Paul Günther, Foto aus: Friedrich Raab: Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe, Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 103.

Ernst Gustav Paul Günther

Physikochemiker, * 6. Dezember 1892 Berlin, † 24. November 1969 Karlsruhe, ev., ∞ 1950 Charlotte Auguste Obermayer, kinderlos.

Als Sohn eines Goldschmieds wuchs Ernst Gustav Paul Günther in Berlin auf und legte 1911 das Abitur ab. Anschließend studierte er Chemie in Göttingen, Leipzig und Berlin. Obgleich er seine Doktorarbeit noch vor Kriegsbeginn vorgelegt hatte, konnte er die Promotion - bedingt durch seinen Dienst beim Militärversuchsamt Berlin - erst 1917 abschließen. Ab 1919 arbeitete Günther als Assistent am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Berlin, wo er sich 1926 habilitierte. Daran schloss sich bis Anfang 1939 eine Stelle als außerordentlicher Professor für Physikalische Chemie an, dann erhielt einen Lehrstuhl und wurde Direktor des Physikalisch-Chemischen Instituts.

Ende 1945 erreichte Günther ein Ruf der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er von Juni 1946 bis März 1961 Ordinarius für Physikalische Chemie und Direktor des Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie war. Ein später erfolgter Rückruf an seine Heim-Universität lehnte Günther ebenso wie Rufe nach Greifswald und Darmstadt ab. Schnell im Badischen heimisch geworden und im Kollegium allgemein anerkannt, wurde Günther im Frühjahr 1947 zum Dekan der neuen Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften und im Januar 1948 zum Rektor der Hochschule gewählt. In die Karlsruher Zeit fielen auch seine organisatorischen Leistungen außerhalb des Universitätsbetriebs. Als politisch Unbelasteter fand er Gehör bei den Besatzungsbehörden und trug maßgeblich zur Neugründung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie im Jahr 1947 bei, deren erster Nachkriegsvorsitzender er wurde. Ab 1948 erschien unter seiner Leitung die Zeitschrift für Elektrochemie (später Berichte der Bunsen-Gesellschaft) wieder, der er als Herausgeber und Redakteur bis 1961 zu neuem internationalem Ansehen verhalf.

Günther war seit 1951 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und stand ihr als Präsident von 1960-1962 vor. Nach seiner Emeritierung wurde Günther wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Chemie der Treib- und Explosivstoffe (heute Institut für Chemische Technologie) in Pfinztal bei Karlsruhe.

René Gilbert 2014

Quellen

GLA 235/30568 und 30570; KIT-Archiv 21001/52, 27002/2, 21011/141-I, 21011/141-II, 22003/34, 28002/153.

Werk

Untersuchungen über die spezifische Wärme bei tiefen Temperaturen, Diss. Berlin 1917; Über die innere Reibung der Gase bei tiefen Temperaturen, Habil.-Schrift Berlin 1926.

Literatur

Richard Lepsius: Paul Günther zum 70. Geburtstag, Chemiker Zeitung 86, 1962, 863; J. Eggert/W. Jost/W. Witte: Prof. Dr. Paul Günther zum 75. Geburtstag, Bericht der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie, 71, 1967, 933.