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Adolf Betz

Elektromonteur, NS-Gegner, Sanatoriumsleiter, * 2. September 1906 Karlsruhe, † 9. Juni 1950 Frauenalb, ev., Atheist, ∞ 1933 Lina Weiler, keine Kinder.

Betz wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und erlernte nach der Volksschule das Elektrikerhandwerk, das er bis zu seiner Verhaftung 1935 ausübte. In seiner Jugend trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei und gelangte darüber in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Er wurde am 1. April 1933 in Mannheim ohne konkrete Beweise verhaftet und blieb bis zum 12. Mai 1933 in sogenannter Schutzhaft. In demselben Jahr heiratete er die Durlacherin Lina Weiler, die Mitglied des Jugendverbands SAJ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) war, bevor sie zur KPD wechselte. Betz übernahm nach der Machtübertragung an die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die illegale Leitung der KPD in Durlach bis zu seiner Verhaftung am 11. Dezember 1935. Lina Betz flüchtete danach in die Schweiz, wo sie Kontakt mit Friedrich Karl Hans Dietz aufnahm.

Betz wurde am 19. März 1936 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, die er bis 1939 in Bruchsal, Ludwigsburg und im Moorlager Aschendorf bei Papenburg verbüßte. Zunächst „wehrunwürdig“ eingestuft, wurde er 1943 für das „Strafbataillon 999“ rekrutiert und im Lager Heuberg ausgebildet. Beim Einsatz in Griechenland konnte er mit einer Gruppe von anderen politisch Verfolgten Kontakt zum Partisanenwiderstand aufnehmen. Die Gruppe flog aber auf, ohne komplett enttarnt zu werden. Ein Verantwortlicher wurde standrechtlich erschossen, Betz zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 24. April 1945 befreiten ihn US-Truppen im bayerischen Kaisheim.

Zurück in Karlsruhe, organisierte Betz die Gruppe der politisch verfolgten Rückkehrer (später Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)). Bei der Neukonstituierung der KPD in Karlsruhe im September 1946 wurde er zum 1. Vorsitzenden gewählt, gab das Amt aber 1947 an Friedrich K.H. Dietz ab. Inzwischen baute er das von der „Süddeutschen Ärzte- und Sanitätshilfe, deutsche Sektion der CSS“ (Centre Sanitaire Suisse) übernommene Heim in Frauenalb zu einer Tbc-Heilstätte aus für die medizinische und humanitäre Hilfe für ehemalige Widerstandskämpfer, Verfolgte und ihre Angehörigen. Dabei unterstützte ihn seine Frau Lina, die als Sekretärin für die CSS arbeitete. Daneben wirkte er im Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft und gehörte der Landesleitung der VVN an. Bei einem Brand im Frauenalber Heim kam er bei der Rettung der Bewohner ums Leben. Lina Betz übernahm die Heimleitung und blieb im Haus auch nach der Übernahme durch den Landkreis nach 1950.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2020

Quellen

Hauptstaatsarchiv Stuttgart Deposit VVN-BdA 10 u. 90; GLA 480/59.