Ansicht von 1927, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 41/64b.

Indianerbrunnen am Werderplatz

Werderplatz, östlicher Teil bei der Johanniskirche

Der Bau einer unterirdischen Toilettenanlage im östlichen Teil des Werderplatzes zu Jahresbeginn 1924 gab den Anstoß für die Entstehung des Indianerbrunnens. Vermessungen des städtischen Tiefbauamts ergaben nämlich, dass die Kanalisation unter dem Platz nicht tief genug lag, um die Anlage vollständig in den Boden zu versenken. Dieser Umstand brachte den entwerfenden Architekten und Leiter des städtischen Hochbauamts Friedrich Beichel auf die Idee, den etwa einen Meter hohen Überstand als Postament für einen monumentalen Marktbrunnen zu nutzen.

Den ersten, auf 1. Februar 1924 datierten Brunnenentwurf in neobarockem Stil veränderte Beichel bereits im März dahingehend, dass der Brunnenstock nicht mehr von einem klassischen Skulpturenensemble, sondern von einer etwa lebensgroßen Indianerfigur bekrönt wurde. Sie spielte auf die im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung des Stadtviertels als Indianerviertel und seiner Bewohner als Südstadtindianer an, die sich infolge der großen Indianer- und Cowboy-Begeisterung nach dem viertägigen Gastspiel von Buffalo Bills Wild-West-Show auf der Wiese am Durlacher Tor im April 1891 gebildet hatte.

Der neue Entwurf stieß aber bei einem Teil der Südstädter auf so heftigen Widerstand, dass die Stadt im Herbst 1924 die traditionelle Konzeption umzusetzen gedachte. Während der Bauarbeiten an der Bedürfnisanstalt entschied sich aber Beichel dann doch für das Thema eines Indianerbrunnens und arbeitete den zweiten Brunnenentwurf nochmals vollständig um. Zur Vermeidung eines neuerlichen Protests ließ er aber bis zur offiziellen Inbetriebnahme der Toilettenanlage am 14. Juli 1925 nur das Brunnenbecken mit einem provisorischen Brunnenstock ausführen.

Die Enttäuschung über den unvollendeten Brunnen, der in aller Munde bereits Indianerbrunnen hieß, war groß. Der am 11. Oktober 1927 feierlich enthüllte Brunnenstock zeigt auf einem zickzackförmig geschliffenen Travertinblock einen überlebensgroßen doppelgesichtigen Indianerkopf. Für das nach Süden gewandte, ernst blickende Gesicht hatte ein Sioux-Indianer des damals in Karlsruhe gastierenden Zirkus Krone Modell gestanden. Das nach Norden schauende lächelnde Pendant mit Schnurrbart, Vatermörderkragen und Zeichendreieck zeigt Friedrich Beichel selbst.

Katja Förster 2014

Literatur:

Gerhard Kabierske: Indianer-Brunnen, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 583-588 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7); Katja Förster: Märkte und ihre Brunnen in Karlsruhe, in: Katja Förster, Markus Gruber, Matthias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Karlsruhe 2011, S. 37-42 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 11).