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Bernhard II. von Baden, undatierte Lithographie, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 25.

Bernhard II. von Baden

Seliger der katholischen Kirche, * 1428/29 Baden-Baden, † 15. Juli 1458 Moncalieri bei Turin, kath., möglicherweise zeitweilig verlobt mit Madeleine von Frankreich.

Bernhard II. von Baden war der zweitälteste Sohn des badischen Markgrafen Jakob I. und seiner Frau Katharina von Lothringen. Er erhielt eine religiöse und auf seine künftige Rolle als Landesherr ausgerichtete Erziehung, die ihn durch familiäre Verbindungen möglicherweise 1442-1445 an den Hof des französischen Königs Karl VII. führte. Durch seine Teilnahme an mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen erwarb sich Bernhard den Ruf ritterlicher Tapferkeit. So beteiligte er sich 1449 am Süddeutschen Städtekrieg der oberdeutschen Fürsten gegen die Freien Reichsstädte sowie im selben Jahr an der Belagerung Esslingens. 1453 unterstützte Bernhard seinen Onkel René I. von Anjou bei Gefechten in Oberitalien. Außerdem zog er zur Verbesserung seiner militärtaktischen Fähigkeiten für den Herzog von Mailand, Francesco I. Sforza, mit einem Söldnertrupp nach Italien.

Nach dem Tod seines Vaters im Herbst 1453 verzichtete Bernhard, der Missstände, Not und Armut seiner Zeit wahrnahm, für zehn Jahre auf seinen Landesteil, wodurch sein älterer Bruder Karl I. Herrscher über die gesamte badische Markgrafschaft wurde. Als Helfer der Armen und Bedürftigen teilte er sein durch den Erbverzicht garantiertes Jahreseinkommen in drei Teile, wovon je ein Drittel die Armen, die Kirche und er selbst erhielten.

Durch seinen Bruder Karl I., der Katharina von Österreich, die Schwester Friedrichs III., geheiratet hatte, kam Bernhard 1455 an den Hof des römisch-deutschen Kaisers. Dieser bereitete – als Reaktion auf die kurz zuvor erfolgte Eroberung Konstantinopels durch die Türken – einen Kreuzzug gegen das Osmanische Reich vor. Friedrich III. ernannte Bernhard zum persönlichen Gesandten mit dem Auftrag, an Höfen in Deutschland, Frankreich und Italien für einen Kreuzzug gegen die Türken zu werben. Anschließend zog Bernhard im Frühjahr 1458 mit einem kleinen Gefolge in nicht bekannter Mission nach Italien.

Im Juli 1458 starb Bernhard in der oberitalienischen Stadt Moncalieri an der Pest. Er wurde dort in der Kollegiatstiftskirche Santa Maria della Scala bestattet, die sich in der Folgezeit zu einem Wallfahrtsort für christliche Pilger entwickelte. Da an Bernhards Grab wundervolle Heilungen stattgefunden haben sollen, sprach ihn die katholische Kirche 1769 selig. 1770 ernannte ihn die Markgrafschaft Baden-Baden zu ihrem Schutzheiligen. Außerdem ist er Patron von Baden, der Jugend und der Männer sowie als „Beato Bernardo“ Schutzpatron von Moncalieri. Zudem fungiert Bernhard als Namenspatron mehrerer Kirchen in Baden, darunter der Kirche St. Bernhard in Karlsruhe. Ein 1958 eröffneter Heiligsprechungsprozess wurde nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. 2011 nahm die Erzdiözese Freiburg das Erhebungsverfahren für den kanonischen Heiligsprechungsprozess wieder auf.

René Gilbert 2016

Literatur

Anna Maria Renner: Der Heilige in der Welt. Markgraf Bernhard von Baden; eine Leitgestalt des christlichen Europa, Karlsruhe 1963; Christine Schmitt: Der selige Bernhard von Baden in Text und Kontext 1858-1958. Hagiographie als engagierte Geschichtsdeutung, Leinfelden-Echterdingen 2002 (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde Bd. 46); Christine Schmitt: Ein Seliger aus Baden : Leben und Verehrung des Markgrafen Bernhard II., Landespatron in der Erzdiözese Freiburg, Lindenberg im Allgäu 2008; Ritter - Landespatron - Jugendidol. Markgraf Bernhard II. von Baden, hrsg. von Martin Stingl und Wolfgang Zimmermann, Stuttgart 2019.