Version vom 18. November 2020, 13:19 Uhr von Stadtarchiv3 (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)


Bürgerverein Neureut-Kirchfeld

Der Bürgerverein Neureut-Kirchfeld (seit 2014 offiziell: Bürgerverein Siedlergemeinschaften Neureut-Kirchfeld e.V.) ist die Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner des Neureuter Ortsteils Kirchfeld. Der Bürgerverein Neureut-Kirchfeld wurde Ende September 1950 als „Siedlergemeinschaft Neue Siedlung“ in Abgrenzung zur 1928 entstandenen Siedlergemeinschaft der alten Siedlung (Schaffergilde) von 17 Männern gegründet. Unmittelbarer Anlass dafür war die Notwendigkeit einer zentralen Ansprech- und Koordinierungsstelle für die zahlreichen ab 1949 in Kirchfeld angesiedelten Heimatvertriebenen, die beim Einzug in ihre Häuser mit verschiedenen Problemen konfrontiert waren. Zu diesen gehörten insbesondere nicht fertig gestellte Häuser, fehlende Wirtschaftsgebäude, Wasserleitungen, Wege und Straßen sowie die Organisation der Sandabfuhr.

Im Gegensatz zu anderen Bürgervereinen entstand die Siedlergemeinschaft nicht als Verein, sondern überließ ihre rechtliche Vertretung dem Deutschen Siedlerbund. Am 1. Oktober 1950 war die Siedlergemeinschaft dem Landessiedlerverband des Deutschen Siedlerbunds (heute Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.) beigetreten, um gegenüber den Behörden im Allgemeinen und der Badischen Landsiedlung im Besonderen eine bessere Durchsetzungskraft der eigenen Interessen zu erzielen.

Die wichtigste Aufgabe der Siedlergemeinschaft bestand in den ersten Jahren in der Organisation des beim Bau der Fundamente der Siedlerhäuser nicht abtransportierten Erdaushubs. Dieser war seinerzeit nicht sofort entsorgt, sondern wahllos zwischen und hinter den Häusern abgeladen worden, wodurch eine Gartennutzung der Siedler auf ihren Grundstücken unmöglich wurde. Weiter kümmerte sich die Siedlergemeinschaft in den 1950er-Jahren unter anderem um den Schulhaus-, Sportplatz- und Straßenbau, die Trinkwasserversorgung, den Schulweg nach Neureut und die Obstbaumspritzung zur Schädlingsbekämpfung im Frühjahr und Herbst. Darüber hinaus bot sie eine einkommensteuerrechtliche Beratung der Siedler bei der Anerkennung ihrer Arbeit an der eigenen Immobilie als Selbstleistung an.

In den 1960er-und 1970er-Jahren stand die Tätigkeit der Siedlergemeinschaft ganz im Zeichen der sich stetig verstärkenden Verkehrsproblematik im Ortsteil, wobei sie im Rahmen der Realisierung des neuen Ortszentrums Neureut den Bau von zwei ausgebauten Anschlüssen an die Linkenheimer Landstraße sowie eine darüber führende Fußgänger- und Fahrradbrücke samt Lärmschutzwände am Kiefernweg forderte. Infolge langjähriger juristischer Verfahren konnte mit dem Bau der Brücke erst 1986 begonnen werden. Ein zweites beherrschendes Thema der 1970er-Jahre war die Eingemeindung Neureuts nach Karlsruhe, die auch die Siedlergemeinschaft ablehnte und diese Haltung durch Plakataktionen und Protestveranstaltungen kund tat.

Im Rahmen der Diskussion um den Bau der Nordtangente Ende der 1980er-Jahre lehnte die Siedlergemeinschaft ebenso den Entwurf einer südlich von Kirchfeld vorbeiführenden Trasse ab und schlug stattdessen den Ausbau der Verbindungsstraße zwischen der Waldstadt und Eggenstein mit Anschluss an die neue B 36 vor. 1996 trat die Siedlergemeinschaft der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine bei und wurde nun auch in rechtlicher Hinsicht ein Verein. Seit 2005 veranstaltet der Bürgerverein auf dem Anfang der 2000er-Jahre hergerichteten und aufgewerteten Gelände am Waldsportplatz sein jährliches Sommerfest. 2014 schlossen sich der Bürgerverein Neureut-Kirchfeld und die Siedlergemeinschaft Schaffergilde zum Bürgerverein Siedlergemeinschaften Neureut-Kirchfeld e.V. zusammen.

Erste Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Neue Siedlung bzw. des Bürgervereins Neureut-Kirchfeld waren Georg Simon (1950-1966), Heinrich Wolf (1966-1972), Georg Falkenstein jr. (1972-1980), Werner Meinzer (1979-1980 Co-Vorsitz), Johann Schnauder (1980-1985), Gernot Baur (1985-1994), Winfried Dörr (1994-2007), Herbert Karl (2007- 2014) und Petra Quernhorst (2014-2016). Seit 2016 hat Katharina Dümmel dieses Amt inne.

René Gilbert 2019

Quelle

Homepage des Bürgervereins Neureut-Kirchfeld: https://www.verband-wohneigentum.de/sg-ka-neureut-kirchfeld/ (Zugriff am 20. Juli 2019).

Literatur

Herbert Karl: Die Kirchfeldsiedlung. Chronik eines Stadtteils, Karlsruhe-Neureut 1928-2011, hrsg. vom Bürgerverein Neureut-Kirchfeld Siedlergemeinschaft e.V., Karlsruhe 2012, S. 365-388.