Stephanplatz mit Rückfront des Reichspostgebäudes und Parkanlage, vor 1905, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 427.

Stephanplatz

Das Gelände des heutigen Stephanplatzes wurde ursprünglich vom offenen Landgraben durchquert. Von 1804-1808 entstand nördlich von diesem die von Friedrich Weinbrenner entworfene und sich zur Langen Straße (heute Kaiserstraße) hin öffnende Infanteriekaserne. Ihre Erweiterung nach Süden durch den Weinbrennerschüler Friedrich Arnold 1824/25 führte zur weitgehenden Überwölbung und Überbauung des Landgrabens. Südlich des Kasernenanbaus bildete sich ein dreieckiger Platz, der bis Ende des 19. Jahrhunderts dem nordöstlich angrenzenden Ludwigsplatz zugerechnet wurde. Nach Bezug des neuen Kasernenkomplexes an der Moltkestraße 1896 wurde der Weinbrennerbau abgerissen und an seiner Stelle von 1897-1900 das neue Reichspostgebäude erbaut. Sowohl die an der Rückfront des Postgebäudes neu angelegte Straße (1900) als auch der durch den Abriss des Arnoldschen Anbaues 1901 wesentlich vergrößerte Platz (1901) wurden nach dem 1897 verstorbenen Generalpostdirektor Heinrich von Stephan benannt, der das deutsche Postwesen nachhaltig modernisiert hatte.

Nachdem der Plan, auf dem Gelände eine Markthalle zu errichten, am fehlenden Eisenbahnanschluss gescheitert war, entschied sich die Stadt für die Herstellung eines öffentlichen Platzes, der in der nördlichen Hälfte unter neu angepflanzten Baumreihen den bisher auf dem Ludwigsplatz abgehaltenen Wochenmarkt und in der südlichen Hälfte eine durch Garteninspektor Friedrich Ries gestaltete pittoreske Parkanlage aufnahm. 1905 wurde im östlichen Teil der Parkanlage ein von Hermann Billing entworfener und von Hermann Binz ausgeführter Brunnen aufgestellt. Zu Beginn der 1920er-Jahre wurde das im neobarocken Stil errichtete Postgebäude entlang der Stephanstraße um einen weiteren Flügel zu einem annähernd quadratischen Baukomplex erweitert. Die neue Fassade im neoklassizistischen Stil hinterfängt bis heute den Stephanplatz im Norden.

Der Platz selbst wurde seit 1919 mehrfach um- bzw. neugestaltet. Unter Gartendirektor Friedrich Scherer wurde die Parkanlage 1919 in drei separate Bereiche (Kinderspielplatz, verkleinerte Grünanlage, kreisförmig gefasste Brunnenanlage) unterteilt. 1929/30 entstand auf der dreieckigen Fläche zwischen Wald-, Amalien- und Karlstraße über einer abgesenkten öffentlichen Toilettenanlage ein eingeschossiger Flachdachbau mit Geschäftsräumen und Tankstelle. In den 1950er-Jahren wurde das nördliche und westliche Platzareal zum Parkplatz umfunktioniert, die Grünanlage neu gestaltet, der Spielplatz verkleinert und dessen seit 1919 bestehendes Trinkwasserbecken erneuert und mit der wasserspeienden Majolikafigur "Fischreiterlein" von Max Heinze versehen.

In den 1970er-Jahren erfolgte dann aufgrund des bundesweiten Trends zu verkehrsberuhigten innerstädtischen Zonen eine erste grundlegende Neugestaltung des Platzes, die erst Anfang 1979 mit der Eröffnung des neuen Parkhauses in der Amalienstraße abgeschlossen werden konnte. Unter anderem wurde die Fahrbahn Richtung Süden nördlich der Kreuzung Karl-/Amalienstraße aufgehoben und auf dem südwestlichen Platzareal ein Busbahnhof eingerichtet, um die Stephanstraße, seit den 1950er-Jahren Knotenpunkt mehrerer Buslinien, zu entlasten. Die Amalienstraße zwischen Douglas- und Karlstraße wurde verbreitert und die Waldstraße zwischen Amalien- und Karlstraße als Fußgängerbereich in den Stephanplatz integriert und das bis 1979 auch als Parkplatz benutzte Areal 1976 mit einem neuen Betonpflaster versehen.

Der stetige Ausbau des Stadtbahnnetzes, der den Omnibusverkehr zunehmend überflüssig machte, sowie die Neustrukturierung der Post ab 1995 und die damit verbundene weitgehende Räumung des Gebäudekomplexes führten zur letzten Neugestaltung. Die Deutsche Post AG, die von 1999-2001 den Gebäudekomplex zu einem großen Einkaufszentrum mit Tiefgarage umbauen ließ, hatte von der Stadt zwecks ebenerdiger Erschließung die Höherlegung des Bodenniveaus von Stephanplatz und Europaplatz verlangt. Dafür beteiligte sie sich finanziell an der Wiederherstellung der beiden Plätze, die nach dem preisgekrönten Entwurf von Hans Rudolf Güdemann und Bernd Meier (Lörrach/Freiburg) bis März 2002 neu hergestellt wurden.

Der Stephanplatz zeigt seitdem eine äußerst klare, auf den giebelbekrönten Mittelrisalit des Gebäudes mit Haupteingang ausgerichtete Struktur. Rechts und links des Eingangsbereichs ist je ein großes dunkles Rechteckfeld angeordnet, dessen drei Baumreihen mit dem seitlichen Portalbau an der Douglas- bzw. der Karlstraße korrespondiert. Nach Süden wird das ansonsten hellgrau gehaltene Areal mit einer bogenförmigen Baumreihe in Hochbeeten abgeschlossen, welche die dahinter liegende Einfahrt in die Tiefgarage verdeckt. Der während der Bauarbeiten abgetragene und restaurierte Billing-Brunnen wurde bei seiner Wiederaufstellung 2002 weiter nach Südwesten gerückt, um ihn stärker in den Platz zu integrieren.

Jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag findet auf dem Stephanplatz ein Wochenmarkt statt. Außerdem werden Flohmärkte oder Spezialmärkte wie der Hamburger Fischmarkt (seit 2010) hier angeboten.

Katja Förster 2014

Literatur

Susanne Stephan-Kabierske: Stephanplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 174-183 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).