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Prof. Dr. Otto Ernst Schweizer, Dr.-Ing. Karl Selg und Oberbürgermeister Günther Klotz (von rechts) 1957, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/122/6/37A.

Otto Ernst Schweizer

Architekt, Professor, * 27. April 1890 Schramberg/Lkr. Rottweil, † 14. November 1965 Baden-Baden, ∞ 1921 Gertrud Schlauder, 1 Sohn.

Nach Ausbildung und dreijähriger Tätigkeit als Feldmesser studierte der Sohn eines Kürschnermeisters mit nachgeholtem Oberrealabschluss 1913-1917 Architektur in Stuttgart und München, hier unter prägendem Einfluss von Theodor Fischer. Nach beruflichen Stationen in München, Schramberg, Stuttgart und Schwäbisch-Gmünd wurde Schweizer 1925-1929 Oberbaurat und Leiter der Hochbauabteilung in Nürnberg und dann selbstständiger Architekt. 1930 übernahm Schweizer bis zur Emeritierung 1960 eine Professur für städtischen Hochbau, Wohnungs- und Siedlungswesen an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe.

Sein Ruf als bauender Architekt gründet sich neben Wohn- und Geschäftshäusern insbesondere auf die Nürnberger Bauten (unter anderem Planetarium – 1934 von der NS-Stadtverwaltung abgerissen, Arbeitsamt, Hochbauten des Städtischen Stadions, Milchhof) und das Praterstadion in Wien (1929-1931). Sie sind Beispiele seiner Auffassung einer radikalen, funktionalistischen Moderne, die internationale Aufmerksamkeit erhielten. In der NS-Zeit musste er sich wegen seiner kompromisslosen Haltung auf die Lehrtätigkeit zurückziehen, eine Berufung nach Berlin scheiterte an der Ablehnung des zuständigen NS-Reichsministers. Ein bedeutendes Alterswerk konnte Schweizer mit dem Kollegiengebäude II der Freiburger Universität 1955-1961 realisieren.

In den Jahren in Karlsruhe machte Schweizer vor allem als Stadtplaner mit zahlreichen Bebauungsplänen für deutsche Städte (auch für Karlsruhe) auf sich aufmerksam. In Publikationen und Vorschlägen zur Neuordnung zerstörter Städte nach dem Krieg widmete er sich Problemen der Architektur und des Städtebaus. Schweizer ging dabei nicht vom Einzelgebäude aus, sondern setzte die gesamte Architektur unter dem Aspekt der Landschaft in ein am menschlichen Maß orientiertes Verhältnis zu unbebauten Flächen. Bestehende Städte sollten neben dem historischen neue Zentren erhalten. Schweizer ging der Frage nach, wie der Mensch einen Ausgleich zu seiner streng rationalisierten Arbeitswelt erhalten könne. Sein Gepräge der Stadt wurde Ausdruck des modernen Lebens mit seinem Bedürfnis nach Arbeit, Freizeit und Erholung. Als anerkannter Spezialist für Stadtplanung erhielt Schweizer in Karlsruhe 1943 zusammen mit seinem Kollegen Friedrich Raab den Auftrag für ein Gutachten zur Ausgestaltung der Bahnanlagen und der Ausweisung von Baugebieten, dessen städtebauliche Ergebnisse er 1948 publizierte. Damit sollten Vorschläge gewonnen werden, um den Verlust der Funktion als Landeshauptstadt infolge der geplanten Verlegung des Sitzes der Gauleitung nach Straßburg durch den Ausbau des industriellen Sektors auszugleichen. Schweizer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedene Gremien für den Wiederaufbau berufen, unter anderem 1949 in den Planungsrat für die Einrichtung der Stadt Bonn als provisorisches Regierungszentrum.

Für sein Schaffen erhielt Schweizer zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen: unter anderem Dr.-Ing. e.h. der Technischen Hochschule (TH) Stuttgart (1950), Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (1955), Ehrenbürger seiner Heimatstadt (1960), Großes Bundesverdienstkreuz (1960).

Arthur Mehlstäubler 2012

Quelle

Werkarchiv im saai, KIT.

Werk

Über die Grundlagen des architektonischen Schaffens, Stuttgart 1935; Die architektonische Bewältigung unseres Lebensraumes, Darmstadt 1951; Zur städtebaulichen Neuordnung von Karlsruhe, Karlsruhe 1948.

Literatur

Immo Boyken: Otto Ernst Schweizer (1890–1965). Bauten und Projekte, Stuttgart 1996; ders.: Schweizer, Otto Ernst, in: Baden-Württembergische Biographien, Bd. III, Stuttgart 2002, S. 378–380.