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Jakob Friedrich Meßmer

Mechaniker, Fabrikant, * 3. August 1809 Karlsruhe, † 17. Oktober 1881 Grafenstaden (heute Illkirch-Graffenstaden)/Dép. Bas-Rhin/Frankreich, ∞ NN Schwilgué.

Der Sohn eines Karlsruher Hoftheatermeisters besuchte das Karlsruher Lyzeum und anschließend das Polytechnikum. Nach seinem Studium arbeitete Meßmer dort als Mechaniker und unterrichtete gleichzeitig praktische Mechanik. Auf Veranlassung von Carl Friedrich Nebenius übernahm er 1833 die Einrichtung der mechanischen Werkstätte, in der unter anderem Emil Keßler sein Schüler war. Außerdem fungierte er als Mitglied der Gewerbeschulkommission und als Vorstandsmitglied des Karlsruher Gewerbevereins.

Zum Kennenlernen der neuesten technischen Apparaturen unternahm Meßmer 1833/34 Studienreisen nach Frankreich und England. 1835 trat er seinen Anteil an der mechanischen Werkstätte an den Miteigentümer und Mechaniker Josef Berckmüller ab und eröffnete bald darauf eine zweite private Werkstätte in der Erbprinzenstraße, in der er mit seinen Mitarbeitern Emil Keßler und Theodor Martiensen mathematische Instrumente, physikalische Apparate und Geräte für die Industrie herstellte. 1837 nahm Meßmer das Angebot an, bei der Straßburger Maschinenwerkstätte von Frédéric Rollé und Jean-Baptiste Schwilgué einzusteigen. Im Dezember 1836 hatte er bereits die zweite Karlsruher Werkstätte an seine beiden Mitarbeiter verkauft, die diese nun in Maschinenfabrik Emil Keßler & Theodor Martiensen umbenannten.

Nach dem Verkauf der Straßburger Fabrik an eine Gesellschaft wurde Meßmer 1838 zum technischen Direktor ernannt. Expansionspläne führten bald darauf zum Erwerb einer alten Fabrik für Messwaagen in Grafenstaden bei Straßburg, die Meßmer für seinen geplanten Bau von Lokomotiven völlig neu errichten ließ. Um qualifizierte Arbeiter zu bekommen, gründete er eine Bildungsanstalt, in der angehende Ingenieure, Werkmeister und Rechnungsbeamte ausgebildet wurden.

Nachdem die Fabrik die politischen Ereignisse der Revolution von 1848/49 überstanden hatte, entwickelte Meßmer den Betrieb in den 1850er- und 1860er-Jahren zu einem der führenden seiner Art. So legte er zum einen großen Wert auf die Ausbildung seiner Arbeiter an der neu gegründeten Gewerbeschule, zum anderen setzte er Maßstäbe in der sozialen Absicherung der Belegschaft, indem er einen Unterstützungsverein und eine Pensionskasse einrichtete. Hinzu kamen Annehmlichkeiten auf dem Werkgelände in Form eines Casinos mit Billard sowie eines Lesezimmers mit Bibliothek.

1857 lieferte Meßmers Fabrik die ersten Lokomotiven für die französische Nordbahn aus, danach für alle anderen französischen Bahnen. Es folgten Aufträge von ausländischen Bahnen, wobei zu Meßmers aktiver Zeit vor allem das benachbarte Großherzogtum Baden Lokomotiven bezog. 1867 trat Meßmer in den Ruhestand.

René Gilbert 2016

Quelle

KIT-Archiv 28002/309.

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Jakob Friedrich Meßmer, in: Badische Biographien, Bd. 2, Heidelberg 1875, S. 74-76, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/152070 (Zugriff am 10. August 2017); Friedrich von Weech: Meßmer, Jakob Friedrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 21, Leipzig 1885, S. 500 f.