Willi Heinrich

Schriftsteller, * 9. August 1920 Heidelberg, † 12. Juli 2005 Dobel/Lkr. Calw, kath., ∞ 1955 Erika Stocker.

Willi Heinrich, Sohn eines Kaufmanns, war mit seiner Familie als Dreijähriger von Heidelberg nach Karlsruhe gekommen, besuchte hier die Volksschule und 1934-1937 die Handelsschule. Nach der kaufmännischen Lehre arbeitete er kurz in einer Lebensmittel-Großhandlung, wurde 1938 zum Arbeitsdienst und im Jahr darauf zum Wehrdienst eingezogen. Im Zweiten Weltkrieg war er von 1941 bis zur Kapitulation 1945 als Funker - zuletzt im Rang eines Unteroffiziers - bei einer Jägerdivision in Russland eingesetzt und wurde fünfmal verwundet. Nach Karlsruhe zurückgekehrt, nahm er seinen erlernten Beruf wieder auf, wurde 1946 Leiter eines Lebensmittelgeschäfts, danach bis 1954 Angestellter einer Lotterieannahmestelle.

1950 begann Heinrich in seiner Freizeit mit der Niederschrift von Kriegserlebnissen. Aus diesen Vorarbeiten entstand der Kriegsroman „Das geduldige Fleisch“, der 1955 erschien, nachdem elf Verlage ihn abgelehnt hatten. Mit seinem Erstling hatte Heinrich einen ungewöhnlich großen Erfolg. In rascher Folge erschienen Übersetzungen in 20 Sprachen, und in den USA wurde er zum Bestseller. Von nun an konnte er als freier Schriftsteller leben. Der Roman schildert authentisch den Soldaten des Zweiten Weltkriegs und die Anstrengungen, die ihm abverlangt wurden, um zu überleben. 1977 kam die Verfilmung unter dem Titel „Steiner - das Eiserne Kreuz“ (Regie: Sam Peckinpah, mit James Coburn, Senta Berger und Maximilian Schell) in die Kinos. Ein zweiter Kriegsroman, sowie ein Roman, der das geteilte Deutschland und den aufkommenden Neonazismus zum Gegenstand hat, erschienen im Karlsruher Stahlberg-Verlag 1956 und 1958. Der Verkaufserfolg sollte sich allerdings nicht wiederholen, und die folgenden Romane wurden von anderen Verlagshäusern herausgegeben. Insgesamt veröffentlichte er einen Erzählungsband und 29 Romane. Einer davon, „Mittlere Reife“ (1966), in dem es um die Entwicklung einer jungen Frau in den sich bietenden Chancen und Fallstricken des Wirtschaftswunderlandes geht, spielt in Karlsruhe.

Willi Heinrich schrieb für ein zahlenmäßig großes Publikum und hat es mit einer Gesamtauflage seiner Bücher von geschätzten mehr als 30 Millionen auch erreicht. Die Romane sind in unterschiedlichem Maße gekennzeichnet durch stilistische Prägnanz, aufrichtige Sozialkritik, drastischen Realismus und leise Ironie. Er hat sich stets gewehrt, in die Ecke der Trivialliteratur geschoben zu werden, und seine Gemeinde hat sich durch zahlreiche Verrisse in den Feuilletons nicht beeindrucken lassen.

Nach seinem Erstlingserfolg übersiedelte Heinrich 1957 nach Baden-Baden, von dort zog er 1962 nach Bühlertal, um 1986 wieder nach Karlsruhe in ein Penthouse in der Weststadt zurückzukehren. Nach sinkenden Verkaufszahlen seiner Bücher und juristischen Auseinandersetzungen mit seinem Verlag musste er das Penthouse verkaufen und starb verarmt in einem Seniorenheim in Dobel im Landkreis Calw.

Manfred Koch 2015

Literatur

http://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Heinrich; http://www.willi-heinrich.de/; http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag4552.html (Zugriff jeweils am 9. Februar 2015).