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=Otto Friedrich Abetz=
 
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kunstlehrer, Diplomat, * 26. März 1903 Schwetzingen, † 5. Mai 1958 bei Langenberg/Stadt Velbert/Kreis Mettmann, kath., ∞ 1932 Suzanne de Bruyker, 2 Kinder.<br/ ><br/ >
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Kunstlehrer, Diplomat, * 26. März 1903 Schwetzingen, † 5. Mai 1958 bei Langenberg/Stadt Velbert/Kreis Mettmann, kath., ∞ 1932 Suzanne de Bruyker, 2 Kinder.<br/ ><br/ >
 
Der Sohn des gleichnamigen Großherzoglichen Domänenrats bestand in Karlsruhe 1920 das Abitur und studierte anschließend an der <lex id="ins-0906">Landeskunstschule</lex> bei <lex id="bio-0494">Ernst Würtenberger</lex>. 1927 schloss Abetz das Studium als Kunsterzieher ab und arbeitete anschließend bis 1934 als Zeichen- und Biologielehrer an Karlsruher Gymnasien. Von Würtenberger mit der französischen Malerei und Kultur vertraut gemacht, setzte sich Abetz Ende der 1920er-Jahre für die Völkerversöhnung und insbesondere die deutsch-französische Verständigung ein. Als früheres Mitglied der Wandervogel-Bewegung und Vorsitzender des Rings der überparteilichen und überkonfessionellen Jugendverbände in der Stadt organisierte er erstmals 1930 ein Treffen von deutschen und französischen Jugendverbänden am Sohlberg im Schwarzwald. Der danach gegründete Sohlbergkreis organisierte weitere Treffen und publizierte eine zweisprachige, in Karlsruhe erscheinende Zeitschrift (Sohlbergkreis, später: Cahiers Franco-Allemands. Deutsch-Französische Monatshefte), zu deren Herausgebergremium Abetz gehörte.
 
Der Sohn des gleichnamigen Großherzoglichen Domänenrats bestand in Karlsruhe 1920 das Abitur und studierte anschließend an der <lex id="ins-0906">Landeskunstschule</lex> bei <lex id="bio-0494">Ernst Würtenberger</lex>. 1927 schloss Abetz das Studium als Kunsterzieher ab und arbeitete anschließend bis 1934 als Zeichen- und Biologielehrer an Karlsruher Gymnasien. Von Würtenberger mit der französischen Malerei und Kultur vertraut gemacht, setzte sich Abetz Ende der 1920er-Jahre für die Völkerversöhnung und insbesondere die deutsch-französische Verständigung ein. Als früheres Mitglied der Wandervogel-Bewegung und Vorsitzender des Rings der überparteilichen und überkonfessionellen Jugendverbände in der Stadt organisierte er erstmals 1930 ein Treffen von deutschen und französischen Jugendverbänden am Sohlberg im Schwarzwald. Der danach gegründete Sohlbergkreis organisierte weitere Treffen und publizierte eine zweisprachige, in Karlsruhe erscheinende Zeitschrift (Sohlbergkreis, später: Cahiers Franco-Allemands. Deutsch-Französische Monatshefte), zu deren Herausgebergremium Abetz gehörte.
   

Aktuelle Version vom 9. Juli 2019, 12:32 Uhr


Otto Abetz, 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1560.

Otto Friedrich Abetz

Kunstlehrer, Diplomat, * 26. März 1903 Schwetzingen, † 5. Mai 1958 bei Langenberg/Stadt Velbert/Kreis Mettmann, kath., ∞ 1932 Suzanne de Bruyker, 2 Kinder.

