Lothar Baier

Schriftsteller, Essayist, Literaturkritiker, Journalist und Übersetzer, * 16. Mai 1942 Karlsruhe, † 11. Juli 2004 Montreal/Kanada.

Baier stammt aus einer seit langem in Rüppurr ansässigen Familie, der Vater Karl Baier war Gymnasialprofessor in Karlsruhe. Baier studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie. Er lebte überwiegend in Frankfurt a. M., daneben unter anderem in Frankreich und Kanada.

Schon 1962/63 saß er als Mitbegründer unter anderen mit dem ebenfalls aus Karlsruhe stammenden Wolf Wondratschek im Redaktionskollegium der literaturwissenschaftlichen Zeitschrift „text + kritik“, in den 1970er-Jahren schrieb er regelmäßig Beiträge in Literaturzeitschriften (unter anderen Merkur, Kursbuch, TransAtlantik, Wespennest), für den Deutschlandfunk sowie für Tages- und Wochenzeitungen (z. B. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Die Tageszeitung (taz), Die Zeit, Le Monde diplomatique und Freitag). Bei der in Zürich erscheinenden Schweizer Wochenzeitung arbeitete er 1997-2003 als Redakteur. 1987 berichtete er in der taz als einziger deutscher Journalist acht Wochen lang über jeden Verhandlungstag im Prozess gegen Klaus Barbie in Lyon. Seit 1992 lehrte Baier als Gastprofessor an der Universität Montreal, wohin er 2001 übersiedelte.

Als Buchautor widmete sich Baier - als Vermittler französischer Kultur - vor allem Themen aus der französischen Geschichte und Gesellschaft. Sein besonderes Interesse an der französischen Kultur schlug sich auch in seinen Übersetzungen nieder: Sie galten Romanen bzw. Texten von Jules Verne, Georges Simenon, Paul Nizan, André Breton und frühen literarischen Schriften Jean-Paul Sartres. Der zeit- und kulturkritische Essayist Baier, der auch die deutsche Einheit distanziert analysierte, erhielt unter anderem 1982 den ersten Jean-Améry-Preis für Essayistik, den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste (Berlin) 1994 und das französische Kultusministerium ernannte ihn 1996 zum Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres. Baier, der ob seiner kritischen Haltung zunehmend aus dem literarischen Betrieb in Deutschland ausgegrenzt wurde, hat sprachlich so eindringlich wie diskret sowie in der Analyse genau und unnachgiebig an seiner Vorstellung von Gerechtigkeit in dieser Welt festgehalten.

Der unter Depressionen leidende Baier schied durch Freitod aus dem Leben.

Günther Philipp 2013

Werk

Französische Zustände. Berichte und Essays. Frankfurt am Main 1982; Die große Ketzerei. Verfolgung und Ausrottung der Katharer durch Kirche und Wissenschaft, Berlin 1984; Jahresfrist. Frankfurt am Main 1985; Firma Frankreich. Eine Betriebsbesichtigung. Berlin 1988; Zeichen und Wunder. Kritiken und Essays, Berlin 1990; Die verleugnete Utopie. Zeitkritische Texte, Berlin 1993.

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Baier (Zugriff am 9. April 2013).