Version vom 6. Juli 2017, 10:03 Uhr von Stadtarchiv2 (Diskussion | Beiträge) (Toni Menzinger, geb. Hammelrath)
Toni Menzinger 1953, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 215/45a.

Toni Menzinger, geb. Hammelrath

Lehrerin, Stadträtin, Mitglied des Landtags (Christlich Demokratische Union Deutschlands), * 17. März 1905 Düsseldorf, † 27. Dezember 2007 Karlsruhe, kath., ∞ 1931 Willy Menzinger, 3 Söhne.

Menzinger wuchs in Düsseldorf mit drei Geschwistern als Tochter eines Lehrerehepaares auf. Sie studierte Psychologie in Bonn und wurde Lehrerin an Höheren Schulen bis zur Hochzeit und der Übersiedlung nach Karlsruhe. Hier engagierte Menzinger sich als Mitglied und schließlich Vorsitzende der Frauen-Vinzenz-Konferenz der St. Stephans-Pfarrei. Nach der NS-Machtübernahme gründete Menzinger, die sich keiner NS-Organisation anschloss, eine Jung-Elisabethen-Konferenz, was zur Beobachtung durch die Gestapo und mehrfachen Verhaftungen führte. Nach Kriegsende setzte Menzinger ihr soziales Engagement fort. Sie war Mitgründerin der „Katholischen Arbeitsgemeinschaft“ und rief gemeinsam mit Otto Roegele die „Katholische Aktion“ ins Leben, die materielle Hilfe für Menschen in Notsituationen organisierte, darunter auch wohnungssuchende Studenten. So war sie an der Einrichtung des ersten Studentenwohnheims in Karlsruhe in der Hirschstraße beteiligt. Ihre im Auftrag der Erzdiözese Freiburg abgehaltenen Elternabende führten Menzinger bald in den Vorstand der Katholischen Elternschaft Deutschlands, als dessen Vertreterin sie Mitglied und 1974 Vizepräsidentin in einem Ausschuss der UNESCO wurde.

Aufgrund ihrer Bekanntheit und ihres ehrenamtlichen Engagements trug die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) Menzinger an, für die Stadtratswahlen 1953 zu kandidieren. Gegen ihre Absicht, sich politisch zu betätigen, trat Menzinger der CDU bei und wurde in den Stadtrat gewählt. Während ihrer 27-jährigen Amtszeit galt ihr Hauptaugenmerk der Schul- und Sozialpolitik. Nach der Wahl Otto Dullenkopfs zum Karlsruher Oberbürgermeister rückte Menzinger 1970 als zweite Frau neben der Karlsruherin Hanne Landgraf (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) in den Landtag nach. Als Mitglied des Landtags avancierte Menzinger zur Expertin für Vorschulerziehung - worunter sie auch die Anleitung zum sozialen Verhalten in der Gesellschaft und Hilfe zu Persönlichkeitsentwicklung verstand - und wirkte bei der Verabschiedung des Kindergarten- und Erzieherinnen-Ausbildungsgesetzes mit. Sie war stellvertretende Fraktionsvorsitzende und eröffnete 1976 als erste Frau die konstituierende Sitzung des Landtags von Baden-Württemberg.

1980 zog sich Menzinger aus Altersgründen aus der Landes- und Kommunalpolitik zurück. Sie engagierte sich aber weiter vor allem für kulturelle Einrichtungen und erhielt dafür unter anderem den Titel „Ehrensenatorin der Hochschule Karlsruhe“. 1993 ernannte Karlsruhe sie zur Ehrenbürgerin. Ausgezeichnet wurde Menzinger unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“. 2015 wurde die Brücke der Knielinger Allee über die Adenauerallee nach ihr benannt.

Selina Küst 2012

Quelle

StadtAK 8/ZGS.

Literatur

Barbara Guttmann: „Zwischen Trümmern und Träumen“. Karlsruherinnen in Politik und Gesellschaft der Nachkriegszeit, Karlsruhe 1997, S. 74-81, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/frauengeschichte/truemmern (Zugriff am 22. Dezember 2015).