Johann Heinrich Backofen

Komponist, Klarinettist, * 6. Juli 1768 Durlach, † 10. Juli 1830 Darmstadt.

Johann Heinrich Backofen wurde als Sohn des markgräflichen-badischen Hofoboisten Johann Matthäus Backofen in Durlach geboren. 1780 zog die Familie nach Nürnberg, wo Backofen mit seinen zwei jüngeren Brüdern Musik, Zeichenkunst und Fremdsprachen studierte. Seine Musiklehrer waren Georg Wilhelm Gruber in Komposition und Heinrich Birckmann, der ihn in verschiedenen Instrumenten ausbildete, wobei die Klarinette das Hauptinstrument war. 1789 verließ Backofen Nürnberg und verfeinerte sein Klarinettenspiel bis 1791 in Meiningen und Würzburg bei Adolph Philipp Ernst Meissner. Bis 1794 konzertierte er als Klarinettist auf Auslandsreisen in Frankreich, Spanien und Italien.

Wegen politischer Unruhen kehrte Backofen 1794 nach Nürnberg zurück und nahm dort die Stelle eines Flötisten an. In den folgenden Jahren reiste er erneut durch europäische Länder, darunter die Niederlande, Belgien und Frankreich, wo er den damals bekannten Klarinettisten an der Pariser Oper, Xavier Lefèvre, kennenlernte. In dieser Zeit widmete sich Backofen verstärkt dem Studium der Harfe, gab Konzerte als Harfenist und Bassetthornspieler und veröffentlichte 1801 ein Lehrbuch über das Harfenspiel. 1802 kam er an den Hof des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg in Gotha und wurde dort Ende 1804 Erster Klarinettist und damit Direktor der Blasinstrumente sowie Harfenlehrer der später bedeutenden Harfenistin Dorette Spohr. 1806 erfolgte seine Ernennung zum herzoglichen Kammermusikus.

1811 ging Backofen nach Darmstadt an die Großherzoglich-Hessische Hofkapelle und wurde Kammermusikus der ersten Klasse für Flöte. Darüber hinaus betrieb er eine Manufaktur für Blasinstrumente und betätigte sich als Klarinettenbauer.

Backofen war zu seinen Lebzeiten nicht nur wegen seines virtuosen Klarinettenspiels bekannt, auch sein kompositorisches Werk fand bei den Zeitgenossen großen Anklang. Besondere Verdienste erwarb er sich durch die Übertragung französischer Musik für die Pedalharfe auf die in Deutschland damals noch allgemein verbreitete Hakenharfe sowie durch seine Schrift Harfenschule, der ersten grundlegenden Veröffentlichung zu diesem Instrument in deutscher Sprache.

René Gilbert 2016

Quelle

StadtAK 7/Nl Strobel 157.

Werk

Concertante für Harfe, Bassetthorn und Violoncello. F-Dur op. 7; Quintett für Klarinette und Streichquartett B-Dur op. 15; Sinfonia concertante A-Dur op. 10 für 2 Klarinetten und Orchester; Grand Duo für 2 Querflöten G-Moll op. 38; Harfenschule mit Bemerkungen über den Bau der Harfe und deren neuere Verbesserungen, Leipzig 1801; Anweisung zur Klarinette nebst einer kurzen Abhandlung über das Bassett-Horn, Leipzig 1803; Anweisung zur Klarinette, mit besonderer Hinsicht auf die in neuern Zeiten diesem Instrument beigefügten Klappen, Leipzig 1824.

Literatur

Heidrun Rosenzweig: Johann Georg Heinrich Backofen. Die deutsche Harfe um 1800, in: Historische Harfen – Beiträge zur Theorie und Praxis historischer Harfen, hrsg. von Heidrun Rosenzweig, Basel 1991, S. 80-97; Hans-Joachim Zingel: Backofen, Johann Heinrich, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Bd. 1, 2. neu bearb. Aufl., hrsg. von Ludwig Finscher, Kassel 1999, Spalte 1584-1586; Bruno Jahn (Bearb.): Deutsche biographische Enzyklopädie der Musik Bd. 1, München 2003, S. 44.