Der Sohn des gleichnamigen Großherzoglichen Domänenrats bestand in Karlsruhe 1920 das Abitur und studierte anschließend an der Landeskunstschule bei Ernst Würtenberger. 1927 schloss Abetz das Studium als Kunsterzieher ab und arbeitete anschließend bis 1934 als Zeichen- und Biologielehrer an Karlsruher Gymnasien. Von Würtenberger mit der französischen Malerei und Kultur vertraut gemacht, setzte sich Abetz Ende der 1920er-Jahre für die Völkerversöhnung und insbesondere die deutsch-französische Verständigung ein. Als früheres Mitglied der Wandervogel-Bewegung und Vorsitzender des Rings der überparteilichen und überkonfessionellen Jugendverbände in der Stadt organisierte er erstmals 1930 ein Treffen von deutschen und französischen Jugendverbänden am Sohlberg im Schwarzwald. Der danach gegründete Sohlbergkreis organisierte weitere Treffen und publizierte eine zweisprachige, in Karlsruhe erscheinende Zeitschrift (Sohlbergkreis, später: Cahiers Franco-Allemands. Deutsch-Französische Monatshefte), zu deren Herausgebergremium Abetz gehörte.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeitertpartei (NSDAP) stellte Abetz seine sehr guten Kontakte nach Frankreich in den Dienst der Nationalsozialisten. Der Partei konnte er wegen der 1933 verhängten Aufnahmesperre erst 1937 beitreten, gehörte der SS aber seit 1936 an und wurde bis 1942 zum SS-Brigadeführer befördert. 1934 arbeitete Abetz zunächst als Frankreichreferent in der Reichsjugendführung in Berlin, 1935 wechselte er zur Dienststelle Ribbentrop, ein NSDAP-Amt für außenpolitische Fragen. Bei zahlreichen Reisen nach Frankreich knüpfte Abetz in den folgenden Jahren auch Kontakte zu französischen Frontkämpferverbänden sowie konservativen und faschistischen Intellektuellen und warb um Vertrauen in die vermeintliche deutsche Friedens- und Verständigungspolitik. Als diese im Sommer 1939 vollends unglaubwürdig geworden war, wurde Abetz aus Frankreich ausgewiesen.

Im Sommer 1940, nach dem Sieg über Frankreich, kehrte Abetz als deutscher Botschafter nach Paris zurück. In dieser einflussreichen Position war er maßgeblich beteiligt sowohl am nationalsozialistischen Kunstraub in französischen Museen und Privatsammlungen wie auch an der Deportation französischer wie in Frankreich lebender Juden nach Auschwitz. Seine anhaltenden Versuche, die Franzosen zur Kollaboration mit Nazi-Deutschland zu bewegen, wurden in Berlin beargwöhnt, weshalb er nach der Besetzung der freien Zone Frankreichs Ende 1942 für etwa ein Jahr nach Berlin zurückgerufen wurde. Nur noch etwa ein halbes Jahr amtierte er wieder als Botschafter, ehe er vor den heranrückenden alliierten Truppen 1944 Paris verließ. Nach seiner Entlassung als Botschafter zog er sich in seine mit Raubkunst ausgestattete Villa in Baden-Baden-zurück. Im Oktober 1945 wurde er von der französischen Polizei in einem Sanatorium im Schwarzwald, wo er sich zu verbergen suchte, aufgespürt und in ein Pariser Gefängnis überführt. 1949 wegen Kunstraubs, der Mitschuld an den Judendeportationen und an der Rekrutierung von Zwangsarbeitern zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, wurde Abetz aber 1954 nach Fürsprache auch der Bundesregierung vom französischen Präsidenten begnadigt.

Zurückgekehrt zu seiner Familie nach Düsseldorf, arbeitete Abetz als Berichterstatter für Frankreichfragen und als Vortragsredner. Er starb mit seiner Frau bei einem Autounfall.

Manfred Koch 2015

Quelle

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Abetz, Otto.

Werk

D'une prison. Précédé du Procès Abetz vu par Jean Bernard-Derosne. Suivi des principales dépositions, du réquisitoire et de la plaidoirie de Me René Floriot, Paris 1950; Das offene Problem. Ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte deutscher Frankreichpolitik, Köln 1951; Mémoires d'un Ambassadeur, Paris 1953.

Literatur

Friedrich Bentmann: Otto Abetz, in: Badische Biographien NF Bd. I, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 5-8; Roland Ray: Annäherung an Frankreich im Dienste Hitlers? Otto Abetz und die deutsche Frankreichpolitik 1930-1942, München 2000.