Baumgartensiedlung
Die nach einem Flurnamen benannte Baumgartensiedlung entstand von 1962 bis 1973 im Süden von XYZRüppurr mit einer Verkehrserschließung über den XYZHeinrich-Heine-Ring und die XYZReinhold-Schneider-Straße östlich der XYZHerrenalber Straße zwischen XYZBattstraße und XYZAutobahn. Die Siedlung liegt damit auch im Einzugsbereich der XYZAlbtalbahn. Bauherr war die Baugesellschaft GAGFAH (Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten), die bereits in den 1950er-Jahren auf der westlichen Seite der Herrenalber Straße südlich der XYZAllmendstraße ein neues Siedlungsgebiet in traditioneller Bauweise erschlossen hatte und nun das circa 38 Hektar große Gelände östlich davon unter neuen städtebaulichen und gestalterischen Prinzipien für ein anspruchsvolles Wohnen bebauen wollte. So entstanden hier circa 700 Wohneinheiten für ungefähr 3.000 Menschen.
Um eine Vielfalt an Wohnformen anbieten zu können, wurden eingeschossige Bungalows, zweigeschossige Reihenhäuser, Mehrfamilienwohnblocks und drei Hochhäuser geplant. Die Stellung der Wohnblocks und der Hochhäuser in Nord-Süd-Richtung bietet Durchblicke nach Süden zu den nördlichen Ausläufern des Schwarzwaldes. Die sorgfältige Gestaltung der Gebäude bis hin zu den Details wie Sichtschutzwände, Vordächer, Pflasterbeläge trägt bis heute zum unverwechselbaren und zeitlosen Charakter der Siedlung bei. Acht verschiedene Haustypen für den Flachbau mit unterschiedlich großen Grundstücken vermeiden eine Eintönigkeit in der Bebauung. Sichtgeschützte Gartenhöfe erweitern die Wohnungen ins Freie mit üppiger Vegetation. Ein kleines Ladenzentrum, ein Kindergarten und das große Spielplatzgelände können ohne störende Verkehrsbeeinträchtigungen erreicht werden. Gärtnerisch wurde die Anlage von Hans Lutz und Wolfgang Miller aus Stuttgart gestaltet. Die GAGFAH stellte durch privatrechtliche Verträge mit den Eigentümern sicher, dass über den Bebauungsplan hinaus gestalterische Vorgaben beachtet wurden. So sind die zeilenweise in gleicher Farbe gestrichenen Vordächer bis heute ein unverwechselbares Element der Reihenhauszeilen.
Die Planung erfolgte durch die XYZWerkgemeinschaft Karlsruhe (Wolfgang Hirsch, Rudolf Hoinkis, Martin Lanz, Prof. XYZPaul Schütz und Dieter Stahl). Für das Konzept hauptverantwortlich zeichnete Professor Paul Schütz. Fachzeitschriften des In- und Auslandes veröffentlichten die Siedlung mehrfach. So wurde die Verleihung des XYZHugo-Häring-Preises wie folgt begründet: “Die Wohnsiedlung zeigt eine starke Verdichtung, bei welcher neben städtebaulichen Vorzügen ein Maximum an privater Wohnatmosphäre erzielt wird. Lobenswert ist die werkgerechte Durchbildung aller Einzelheiten.” 1976 folgte die Auszeichnung mit der XYZWeinbrenner-Plakette der Stadt Karlsruhe. Das Land Baden-Württemberg erklärte sie im Jahr 1980 zum Sieger des Landeswettbewerbes Wohnen am Stadtrand.
Aufgrund seines modellhaften Charakters, der sorgfältigen Verwendung weniger Baumaterialien (Kalksandstein, Sichtbeton, Holz) und der hohen Ausführungsqualität steht der größte Teil der Flachbebauung der Baumgartensiedlung, im Volksmund Klein-Marokko genannt, heute unter Denkmalschutz. Der neuere Teil - in den 1970er-Jahren aus Fertigteilbetonelementen erbaut - ist nicht Kulturdenkmal. Städtebaulich gesehen stellen die verschiedenen Bauabschnitte der Baumgartensiedlung aber eine Gesamtheit dar. Der XYZGemeinderat der Stadt Karlsruhe hat daher für das gesamte Gebiet eine Erhaltungssatzung beschlossen. Auf diesem Wege wird der Versuch unternommen, die zuvor beschriebene hohe Qualität und den Charakter der gesamten Siedlung auch in der Zukunft zu sichern.
Quellen
Website Werkgemeinschaft Karlsruhe, hier Baumgartensiedlung, https://www.wgk-ka.de/1961-01-baumgartensiedlung/; Karlsruher Datenbank der Kulturdenkmale: Baumgartensiedlung, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=02277 (Zugriff jeweils am 20. November 2025).
Literatur
Artur Reddmann: Wandel des Ortsbildes im 20. Jahrhundert. Eine Bilderserie mit Anmerkungen, in: 900 Jahre Rüppurr: Geschichte eines Karlsruher Stadtteils, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Rüppurr. Mit Beiträgen von Hartmut Braun u. a., Karlsruhe 2003, S. 292-293; Harald Ringler: Stadtbaugeschichte Karlsruhe 1715-2000, Ubstadt-Weiher 2021, S. 271-273 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 36).