Eiserne Front
Die Eiserne Front ging Ende 1931 aus dem am 22. Februar 1924 reichsweit zum Schutze der Republik gegen Angriffe von rechts gegründeten überparteilichen XYZReichsbanner Schwarz-Rot-Gold hervor. Sie wurde als Gegengewicht zur rechten Harzburger Front von XYZNationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP), XYZDeutschnationaler Volkspartei (DNVP), Reichslandbund, XYZAlldeutschem Verband (ADV) und XYZStahlhelm als Zusammenschluss der XYZSozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), dem Reichsbanner, dem XYZAllgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), Arbeitersportverbänden und dem Allgemeinem freien Angestelltenbund (AfA-Bund) am 16. Dezember 1931 gegründet. Das von dem Mikrobiologen und Mitbegründer der Eisernen Front Sergej Tschachotin (1883-1973) und dem sozialdemokratischen Politiker Carlo Mierendorff (1897-1943) gestaltete Symbol der drei Pfeile als Gegensymbol zum Hakenkreuz warb für die neue Organisation. Als einheitlicher Gruß wurde Freiheit gerufen und die geballte Faust nach oben gestreckt. Frauen waren in der Eisernen Front ebenfalls aktiv.
Mehr als der Reichsbanner wurde die Eiserne Front nun zu einer weitgehend sozialdemokratisch dominierten Kampforganisation, die vor allem in den beiden Reichstagswahlkämpfen und den beiden Wahlgängen zur Wahl des Reichspräsidenten des Jahres 1932 präsent war. In Karlsruhe kündigte die sozialdemokratische Parteizeitung XYZVolksfreund am 22. Dezember 1932 die Gründung der Eisernen Front als „eine Art politischer Zweckverband mit einem begrenzten Ziel, nämlich dem Schutz der Republik in den kommenden Monaten gegen den Ansturm der faschistischen Front“ im Januar des Folgejahres an. Dazu sollten fünf Staffeln gebildet werden: 1. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, 2. Republikanische Gewerkschaften und Beamtenbünde sowohl der freien wie der christlichen und der Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaftsrichtung, 3. Arbeitersportverbände, 4. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, 5. Kartell der republikanischen Verbände (Volksfreund vom 22. Dezember 1932).
Im Frühjahr 1932 wurde dann auch in den Ortsverbänden der SPD verstärkt für die Unterstützung der Eisernen Front geworben. Inwieweit sich in Karlsruhe neben den im engeren Sinne sozialdemokratischen Organisationen auch solche des XYZZentrums oder aus dem bürgerlichen linksliberalen Umfeld anschlossen, ist nicht zu ermitteln. Das Zentrum zum Beispiel hatte mit der XYZBadenwacht eine eigene paramilitärische Kampforganisation begründet. Die Leitung der Eisernen Front Karlsruhe übernahm auf jeden Fall der XYZStadtverordnete XYZGustav Heller, der bis dahin einer der aktivsten Redner in sozialdemokratischen oder gewerkschaftlichen Veranstaltungen war und nun verstärkt in Versammlungen der Eisernen Front auftrat. Seit dem 29. Juni schmückten die drei Pfeile der Eisernen Front die Kopfzeile des Volksfreunds. Eigene Organisationsstrukturen gab es allerdings nicht. Die Eiserne Front bediente sich hier bei den beteiligten Organisationen vor allem beim Reichsbanner, der SPD und den Gewerkschaften.
Zahlen über die Stärke der Eisernen Front in Karlsruhe liegen nicht vor, zu einem ersten Generalappell im Februar 1932 kamen dem Volksfreund zufolge 3.000 Personen in die XYZFesthalle, an einem Demonstrationszug am 9. Juli 1932 sollen 6.000 teilgenommen haben, an der abschließenden Versammlung vor dem XYZAlten Bahnhof 20.000. Auch im letzten Wahlkampf der Weimarer Republik mobilisierte die Eiserne Front noch einmal Tausende, letztlich vergeblich. Nach dem Wahlsieg der NSDAP, die zur absoluten Mehrheit allerdings immer noch die Hilfe der rechtskonservativen DNVP benötigte, am 5. März 1933 wurde die Eiserne Front nun im Zuge der XYZGleichschaltungsmaßnahmen am 17. März 1933 in Baden verboten. Ihr Führer Gustav Heller wurde zusammen mit sechs weiteren prominenten Sozialdemokraten in einer XYZSchaufahrt am 16. Mai durch die Karlsruher Innenstadt in das Konzentrationslager XYZKislau überführt.
Quelle
Karlsruher Zeitungen 1931-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 5. Oktober 2025).
Literatur
Sebastian Elsbach: Eiserne Front: Abwehrbündnis gegen Rechts 1931 bis 1933, Wiesbaden 2022 (= Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte Bd. 1).