17. Deutsche Therapiewoche: Blick auf den fahnengeschmückten Festplatz, 28. August 1965, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A12/141/4/6.
20. Deutsche Therapiewoche: Oberbürgermeister Günther Klotz und Prof. Dr. Ishibashi (Mitte) beim Betrachten einer japanischen Steinlaterne, eines Gastgeschenks von Ishibashi, 2. September 1968, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A16/65/2/28.
28. Deutschen Therapiewoche: Blick in die Heilmittelausstellung mit einer Gruppe von Eröffnungsgästen während eines Rundgangs, 2. v. l. Justizminister Traugott Bender, 30. August 1976, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A32/50/6/31.

Deutsche Therapiewoche

Die Deutsche Therapiewoche, eine Verbindung von Ärztekongress und Heilmittelausstellung, fand von 1949-1993 traditionell im August/September statt und dauerte circa 8-10 Tage. 1949 fand erstmals nach der Währungsreform ein für Deutschland fachübergreifender ärztlicher Kongress in Zusammenhang mit einer neuen Fachmesse der Pharma- und Medizingeräteindustrie (Deutsche Heilmittelmesse, ab 1950 Heilmittelaussstellung genannt) als "Deutsche Therapiewoche Karlsruhe" statt. Diese wurde später erweitert um Reha- und Pflegeprodukte. Die Karlsruher Konzeption legte den Kongress-Schwerpunkt auf praktische Therapiefragen und nicht auf wissenschaftliche Forschung. Motor und Organisator war der Chefarzt der damaligen II. Medizinischen Klinik der Städtischen Krankenanstalten (Städtisches Klinikum) und Vorsitzende des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte, Prof. Dr. Franz Kienle.

Bereits 1950 entstand für die Organisation der Therapiewoche die Ausstellungs- und Kongress GmbH (Karlsruher-Kongress- und Ausstellungs-GmbH, KKA). Der Kongressteil der ersten, von 3.000 Teilnehmern besuchten Therapiewoche fand im Konzerthaus statt. Die 170 Aussteller mussten aus Platzmangel noch in die Gewerbeschule am Lidellplatz ausweichen. Erst ab dem folgenden Jahr reichten die Gebäude am Festplatz für Kongress und Ausstellung aus, als neben dem Konzerthaus anstelle der noch nicht wiederhergestellten Stadthalle eine provisorische Ausstellungshalle zur Verfügung stand, die später auf den Messplatz als Oststadthalle versetzt wurde.

Der Bau der Schwarzwaldhalle, deren Einweihung mit der 5. Therapiewoche 1953 zusammenfiel, war eine Forderung der Therapiewoche, die auch maßgeblich für die weitere Entwicklung des Kongresszentrums am Festplatz war. Die Therapiewoche entwickelte sich zu einer Traditionsveranstaltung mit zahlreichen internationalen Kontakten und mit bis zu mehr als 5.000 teilnehmenden Ärzten und über 10.000 Personen Fachpublikum (1985) und 280 Ausstellern (1960).

Ab Mitte der 1980er-Jahre geriet die Therapiewoche trotz veränderter Organisation in die Krise, wozu unter anderem konkurrierende Kongresse, Messen und Fortbildungsveranstaltungen sowie die Änderung der Arzneimittelmusterverordnung beitrugen. Diese untersagte die unbegrenzte Mitnahme von Arzneimittelmustern. Trotz der Öffnung auch für interessierte Laien, einer Reduzierung der Veranstaltungsdauer und der Ausstellungsfläche, blieb es seit 1985 bei einem Defizitgeschäft. Große Pharmahersteller kamen nicht mehr. 1993, nach 45 Jahren, musste die KKA das Ende einer Karlsruher Institution verkünden.

Der für die 1988 neu errichtete Stadthalle von dem jahrzehntelang mit der Therapiewoche verbundenen japanischen Arzt Dr. Choei Ishibashi und seinem Sohn Dr. Chosei Ishibashi gestiftete Gedenkstein in der westlich der Halle gelegenen Grünanlage erinnert heute noch an diese große Karlsruher Tradition. Ebenso stammen Schenkungen für den Japangarten im Stadtgarten aus dieser Verbindung.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 2100-2109, 10179-10180, 10183-10184, 10188-10194; 8/ZGS; 9/Monatsspiegel Folgen 8,11,23, 30, 31, 34, 42, 46, 54, 56 und 89; Veranstaltungsprogramme Deutsche Therapiewoche (teils in oben genannten Akten).