Johannes Schoch

Architekt, Hofbaumeister, * um 1550 Königsbach/Enzkreis, † 1631 Straßburg, ev., ∞ 1572 Anna Knoll, 1 Tochter.

Johannes Schoch wurde um 1550 als Sohn des Vorstands einer Wiedertäufergemeinde in Königsbach geboren und erlernte den Beruf des Zimmermanns. Vermutlich während seiner Wanderjahre kam er nach Straßburg, wo er 1572 das Bürgerrecht erhielt und im selben Jahr eine Tochter der Stadt heiratete. 1574 verließ Schoch das Elsass und baute in Neidenstein (Rhein-Neckar-Kreis) für den Reichsritter Erasmus von Venningen eine Mühle mit angeschlossenem Wohnhaus. 1577 kehrte er nach Straßburg zurück, um die Stelle des Werkmeisters auf dem städtischen Zimmerhof anzutreten.

Nachdem Schoch die Pläne für den "Neuen Bau" fertig gestellt hatte, nahm er 1583 das Angebot an, Baumeister in Durlach zu werden. In der badischen Markgrafenstadt zeichnete er für den Bau des Gymnasiums (Ernestinum) und die Pläne des wenige Jahre später errichteten Schlosses Gottesaue verantwortlich. Bereits 1585 ging Schoch wieder zurück nach Straßburg, um das einflussreiche Amt des Stadtlohnherrn anzunehmen und 1586 das Salzhaus und 1587/88 das Schlachthaus Große Metzig an der Rabenbrücke zu planen. Trotz seiner erfolgreichen Tätigkeit gab Schoch auch dieses Amt 1590 auf und wirkte anschließend als Stadtbaumeister. 1597 wurde er wegen finanzieller Engpässe entlassen.

Schoch genoss aber weiterhin einen ausgezeichneten Ruf und erhielt 1601 von Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz das Angebot, Hofbaumeister am kurfürstlichen Hof in Heidelberg zu werden. Dort arbeitete er von 1601-1619. Seine Bauten in dieser Zeit sind der Friedrichs- und der Englische Bau im Heidelberger Schloss, die Umgestaltung des Kurfürstlichen Schlosses und des Zeughauses in Amberg, der Delphinbrunnen im Schlosshof von Ettlingen und der Wohnpalast von Hans Jakob Kast, das alte Rathaus in Gernsbach. Daneben baute Schoch von 1612-1615 für den Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern in Speyer die bischöfliche Pfalz. Aufgrund dieser Arbeiten stieg Schoch zu den führenden Baumeistern Südwestdeutschlands auf. Zusammen mit dem württembergischen Hofbaumeister Heinrich Schickhardt gilt er zudem als wichtigster Vertreter der deutschen Renaissance-Architektur.

Im Alter von etwa 70 Jahren kehrte Schoch 1620 wieder nach Straßburg zurück, um erneut das Amt des Stadtbaumeisters auszuüben. Diesmal allerdings gestaltete sich seine Arbeit wenig erfolgreich. Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges verhinderten eine ordnungsgemäße Bauplanung, Schochs Versuche einer Reform des Bauwesens nach kurpfälzischem Vorbild scheiterten, ebenso sein Bemühen um die Einführung einer Dienstordnung für die Arbeiter. 1627 gab er diese Tätigkeit auf und verbrachte seine letzten Lebensjahre in seiner Wohnung, die ihm die Stadt Straßburg unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte.

René Gilbert 2015

Werk

Neuer Bau, Straßburg 1582-1585; Gymnasium, Durlach 1583-1585; Salzhaus, Straßburg 1586; Große Metzig, Straßburg 1587/88; Schloss Gottesaue, Karlsruhe 1588-1597; Friedrichsbau Heidelberg 1601-1607; Englischer Bau, Heidelberg 1612-1614; Schloss, Zeughaus, Amberg 1602/03; Bischöfliche Pfalz, Speyer 1612-1615; Englischer Bau, Heidelberg 1612; Delphinbrunnen, Ettlingen 1612; Altes Rathaus, Gernsbach.

Literatur

Gerhard Kaiser: Johannes Schoch, Baumeister der Renaissance und seine Zeit, in: Badische Heimat 74 (1994) S. 393-404; Rolf Schenke: Johannes Schoch (um 1550-1631) – Baumeister aus Königsbach, in: Der Enzkreis 8 (1999), S. 194-207; Liliane Châtelet-Lange: Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins NF 151 (2003), S. 149-174.