsheim (Nr. 25) und Markgraf Ludwig von Baden (Nr. 26).

Im Zweiten Weltkrieg wurden nahezu alle Gebäude zerstört, das Adressbuch von 1947 führt nur drei intakte Häuser auf. Heute sind am Schlossplatz von Ost nach West das Regierungspräsidium Nordbaden, die L-Bank, das Finanzamt, das International Department des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und das Amtsgericht untergebracht. Zur der Bundesgartenschau 1967 wurde eine Tiefgarage und der Straßentunnel unter dem Schlossplatz fertiggestellt.

Ernst Otto Bräunche 2015

Quelle

Adressbuch der Stadt Karlsruhe 1947, S. III. 228.

Literatur

Gerhard Everke: Schlossplatz, in: Manfred Koch (Hrsg.): Stadtplätze in Karlsruhe, Karlsruhe 2006, S. 39-55 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); Fritz Hirsch: 100 Jahre Bauen und Schauen, 2 Bde., Karlsruhe 1928 und 1932; Edmund Sander: Karlsruhe. Einst und Jetzt in Wort und Bild, Karlsruhe 1911, S. 63; Die Kunstdenkmäler der Stadt Karlsruhe. Der Stadtbau und der Schlossbezirk, bearb. von Arthur Valdenaire. Aus dem Nachlass hrsg. von Joachim Kleinmanns, Petersberg 2014, S. 98 (= Schriften des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (SAAI) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Bd. 4).