Benno Stolzenberg, Universitätsbibliothek JCS Frankfurt am Main.

Benno Stolzenberg

Kammersänger (Tenor), Musikpädagoge, * 25. Februar 1827 Königsberg/Ostpreußen, † 22. April 1906 Berlin, jüd., ∞ Claire La Porte, 1 Tochter.

Als Sohn des Kantors der jüdischen Gemeinde im ostpreußischen Königsberg geboren, erhielt Benno Stolzenberg seine Gesangsausbildung bei dem Berliner Tenor und Gesangspädagogen Jacob Eduard Mantius und dem Hofkapellmeister Heinrich Dorn. 1852 gab er als Graf Almaviva in Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla sein Bühnendebüt am Stadttheater Königsberg. Dort blieb er bis 1855 und hatte danach Auftritte in Reval (Tallinn) und Helsinki. Von 1856-1858 folgten Engagements am Stadttheater in Stettin und am Hoftheater von Braunschweig, wo er den Edgardo di Ravenswood, den Geliebten der Titelheldin in Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor sang. Nach einer weiteren Station in Würzburg 1859/60 kam Stolzenberg 1860 nach Karlsruhe und blieb dort die folgenden 15 Jahre.

Seine erste Rolle am Großherzoglichen Hoftheater war die des Lyonel in Friedrich von Flotows Oper Martha oder Der Markt zu Richmond. Durch sein bemerkenswert umfangreiches Repertoire von 140 teils jugendlichen, teils lyrischen Rollen sowie durch seine ausgesprochen variationsfähige und in allen Lagen voll und weich klingende Stimme, wird Stolzenberg zu den besten Konzertsängern seiner Generation gezählt. Er avancierte zum gefeierten Künstler des Karlsruher Publikums und stand ebenso hoch in der Gunst des großherzoglichen Hauses. Nachdem er 1873 Karlsruhe verlassen hatte, ernannte Großherzog Friedrich I. den einstigen Publikumsliebling zu dessen 25. Bühnenjubiläum zum Kammersänger.

1875/76 trat Stolzenberg am Opernhaus in Leipzig auf und von 1876-1879 erneut in Königsberg. Von 1879-1882 sang er am Stadttheater in Danzig, das er gleichzeitig als Direktor leitete. Anschließend schränkte Stolzenberg seine Bühnentätigkeit langsam ein. Er ging nach Berlin, um fortan als Konzertsänger und Gesangslehrer zu arbeiten. Zahlreiche namhafte Sänger erhielten bei ihm ihre Ausbildung. 1885 nahm Stolzenberg ein Angebot als Lehrer für Sologesang am Konservatorium in Köln an. 1896 kehrte er nach Berlin zurück und leitete dort eine private Gesangsschule. 1894 wurde Stolzenberg mit dem Titel eines Königlich Preußischen Professors ausgezeichnet.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 56/421.

Literatur

Richard Valentin Knab: Stolzenberg, Benno, in: Badische Biographien Bd. VI, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg 1935, S. 656-658; Karl J. Kutsch: Großes Sängerlexikon, 4., erweit. und aktual. Aufl. Bd. 6: Rasa - Sutton, München 2003, S. 4553 f.