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Arthur Brunisch an seinem 75. Geburtstag, 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/77/5/18.

Arthur Gustav Friedrich Paul Brunisch

Architekt, * 24. Mai 1889 Karlsruhe, † 7. Mai 1965 Karlsruhe, ev., ∞ 1930 Mia, geb. Lawaczeck, kinderlos.

Nach dem Abitur am Reformgymnasium 1907 leistete der Sohn des Direktors der Karlsruher Maschinenbaugesellschaft zunächst seinen einjährig-freiwilligen Dienst in der 6. Kompagnie des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 ab, bevor er zum Wintersemester 1908/09 das Studium der Architektur an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe aufnahm, das er, unterbrochen von einem Semester an der Münchener Universität, 1913 als Diplom-Ingenieur beendete. Unmittelbar nach Kriegsausbruch 1914 wurde er als Leutnant der Reserve beim Infanterie-Regiment 111 eingezogen. Nach einer Verwundung bei Liouville am 27. September 1914 wurde Brunisch von Mitte Oktober 1914 bis Kriegsende 1918 (seit 17. Juli 1918 Oberleutnant der Reserve) als Adjutant bei der Etappen-Inspektion 7. Armee eingesetzt.

Im Mai 1919 legte er die Staatsprüfung im Hochbaufach zum Regierungsbaumeister ab. Um 1919/20 war er für kurze Zeit Lehrer am Staatstechnikum, machte sich zugleich als Architekt selbstständig und ging 1922 mit seinem ehemaligen Studienkollegen Friedrich (Fritz) Heidt eine Bürogemeinschaft ein, die von 1940-1945 abgesehen, bis zu seinem Tod 1965 bestand. Alle Bauprojekte, die man vor 1940 und nach 1945 mit dem Namen Brunisch verbindet, sind aus der Bürogemeinschaft Brunisch & Heidt hervorgegangen.

Seit 1919/20 war Brunisch Mitglied der Badischen Architektenschaft (BA) im Bund Deutscher Architekten (BDA), 1926 Vorsitzender der Karlsruher Ortsgruppe, seit 1927/28 Vorsitzender des Landesbezirks. Außerdem war er seit Anfang 1920 Mitglied des Andreas-Hofer-Bundes, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und von 1923-1933 der Johannis-Loge Zur Pyramide. Nachdem er etwa Mitte der 1920er-Jahre Vorsitzender der Kunstkommission des Karlsruher Verkehrsvereins geworden war, übernahm er in den 1930er-Jahren den Vorsitz des Verkehrsvereins.

1933 trat er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die Reichskammer der bildenden Künste und die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein. Seine geschäftlichen Verbindungen mit jüdischen Unternehmen (Bankhaus Straus & Co, Firma Vogel & Bernheimer), seine aus nationalsozialistischer Sicht „laxe“ Einstellung in der Rassenfrage und die ehemalige Logen-Zugehörigkeit führten vom 3. Juni 1938 bis 17. Februar 1939 zu einem Parteiausschluss. 1939 wurde er als Bausachverständiger zugelassen und dadurch Mitglied der Reichsfachschaft für Sachverständigenwesen, der Deutschen Rechtsfront und des NS-Bundes Deutscher Technik. Bei der Beseitigung von Fliegerschäden arbeitete er während des Zweiten Weltkriegs zwei Jahre lang mit dem Städtischen Hochbauamt zusammen.

Nach seiner Wiederzulassung als Architekt 1946 setzte er die Bürogemeinschaft mit seinem ehemaligen Partner Heidt fort. Die Partner übernahmen sowohl den Wiederaufbau einiger exponierter Gebäude (Geschäftshaus Karl-Friedrich-Straße 22, Stadtvilla Reinhold-Frank-Straße 67) als auch die Planung neuer Einfamilien- und Mietswohnhäuser und Schulhäuser. Im wiedergegründeten BDA wurde Brunisch Vizepräsident und Vorsitzender des Bundesausschusses für Wohnungsbau. 1959 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Katja Förster 2020

Quellen

StadtAK 1/Wi-ko-Amt 8824; GLA 456 E/1524, 465 c/937, 465 h/31980, 466-24/1161; Karlsruher Tagblatt vom 2. November 1932 und 19. Januar 1937 StadtAK 8/Ze 2 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/titleinfo/2411037 (Zugriff am 19. Januar 2021); Badische Presse vom 22. April 1939 StadtAK 8/Ze 7 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/titleinfo/2411029 (Zugriff am 19. Januar 2021); Badische Neueste Nachrichten vom 23. Mai 1959, 23. Mai 1964 und 8. Mai 1965, StadtAK 8/Ze 15.