Paul Schulz, KIT-Archiv Karlsruhe 28010, I/2924.
Der scheidende Rektor Professor Johannes Weissinger (links) bei der Übergabe der Amtskette an seinen Nachfolger Professor Paul Schulz, 9. Dezember 1963, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A10/142/6/27A.

Paul Schulz

Lichttechniker, Physiker, * 31. Januar 1911 Rostock, † 1. Juli 1993 Düsseldorf, ev., ∞ Irene Kerp, 3 Töchter.

Paul Schulz war der Sohn eines Töpfermeisters und legte 1929 an der Rostocker Oberrealschule das Abitur ab. Anschließend studierte er Physik, Chemie und Mathematik in München und Rostock, wo er das Studium 1934 mit der Promotion und 1935 mit dem Staatsexamen abschloss. 1934-1937 arbeitete Schulz als Assistent an den Physikalischen Instituten in Rostock und Bonn, bevor er als Laborleiter zur Osram-Studiengesellschaft für elektrische Beleuchtung in Berlin ging, wo er sich 1943 habilitierte.

1946 wurde Schulz zum Direktor der Forschungsstelle für Gasentladungsphysik der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin in Greifswald ernannt und erhielt an der dortigen Universität 1948 eine Professur. Bereits im Folgejahr wechselte er an die Humboldt-Universität zu Berlin, ehe er nach einem Semester im Oktober 1949 einen Ruf als außerordentlicher Professor am Lehrstuhl für Lichttechnik und physikalische Elektronik an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe annahm. 1950 wurde Schulz Ordinarius für Lichttechnik und Direktor des Lichttechnischen Instituts. Für das im Wiederaufbau befindliche Institut erreichte er bei seinem Antritt die Schaffung der Prüfstelle für lichttechnische Einrichtungen an Fahrzeugen. 1956 erhielt das Institut einen zusätzlichen, von Otto Reeb besetzten Lehrstuhl für Angewandte Lichttechnik und Lichttechnische Messkunde. Darüber hinaus amtierte Schulz 1963-1965 als Rektor der TH. 1979 erfolgte seine Emeritierung.

Die wissenschaftliche Arbeit von Schulz galt in der Anfangszeit vornehmlich der Spektroskopie, wie Messungen der Verbreiterung und Verschiebung von Spektrallinien der Hauptserie von Alkalimetallen in Abhängigkeit von der Quantenzahl, der Auffindung von Seriengesetzmäßigkeiten und dem Nachweis einer beginnenden Durchlässigkeit der Atome gegenüber optischen Stößen bei höheren Quantenzahlen. Später arbeitete er vor allem auf dem Gebiet der elektrischen Gasentladungen, wobei ihm die erstmalige Bestimmung von Elektronen- und Ionendichten sowie Temperaturen in Hochdruckplasmen aus der Elektronenstoßverbreiterung von Spektrallinien gelang.

Für seine Arbeiten wurde Schulz, der im Laufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit 15 Patente anmeldete, mit dem 1969 erstmals verliehenen Elenbaas-Preis für international herausragende Leitungen auf dem Gebiet der Lichttechnik ausgezeichnet.

René Gilbert 2015

Quellen

KIT-Archiv 23050 Nachlass Paul Schulz, 28002/442; N.N.: Pionier der elektrischen Gasentladung. Prof. Paul Schulz von der Universität Karlsruhe 65 Jahre, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 31. Januar 1976, StadtAK 8/Ze 15. .

Werk

Der Einfluss von Fremdgasen auf die hohen Hauptserienlinien des Natriums, Diss. Rostock 1934; Der Lehrstuhl für Lichttechnik und das Lichttechnische Institut, in: Friedrich Raab (Red.): Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe. Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 261 f.; Der Plasmazustand der Gase. Vortrag, gehalten bei der Jahresfeier am 7. Dezember 1963, Karlsruhe 1964 (= Karlsruher akademische Reden Bd. 22); Elektronische Vorgänge in Gasen und Festkörpern, Karlsruhe 1968.