Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oI 280.

Karl II. von Baden-Durlach

Markgraf, * 27. Juli 1529 Sulzburg, † 23. März 1577 Durlach, ev., ∞ 1. 1551 Kunigunde von Brandenburg-Kulmbach (1523-1558), 2 Kinder, 2. 1558 Anna von Pfalz-Veldenz, 6 Kinder.

Nach freudloser Jugend übernahm der Sohn von Markgraf Ernst I. und Ursula von Rosenfeld nach dem Tod des Vaters und des Stiefbruders 1553 die Regentschaft über die gesamte Markgrafschaft Baden-Pforzheim. Kriegerischen Auseinandersetzungen abgeneigt, schloss Karl II. Frieden mit verfeindeten Nachbarn und suchte die Finanznot des Landes zu meistern. Beim Kloster Gottesaue ließ er ein Hofgut einrichten. Nach längeren Vorüberlegungen führte er nach dem Augsburger Reichs- und Religionsfrieden 1556 in seinem Land ohne Zwänge gegenüber bisherigen Geistlichen und Ordensleuten die Reformation ein. Herzog Christoph von Württemberg, Basel und die Pfalz halfen ihm mit Entsendung von lutherischen Theologen. Die Markgrafschaft übernahm weitgehend die württembergische Kirchenordnung. Als eifriger Verfechter der Reformation gab ihm der Volksmund den Beinamen „der Fromme“. Mit Hilfstruppen unterstützte er den französischen König Karl IX. im Krieg gegen die calvinistischen Hugenotten.

1565 verlegte Karl II. seine Residenz von Pforzheim nach Durlach, nicht nur wegen eines Streits mit den selbstbewussten Pforzheimer Bürgern, sondern wegen der zentraleren Lage des Ortes in seiner Markgrafschaft, die nun Baden-Durlach hieß. Das dortige Jagdschloss wurde zur Karlsburg ausgebaut und die Münzstätte hier angesiedelt. Zur Verbesserung des Stadtbildes wurden die Stadttore neu angelegt, Straßen gepflastert und baufällige Häuser durch neue ersetzt. Mit der Gewährung neuer Privilegien und mit dem Sitz der Residenz hob sich der Wohlstand in der Stadt. Sein bis heute lebendiger Spitzname „Karle mit der Tasch“ beruht auf der Legende, dass er als Bauherr des Schlosses die Arbeiter eigenhändig aus seiner Umhängetasche entlohnt haben soll.

Karl II. wurde in der Schlosskirche in Pforzheim bestattet, die auch nach dem Residenzwechsel die Grabstätte der Markgrafen von Baden-Durlach blieb. Sein Grabmal gehört zu den bedeutenden Denkmälern der Renaissance.

Leonhard Müller 2012

Literatur

Arthur Kleinschmidt: Karl II. (Markgraf von Baden-Durlach), in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 15, Leipzig 1882, S. 233–237; Ernst Walter Zeeden: Kleine Reformationsgeschichte von Baden-Durlach und Kurpfalz, Karlsruhe 1956; Susanne Asche/Olivia Hochstrasser: Durlach. Staufergründung - Fürstenresidenz – Bürgerstadt, Karlsruhe 1996 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 17); Armin Kohnle: Kleine Geschichte der Markgrafschaft Baden, Karlsruhe 2007.