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Foto aus: Hannah Gaede: Wolfgang Gaede. Der Schöpfer des Hochvakuums. Das Leben eines großen Erfinders der Gegenwart, in Erinnerungsbildern dargestellt, Karlsruhe 1954, Frontispiz.

Wolfgang Max Paul Gaede

Physiker, Erfinder der Hochvakuumtechnik, * 25. Mai 1878 Lehe/Stadt Bremerhaven, † 24. Juni 1945 München, ev., ledig.

Der Sohn eines preußischen Offiziers wuchs nach wechselnden Standorten seines Vaters seit 1891 in Freiburg, der Heimat seiner Mutter, auf. Hier studierte er nach dem Abitur seit 1897 zunächst Medizin, wechselte jedoch schon bald zur Physik. Bereits 1901 promoviert, blieb er bis 1907 Assistent bei seinem akademischen Lehrer Franz Himstedt. Anschließend gründete Gaede ein Technisch-Physikalisches Institut, das erste dieser Art. 1909 erfolgte die Habilitation, 1913 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor in Freiburg. Da seine Studien zum Voltaeffekt im Vakuum nach der Promotion an unzureichenden Vakuumpumpen scheiterten, versuchte er Abhilfe zu schaffen. Bereits 1905 erregte er auf einem Kongress in Meran mit der Präsentation einer rotierenden Quecksilberluftpumpe Aufsehen. Auf die Entwicklung einer Molekularpumpe 1912 folgte 1915 die Fertigstellung der Quecksilber-Diffusionspumpe.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Gaede Rufe von den Technischen Hochschulen Darmstadt, Stuttgart und Karlsruhe. Er entschied sich 1919, die Nachfolge von Otto Lehmann als Ordinarius für Experimentalphysik an der Technischen Hochschule Karlsruhe anzutreten. Hier forschte er sehr produktiv vierzehn Jahre in den Bereichen Vakuumtechnik, Funk- und Nachrichtentechnik, Verfahren zur Gewinnung von reinem Wasserstoff und Quecksilber, Erforschung von Blitzschutzeinrichtungen sowie Bewegung von Flüssigkeiten in einem rotierenden Hohlring. Gaedes Hochleistungsvakuumpumpen bildeten die Basis unter anderem für die Produktion von Glühlampen, Leucht- und Radioröhren sowie für die Erforschung von Röntgen- und Kathodenstrahlen. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde Gaede siebenmal für den Physik-Nobelpreis vorgeschlagen.

Nach einer Denunziation aus seinem engsten wissenschaftlichen Umfeld versetzten ihn die Nationalsozialisten 1934 in den vorzeitigen Ruhestand. Gaede richtete daraufhin mit einem Mitarbeiter ein Privatlabor in seinem Haus in der Bachstraße 5 ein. 1939 siedelte er nach Köln, später nach München über. Eine nach Kriegsende vorgesehene Rückkehr Gaedes auf seinen Lehrstuhl in Karlsruhe verhinderte sein überraschender Tod.

Gaede, der fast 40 Patente im In-und Ausland hielt, bekam für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen, darunter den Werner-von-Siemens-Ring, den ihm die Siemens-Ring-Stiftung als Antwort auf seine Zwangsemeritierung 1934 verlieh, die Goldene Elliot-Cresson-Medaille des Franklin Institute in Philadelphia sowie die Duddel-Medaille der Physical Society of London. Der Gaede-Hörsaal an der Universität Karlsruhe (1969) und die Wolfgang-Gaede-Straße auf deren Campus (1993) erinnern an den Wissenschaftler und Erfinder. Seit 1986 vergibt die Deutsche Vakuumgesellschaft den Gaede-Preis an Nachwuchswissenschaftler für eine Arbeit auf dem Gebiet der vakuumgestützten Wissenschaften.

René Gilbert 2014

Werk

Über die Änderung der spezifischen Wärme der Metalle mit der Temperatur, Diss. Freiburg 1901; Die äußere Reibung der Gase, Habil-Schrift Freiburg 1909.

Literatur

Franz Wolf: Gaede, Wolfgang, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 6, Berlin 1964, S. 15 f.; Harriet Unzeitig: Zwischen Wissenschaft und Technik - zu den Pumpenerfindungen Wolfgang Gaedes von 1900-1914, Diss. München 2000; Tobias Seidl: Wolfgang Gaede, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, 2008-2013, Karlsruhe 2013, S. 249 f .