Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1731.

Ingeborg Stahlberg

Verlegerin, * 6. Januar 1921 Morbach/Lkr. Bernkastel-Wittlich, † 22. Dezember 1985 Karlsruhe, kath., ledig.

Der Vater war Bürgermeister in ihrem Geburtsort und wurde 1933 von den Nazis seines Amtes enthoben und später nach Antweiler zwangsversetzt. Um Ingeborg Stahlberg der Indoktrination durch die NS-Ideologie zu entziehen, kam sie bis zur mittleren Reife in eine Klosterschule und dann 1938 bis zum Abitur nach Bonn, wo sie in einem katholischen Studentenheim wohnte. Nach dem Abitur begann sie in Heidelberg ein Studium der Volkswirtschaft, wozu sie in den NS-Studentenbund eintreten musste. Sie wechselte nach kurzer Zeit zum Fach Zeitungswissenschaft mit Germanistik, Kunstgeschichte, Psychologie sowie Theologie, ging nach München und Freiburg und wurde im März 1945 in Heidelberg promoviert.

Nach Kriegsende arbeitete sie bis Oktober bei der Polizei in Heidelberg und kam dann nach Karlsruhe als Lektorin zum Badischen Buchverlag. Im März 1946 erhielt sie die Lizenz zur Gründung eines eigenen Verlags. Den Stahlberg-Verlag führte sie bis zum endgültigen Verkauf im Jahr 1971. Mit ihren Geschäftspartnern, Mitarbeiterinnen, Autoren und Freundinnen war sie häufig zu Gast in der Künstlerkneipe in Daxlanden. 1971-1978 verantwortete sie als Direktorin das Programm des zum Holzbrink-Verlag gehörenden Bücherbundes in Stuttgart, blieb aber in Karlsruhe wohnen. Bis zu ihrem Tod unternahm sie zahlreiche kunsthistorische Reisen.

1978 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande als eine der profiliertesten Verlegerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit.

Manfred Koch 2014

Quelle

Deutsches Literaturarchiv Marbach: Nl Ingeborg Stahlberg.

Werk

Die deutsche illustrierte Presse im Weltkrieg, Diss. Heidelberg 1945.

Literatur

Die Bücher des Stahlberg-Verlages, Katalog zur Ausstellung im Oberrheinischen Dichtermuseum Karlsruhe 28.1.1994-25.2.1994, bearb. von Ralf Keller/Jochen Meyer/Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Karlsruhe 1994; Heima Hasters: Fräulein Doktor wird Verleger, Inge Stahlberg 1946, Karlsruhe 1996.