Ernst Friedrich Fein
Hoffaktor, * 30. März 1679 Durlach, † 26. Juli 1741 Durlach, ev., ∞ 1704 Katharina Henninger, 5 Söhne, 6 Töchter.
Fein wurde in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Sein Vater war ebenfalls Handelsmann und auch der Vater seiner Mutter ging diesem Beruf nach, sein Onkel war Bankier in Frankfurt am Main. Zunächst hatte Fein wohl eine unbeschwerte Kindheit und ging in Durlach auf das Gymnasium. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg, als Durlach von französischen Truppen 1689 niedergebrannt wurde, musste er mit seinen Eltern über Pforzheim nach Stuttgart fliehen. Als Stuttgart 1691 ebenfalls kurz vor der Zerstörung stand, starb der erkrankte Vater und Ernst floh mit seiner Mutter über Lindau nach Basel. Dort ging er bei dem Kaufmann Franz Leißler in die Lehre. Dieser vertraute ihm bereits nach halber Lehrzeit Handelsgeschäfte auf der Herbstmesse in Frankfurt am Main an. Dort wurde er von seinem Onkel, dem Bankier Ernst Friedrich Metz unterstützt, der mit ihm 1701 eine Reise nach Amsterdam und per Schiff nach Antwerpen unternahm. Damit war wohl auch die Grundlage für seine überregionalen Handelsbeziehungen gelegt, als er nach seiner Lehrzeit zu seiner Mutter nach Durlach zurückkehrte und mit dieser gemeinsam das Handelsgeschäft seines Vaters wiederaufbaute. 1704 heiratete er dort Elisabeth Katharina Henninger, mit der er elf Kinder bekam, von denen allerdings fünf bereits im Kindesalter und drei noch vor ihm starben.
1709 wurde Fein von Markgraf Karl Wilhelm zum Hoffaktor und 1728 zum Kammerrat ernannt. Hoffaktoren waren in dieser Zeit für die Finanzierung der Hofhaltung der Herrschaft durch Darlehen und die Beschaffung von Luxusgütern wie kostbaren Kleiderstoffen oder Pulver und Blei für die Jagden zuständig. Fein war auch in deren Grundstücksgeschäfte eingebunden. Die Darlehen ließ er sich mit Zinseszins fürstlich zurückerstatten. 1731 wurde er als einer von vier Kaufleuten mit dem Salzhandel für die Markgrafschaft Baden-Durlach betraut. Noch kurz vor seinem Tod löste die vormundschaftliche Regierung für den jungen Thronfolger Karl Friedrich mehrere Schuldbriefe von ihm aus. Zeichen seines Wohlstands waren außerdem sein repräsentatives Elternhaus am Durlacher Marktplatz, das er nach der Kriegszerstörung in barocker Neugestaltung wieder aufbauen ließ (heute Pfinztalstraße 29) und ein heute nicht mehr bestehendes Wohnhaus am Zirkel in Karlsruhe, das er 1724 von Obervogt Johann Christian von Günzer erworben hatte. 1723 war Fein an der Gründung der Fayencefabrik in Durlach beteiligt. Er unterstützte dort auch die Weinbauern am Turmberg. Nicht zuletzt konnte sich seine Familie 1741 die Beauftragung des hochkarätigen Hofbildhauers Johann Paul Egell aus der Kurpfalz für sein Grabmal leisten, der in der Markgrafschaft Baden-Durlach bis dahin noch keine Spuren hinterlassen hatte. Es wurde 1967 aus seinem Schutzbau an der Südwand der Nikolauskapelle auf dem alten Friedhof in Durlach entfernt, da es dort beschädigt worden war und kam in die Obhut des Badischen Landesmuseums, wo es nach seiner Restaurierung lange im Treppenhaus des Schlosses ausgestellt war. 1990 ersetzte man es in Durlach vor Ort durch eine Kopie. Egells Gesamtwerk wurde von dem Karlsruher Kunsthistoriker Klaus Lankheit in einer zweibändigen Monographie eingehend beschrieben.
Quellen
GLA 36/703, 74/8708, 136/928; Rühmlich geführter und seelig beschlossener Lebens-Lauf weyland S. T. Herrn Ernst Friderich Feins, gewesenen Hochfürstl. Baden-Durlachischen Hof-Factors, Handelsmanns und Banquiers zu Durlach: ... den 26. Julii Anno 1741, Carlsruhe 1741, Digitalisat der Monographie; Grabstein des Ernst Friedrich Fein, auf Leo-BW; Website Freundeskreis Pfinzgaumuseum-Historischer Verein Durlach, hier Denkmäler (Zugriff jeweils am 23. Februar 2025).
Literatur
Klaus Lankheit: Der kurpfälzische Hofbildhauer Paul Egell 1691-1752, München 1988, Bd. 1, S. 129-131, Bd. 2 Nr. 85, S. 304.