Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin

Schriftstellerin, Salonnière, * 19. Mai 1771 Berlin, † 7. März 1833 Berlin, jüd., 1814 ev., ∞ 1814 Karl August Varnhagen von Ense, kinderlos.

Rahel Varnhagen war die älteste Tochter des jüdisch-orthodoxen Juwelenhändlers Markus Levin. Da ihr eine höhere Bildung versagt blieb, führte sie, von verschiedenen längeren Reisen unterbrochen, 1790-1806 im Elternhaus einen literarischen Salon. Hier trafen sich Dichter, Naturwissenschaftler, Politiker und Aristokraten, um über verschiedene Bereiche des kulturellen Lebens zu diskutieren. 1803 lernte sie den 14 Jahre jüngeren Publizisten und preußischen Diplomaten Karl August Varnhagen von Ense kennen. Nachdem beide sich einige Jahre aus den Augen verloren hatten, begegneten sie sich 1808 wieder und heirateten 1814, nachdem sie zuvor zum Christentum konvertiert war und die Vornamen Antonie Friedrike angenommen hatte.

Seit 1808 begleitete Varnhagen ihren Partner häufig auf dessen Reisen durch Europa. Als dieser sich zur österreichischen Armee meldete, organisierte sie während der Befreiungskriege 1813 in Prag die Versorgung der Kriegsverwundeten und sammelte Spenden für die Hinterbliebenen. 1816 wurde Karl Varnhagen von Ense zum preußischen Gesandten am badischen Hof ernannt. Bis zum Oktober 1819 lebte das Ehepaar in der Fächerstadt. Rahel Varnhagen vermisste hier vor allem die gelehrte Geselligkeit, dazu kam, dass sie als geborene Jüdin bei Hofe nicht geladen wurde.

Zurück in Berlin eröffnete Varnhagen erneut einen Salon, in dem unter anderem Ludwig Börne und Heinrich Heine verkehrten. Als Schriftstellerin erlangte Varnhagen erst postum Bedeutung durch die Veröffentlichung ihrer zahlreichen Briefe und Tagebücher, die von ihrem Mann herausgegeben wurden.

René Gilbert 2015

Werk

Gesammelte Werke, 10 Bde., hrsg. von Konrad Feilchenfeldt/Uwe Schweikert/Rahel E. Steiner, München 1983.

Literatur

Oskar Franz Walzel: Varnhagen von Ense, Rahel, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB),Bd. 39, Leipzig 1895, S. 780-789; Hannah Arendt: Rahel Varnhagen: Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik, München 1957; Carola Stern: Der Text meines Herzens: Das Leben der Rahel Varnhagen, Reinbek 1994.